Briten finden in Hainichen neue Heimat

Ende Juni verließ ein Ehepaar mit zwei kleinen Kindern Großbritannien in Richtung Gellertstadt. Dort bereiteten ihnen nicht nur Familienangehörige einen herzlichen Empfang.

Hainichen.

Als der Hainichener Bürgermeister Dieter Greysinger Lina und Vidmantas Simkaitis sowie ihre beiden Söhne zusammen mit dem Hainichener Maskottchen "Hainrich" in der Gellertstadt begrüßte, ahnte wohl keiner, welche Wellen das Treffen Anfang der Woche schlagen würde. Der Bürgermeister berichtete im sozialen Netzwerk Facebook von den neuen Einwohnern. Innerhalb von nicht einmal 24 Stunden gab es weit über 100 Reaktionen und mehr als ein Dutzend Willkommensgrüße.

Es ist für Lina (38) und Vidmantas (41) Simkaitis der zweite große Umzug in ihrem Leben. Bereits vor 17 Jahren verließen sie für einen Sommerjob als Studenten ihr Heimatland Litauen und blieben schließlich auf der Insel. In der rund 160.000 Einwohner zählenden englischen Stadt Telford begann für sie ein neuer Abschnitt. Beide arbeiteten einige Jahre lang in der Rosenzucht. Später war Lina als Teamleaderin in der Qualitätssicherung eines Automobilzulieferers tätig und Vidmantas in der Logistikbranche. 2018 und 2019 wurden ihre Söhne geboren.

Doch nun verändert der Brexit England, berichten sie. Viele Arbeitsplätze seien in Gefahr und die Spannungen zwischen Brexit- Befürwortern und Gegnern, aber auch zwischen Einheimischen und Zuwanderern wüchsen.

Die Nähe zur Cousine und ihrer Familie in Deutschland und die Ansicht, dass die deutsche Mentalität der litauischen ähnlicher ist als die englische, ließ den Wunsch der beiden nach einem Umzug nach Deutschland reifen. "Schon bei unseren Treffen im vergangenen Jahr scherzten die beiden, dass sie wohl am besten nach Deutschland auswandern sollten. Im Frühjahr diesen Jahres wurde das wahr", schilderte die Hainichenerin Raminta Kalvaityte-Kretschmann. Sie ist jene Cousine und war selbst vor fast 20 Jahren nach Hainichen ausgewandert. Mit ihrem Ehemann organisieren im Verein Communitas Hilfstransporte für Bedürftige in Litauen und der Ukraine. Bis zu fünf Sattelzüge mit Hilfsgütern sind pro Jahr dahin unterwegs.

Dass die Cousine mit der Familie nun nach Hainichen zieht, macht die Kretschmanns glücklich. "Unsere und ihre Kinder können nun gemeinsam aufwachsen und wir können uns gegenseitig unterstützen, insbesondere beim Erlernen der deutschen Sprache und bei der Kinderbetreuung", so Raminta Kalvaityte-Kretschmann.

Die Familie Simkaitis möchte gern dauerhaft in Hainichen bleiben. Es wurde sogar schon ein Grundstück in der Hainichener Gartenstadt gekauft und die Pläne für einen Hausbau im kommenden Jahr sind schon sehr konkret. "Wir haben bereits vor Ankunft der Familie damit begonnen, auf dem Grundstück das über einen Meter hohe Gras zu mähen und Ordnung zu schaffen. Dabei kamen viele Anwohner von selbst auf uns zu und freuten sich zu erfahren, dass eine Familie mit zwei kleinen Kindern kommt", erklärt Raminta Kretschmann. Die Familie habe nicht mit einem solch herzlichen Empfang gerechnet.

Auch die Tatsache, dass die Kosten für den Kindergarten beziehungsweise die Kindergrippe im Vergleich zu England sehr überschaubar sind, sei sehr erfreulich für das Paar. In England mussten die Eltern für ihren zweijährigen Sohn umgerechnet 5,50 Euro pro Stunde für die Betreuung zahlen. Auch im Hinblick auf ihre ursprüngliche Heimat Litauen hat sich viel verändert. Brauchte die Familie früher fast 30 Stunden, um mit dem Auto von England zu den Eltern in Litauen zu fahren, so reduziert sich diese Zeit von Hainichen aus auf rund 13 Stunden. Im Vergleich zu früher ein Katzensprung.

Der Hainichener Bürgermeister Dieter Greysinger würde sich freuen, wenn noch mehr Familien dem Beispiel folgen. "Gerade junge Familien sind in unserer Stadt sehr wichtig, auch um der Überalterung in der Bevölkerung entgegenzutreten", so Greysinger. Derzeit hat Hainichen 8585 Einwohner, am 1. Juli vergangenen Jahres waren es noch 8624.

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