Der lange Weg zum Bahnhofsvorplatz

Ein schwieriger Grundstücksverkauf, unerwartete Bauarbeiten, Problempflanzen und ein defekter Brunnen machten den Umbau der Mittweidaer ÖPNV-Schnittstelle zur Mammutaufgabe. Nun ist das Projekt abgeschlossen.

Mittweida.

Über zehn Jahre ist es her, dass Stadt und Verkehrsbetriebe sich erstmals über die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes in Mittweida Gedanken machten. Mehrfach wurden Baubeginn und Einweihung verschoben. Ein Rückblick:

2008: Die Stadt Mittweida, Regiobus, der Verkehrsverbund Mittelsachsen und die Deutsche Bahn beginnen, an einem Konzept zur Gestaltung der Schnittstelle von Bus und Bahn zu tüfteln. Hintergrund ist, dass Mittweida bis 2014 an das Chemnitzer Modell angeschlossen werden soll. Der Bahnhofsvorplatz ist damals in schlechtem Zustand: Der Straßenbelag ist ein Mix aus Pflaster und Asphalt, Fußwege sind teilweise Stolperfallen.

2011: Konkrete Pläne werden bekannt: barrierefreie Bussteige für den Stadtbus, ein Stand für Sonderbusse, ein Pendlerparkplatz, eine Buswendeschleife und öffentliche Toiletten sind geplant. Die Kosten werden mit bis zu 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Ziel ist die Fertigstellung der ÖPNV-Verknüpfung bis Ende 2012.

2012: Ende September berät der Stadtrat über verschiedene Varianten für den Bahnhofsvorplatz. Sie sehen unter anderem neue Fußwegverbindungen zum Bahnhof, einen Einbahnstraßenring und einen Springbrunnen vor. Die Kosten sollen nun bei 2,1 Millionen Euro liegen und zu drei Vierteln aus Fördertöpfen gedeckt werden. Weil eine Fördermittelzusage aber noch fehlt, sollen die Arbeiten erst im Frühjahr 2013 beginnen.

2013: Die Stadtverwaltung verschiebt den Baustart auf 2014.

2014: Mitte des Jahres soll der Umbau starten, heißt es im Januar. Die Fertigstellung ist für 2016 geplant. Die Stadt kauft der Wohnungsgenossenschaft mehrere Flächen ab. Auch der Bahn will sie ein 4550 Quadratmeter großes Grundstück abkaufen, auf dem der Pendlerparkplatz entstehen soll. Anders als geplant, wird Mittweida in diesem Jahr nun doch noch nicht ans Chemnitzer Modell angebunden.

2015: Die Stadt kauft nach fast zweijähriger Verhandlung für 25.000 Euro das Bahngrundstück. Nun fehlt jedoch noch die Erlaubnis, dieses als Parkplatz nutzen zu dürfen. Der Baubeginn wird auf das zweite Halbjahr 2015 verschoben. Im Dezember fahren die ersten Bahnen des Chemnitzer Modells nach Mittweida.

2016: Im Januar beginnen die Vorbereitungen für den Umbau. Ein Nebengebäude wird abgerissen, Bäume gefällt und Büsche gerodet. Geplante Fertigstellung jetzt: Oktober 2017.

2017: Die Bauarbeiten starten und auch das Bahnhofsgebäude wird trockengelegt. Wegen der hinzugekommenen Arbeiten verschiebt die Stadt die Fertigstellung zunächst auf Januar 2018 und kurz darauf auf Ende des Frühjahrs 2018. Die Stadt stellt sich auf höhere Kosten ein, ohne sie bereits beziffern zu können.

2018: Am 29. Juni sind die Bauarbeiten beendet. Rund 270 Meter Straßen und Fußwege sind erneuert, eine Bushaltestelle nah am Bahnsteig sowie 70 Pendlerparkplätze und eine Fläche fürs Kurzzeitparken geschaffen worden, außerdem moderne überdachte Bushaltestellen. Die letzten Aufträge für die Gestaltung der Grünanlagen und des Brunnens werden vergeben. Ende Oktober beginnen auch diese Arbeiten. Spätestens im Mai soll alles fertig werden, kündigt Oberbürgermeister Ralf Schreiber an.

2019: Die Arbeiten an Wegen und Grünflächen verzögern sich. Die Landschaftsbaufirma muss den Boden austauschen, weil sich darin der Japanische Staudenknöterich breitgemacht hat. Neuer Termin für die Fertigstellung ist der 24. Juli. Die Einweihung des Bahnhofsvorplatzes wird jedoch erneut verschoben, weil wegen eines technischen Defekts der Brunnen nicht funktioniert. Eine Eröffnung vor trockenem Brunnen sei für ihn unvorstellbar, erklärt Schreiber. Am 10. Oktober ist es schließlich soweit - der Bahnhofsvorplatz wird vor sprudelndem Brunnen feierlich eingeweiht.

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