Debatte: Warum musste Hund sterben?

Dass das Tier am Montag in Geringswalde von Polizisten erschossen wurde, versetzt die halbe Stadt in Aufregung. Jetzt äußern sich Betroffene.

Geringswalde.

Derzeit scheint es in Geringswalde kein anderes Thema zu geben. Montagmorgen ist von Polizeibeamten am Ufer des Großteichs ein Hund erschossen worden. Das Tier - laut Behörde ein American-Stafford-Mischling - war ausgebüxt und hatte einen anderen Hund attackiert. Außerdem, so die Schilderung der Polizei vom Montag, sei das Tier in Angriffsstellung auf eine Frau mit Kind losgegangen. Die Beamten hätten sich zu schnellem Handeln gezwungen gesehen.

Die Augenzeugin, die mit ihrem Kind vor Ort war, ist Rowena Köhn. Zwar sind die 34-Jährige und ihr knapp ein Jahr altes Mädchen Meta körperlich unversehrt. "Doch ob Meta von den Schüssen einen Hörschaden davongetragen hat, lässt sich noch nicht sagen", sagt die Mutter. Für sie ist das Geschehen am Großteich ein Albtraum. "Ich bin nicht vorgewarnt worden, dass geschossen werden soll. Die Polizisten baten mich lediglich wegzugehen. Und dann knallte es auch schon."

Ihr junger Labrador, den Rowena Köhn dabeihatte, erschreckte sich durch die lauten Knallgeräusche. "Die Leine wickelte sich um meine Schulter, davon wurde ich zu Boden gerissen, der Kinderwagen kippte um." Die junge Mutter ist entsetzt über die Entwicklung der Dinge. "Weshalb mussten mehrere Schüsse abgegeben werden? Ich sehe den Hund noch immer vor mir, wie er versucht, im Wasser zu fliehen."

Ihrer Meinung nach war das Tier verängstigt, wollte, wie sie sagt, nur noch fort. "Und ich stand ihm halt im Wege." Die beiden Rüden hätten sich nur beschnuppert und leicht gezwickt. "Ich habe mich mit meinem Kind jedoch keine Minute in Gefahr gesehen, den Hund lediglich beiseite geschubst, und das müssen die Polizisten wohl gesehen und die Geste missverstanden haben."

Die Polizei bleibt bei ihrer Lesart, dass Gefahr in Verzug gewesen sei. "Die Beamten müssen in Bruchteilen von Sekunden eine Entscheidung treffen", gibt Sprecher Steve Berger zu bedenken. "Und was wäre denn gewesen, wenn der Hund Mutter und Kind angegriffen hätte?" Das Handeln der Polizisten bezeichnet der Sprecher als korrekt. Der Hundehalter habe dafür zu sorgen, dass es nicht zu solchen Szenarien komme.

Sehr wohl Angst vor dem Hund hatte Iris Haschke. "Bevor der Krawall unten am Großteich losging, trieb sich ein Hund, den ich noch nie gesehen hatte, auf unserem Grundstück herum, stürzte sich auf unseren Chihuahua, biss sich an ihm fest, schleuderte ihn hin und her und ließ erst von ihm ab, als ich ihn energisch anschrie." Ihr fünfjähriger Balou habe bei der Attacke etliche Zähne eingebüßt, blute seither aus dem Maul, zeige sich apathisch und fresse nicht. "Wir wissen nicht, ob wir ihn durchbringen", sagt Iris Haschke. Erst recht nicht mag die Blumenhändlerin daran denken, was gewesen wäre, wenn ihre Enkelin zu dem Zeitpunkt im Hof gespielt hätte.

Der Halter des erschossenen Hundes war bisher für die "Freie Presse" nicht zu erreichen.

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