Chemnitz bestimmt Dialog in Hainichen

Beim Bürgergespräch in der Gellertstadt mit Sachsens Ministerpräsidenten sind Konflikte jenseits der Kleinstadt präsent. Es gibt aber auch vor Ort Anlass zur Sorge.

Hainichen.

Eigentlich sollte es um Strategien der Landesregierung für den ländlichen Raum gehen, speziell um Sorgen der Menschen in der Kleinstadt Hainichen. Doch eine Großstadt stand im Mittelpunkt des Bürgerdialogs mit Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) am Dienstagabend im Landgasthof Ottendorf. Die jüngsten Ereignisse in Chemnitz bestimmen nicht nur Schlagzeilen und Debatten in sozialen Netzwerken. Die tödliche Messerstecherei zwischen Deutschen und Ausländern beim Stadtfest und die auch von Rechtsextremen organisierten Demonstrationen bewegen die Hainichener. "Freie Presse" fasst einige Fragen aus den Reihen der knapp 140 Besucher der Veranstaltung in der Gellertstadt zusammen: Protest in Chemnitz: Die Demonstrationen in Chemnitz sorgen offenkundig auch bei den Hainichenern für Verunsicherung, genauso wie die ersten Reaktionen der Politik darauf. So fragte Karin Wycisk, was denn der Ministerpräsident damit meinte, als er im Rundfunk dazu aufrief, dass sich Mehrheiten nicht Minderheiten anschließen sollten wie bei den Demonstrationen in den vergangenen Tagen. Kretschmer zeigte zwar Verständnis dafür, dass "normale Leute", wie sie auch in Chemnitz bei den Kundgebungen zu sehen gewesen seien, sich zu dem Tötungsdelikt öffentlich äußern wollen. "Es muss einen Ort geben, an dem sich die Leute in Trauer und Empörung über diese Tat artikulieren können", sagte der CDU-Landeschef. Doch das könne eben nicht eine Demonstration von Hooligans und Rechtsextremen sein, die dabei den Hitlergruß zeigen oder Jagd auf Ausländer machen. Genau jene Bilder blieben jetzt in der bundesweiten Wahrnehmung von Chemnitz hängen. Straftaten wie die in Chemnitz beim Stadtfest müssten lückenlos aufgeklärt werden. "Und dann wollen wir den Leuten sagen, was daraus geworden ist, wenn die Täter gefunden sind", so Kretschmer. Sicherheit: Auch wenn es sich nur um Einzelfälle handeln mag, die vom Publikum geschildert wurden, herrscht Unzufriedenheit beim Thema Innere Sicherheit. Der Verweis auf die Kriminalitätsstatistik, wonach die Anzahl der Straftaten in der Kommune sinkt, verfing da nicht. So berichtete ein Hainichener von einem Autoklau, der sich erst vor wenigen Tagen ereignet habe. "Klar braucht in so einem Fall niemand mit der Statistik kommen", zeigte Kretschmer Verständnis. Die Landesregierung befasse sich mit dem Kfz-Diebstahl und wolle stationäre Kfz-Kennzeichen-Scanner einsetzen, um Diebe zu fassen. Und von den zusätzlichen 1000 Stellen bei der Polizei sei die Hälfte der Beamten für den Einsatz im ländlichen Raum vorgesehen. Weitere 250 Bundespolizisten sollen hinzu kommen. Lehrermangel: Die Kritik, wonach die Landesregierung viel zu spät auf den sich abzeichnenden Personalmangel an Schulen reagiert habe, war für Kretschmer nicht neu. Darauf hätte man eher reagieren müssen, gestand der Ministerpräsident ein. Aber mit dem Bildungspaket seien die Weichen gestellt. Um Lehramtsstudenten in Sachsen zu halten, biete man die Verbeamtung an. Für ältere Pädagogen wolle man über eine allgemeine Gehaltszulage in der Regierung verhandeln. Und es gebe mehr Schulsozialarbeit an Oberschulen.


Kommentar: AufAugenhöhe

Besuch aus Dresden kam nach Hainichen sonst nur, wenn es etwas zu Feiern gab. Dass sich nun nach dem Wirtschaftsminister auch der Ministerpräsident mit Kritik und Fragen der Hainichener auseinandersetzt, hat natürlich etwas mit den bevorstehenden Wahlen in der Stadt und im Land zu tun. Und bei dem Dialog mit den Bürgern hat es sicher nicht auf alle Fragen befriedigende Antworten gegeben. Doch gerade auf dem Land haben die Menschen das Gespräch auf Augenhöhe vermisst. Und zumindest damit hat Michael Kretschmer also berechtigt Punkte gesammelt.

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1Kommentare
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  • 3
    0
    612115
    30.08.2018

    "Die tödliche Messerstecherei zwischen Deutschen und Ausländern beim Stadtfest..." Was soll denn diese Formulierung? Keines der deutschen Opfer hatte ein Messer!



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