Dampflok schnauft vorerst nicht mehr durch Küchwald

Die Maschine muss zum Bahn-Tüv und wurde deshalb auseinandergebaut. Der Zeitpunkt ihrer Rückkehr ist ungewiss.

Chemnitz.

Noch vor wenigen Wochen schnaufte die Dampflok der Parkeisenbahn zu ihrem 65-jährigen Jubiläum durch den Küchwald. Doch das ist mittlerweile nicht mehr möglich. Auf Fahrten mit der Henschel-Lok müssen große und kleine Fans der Parkbahn für längere Zeit verzichten. Die Maschine, die 71 Jahre auf dem Buckel hat, wurde bei einem Arbeitseinsatz im Lokschuppen auseinandergenommen.

Für die 1948 gebaute Lokomotive steht eine Durchsicht an. "Die große Hauptinstandsetzung ist mal wieder fällig. Alle neun Jahre ist sie nötig", erklärt der technische Geschäftsführer Matthias Dietel. Dafür wurden das Fahrwerk der Lok sowie ihr Kessel von Helfern ausgebaut. "Wir haben die Lok erfolgreich demontiert", verkündete Dietel. Das Fahrwerk wird nun auf einen Lkw verladen und ins Dampflokwerk nach Meiningen in Thüringen gebracht, der Kessel soll in Marienberg unter die Lupe genommen werden. Die Arbeiten werden voraussichtlich rund 200.000 Euro kosten, sagt Matthias Dietel. Dafür habe man in den vergangenen neun Jahren Geld zurückgelegt. Doch ob die Summe ausreicht und wann das gute Stück wieder durch den Küchwald dampft, ist abhängig von den Mängeln, die bei der großen Instandsetzung gefunden werden, so Dietel. Zum Saisonstart im Frühling werde die Dampflok im nächsten Jahr auf keinen Fall betriebsfähig sein, erklärt der Geschäftsführer. "Möglicherweise wird sie ab dem Sommer wieder ihre Runden drehen können."

Die Dampflok, die in Kassel bei der Firma Henschel hergestellt wurde, ist seit 1993 bei der Parkeisenbahn im Einsatz. Zuvor hatte sie viele Jahre auf einem Spielplatz in Gießen gestanden, bevor sie ein Privatmann entdeckte und aufarbeiten ließ, erzählt Matthias Dietel. Über das Feldbahnmuseum in Frankfurt/Main und die Parkeisenbahn Gera gelangte die Lok wenige Jahre nach der Wende nach Chemnitz. War sie der Parkeisenbahn zunächst als Dauerleihgabe des Privatbesitzers zur Verfügung gestellt worden, kauften die Chemnitzer die Dampflok 2003. "Sie ist ein recht teures Spielzeug", gibt der technische Geschäftsführer zu bedenken. Personell, zeitlich und finanziell sei der Betrieb der Dampflokomotive im Vergleich zu einer Diesellok mit größerem Aufwand verbunden. Während letztere nur einen Lokführer benötige, muss bei einer Dampflok auch ein Heizer an Bord sein. Zudem brauche die Dampflok eine Vorlaufzeit zum Anheizen von fünf bis sechs Stunden. Die für den Betrieb nötige Steinkohle schlage derzeit mit 270 Euro pro Tonne zu Buche, so Dietel.

Doch es ist auch die Dampflokomotive gewesen, die der Parkeisenbahn dieses Jahr einen laut Dietel "außerordentlich guten Besucherzuspruch" bescherte. Nach dem Saisonabschluss am Sonntag hat das Team der Parkeisenbahn Bilanz gezogen. Den Angaben zufolge haben in diesem Jahr 130.000 Kinder und Erwachsene die Kinder- und Jugendeinrichtung im Küchwald besucht. Weil die Sonderfahrten am 6. und am 26. Dezember wegen anstehender Bauarbeiten ausfallen, fahren die Bahnen das nächste Mal zum Saisonstart 2020 am 26. März. (mit gp)

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