Die Enkel warten schon in Berlin

Viele schöne Momente, aber auch schwierige Herausforderungen hat Schulleiterin Elke Schlieder während ihrer Zeit an der Grünlichtenberger Grundschule erlebt. Nun geht sie in den Ruhestand und verlässt den Kriebsteiner Ortsteil. Vorher hat sie aber noch ihre Nachfolgerin eingearbeitet.

Grünlichtenberg.

"Ich habe meinen Beruf als beglückend empfunden und hätte nie etwas anderes machen wollen", sagt Elke Schlieder. Doch am morgigen Donnerstag wird die Grünlichtenberger Schulleiterin von Schülern und Lehrern verabschiedet. Die 65-Jährige geht am Schuljahresende in den Ruhestand.

Nach 45 Jahren im Schuldienst freue sie sich jetzt auf den neuen Lebensabschnitt, den sie gemeinsam mit ihrem Mann aktiv gestalten möchte. In Grünlichtenberg wolle das Ehepaar die Zelte abbrechen, verrät sie. Der Sohn wohne mit seiner Familie, zu der zwei kleine Kinder gehören, am Stadtrand von Berlin. "Arbeit und Nachwuchs bedeuten für junge Eltern Stress", weiß Elke Schlieder. Deshalb wolle sie für ihre Enkelkinder mit da sein.


Sie hoffe zudem, Zeit für Sport, Reisen und Ehrenämter zu haben. Seit mehreren Jahren sei sie schon als ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht tätig. Diese Aufgabe gefalle ihr, deshalb wolle sie sie am neuen Wohnort gern fortsetzen. Mehr als bisher will sie sich zudem in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft engagieren.

Vergessen wird sie den kleinen Kriebsteiner Ortsteil dennoch nicht. Mit Grünlichtenberg verbindet die Grundschullehrerin und Schulleiterin gute Erinnerungen. Seit rund 40 Jahren ist sie dort zu Hause. Der Grund, nach Sachsen zu kommen, sei ihr Mann gewesen, erzählte die aus Mühlhausen in Thüringen Stammende. Kennengelernt hatte sich das Paar in Nordhausen. Dort studierten er Landtechnik und sie am Institut für Lehrerbildung. Ihr Berufsweg führte Elke Schlieder an verschiedene Schulen. Zuerst wurde sie in Roßwein eingesetzt, später in Niederlichtenau und Grünlichtenberg. Als Fachberaterin für Mathematik hat sie Kollegen an mehreren Schulen der Region beraten und unterstützt.

An der Grünlichtenberger Schule arbeite sie inzwischen seit rund 30 Jahren als Lehrerin für Deutsch, Mathematik und Sport sowie seit zwölf Jahren außerdem als Schulleiterin, berichtet Elke Schlieder. In dieser Zeit habe es viele schöne Momente gegeben. Die kleine Schule mit meist nur einer Klasse pro Jahrgang sei beliebt, erklärt sie. Sieben Lehrerinnen unterrichten derzeit 100 Mädchen und Jungen. Eine Besonderheit der Schule sei die intensive Zusammenarbeit mit Eltern, Hort und dem Kindergarten. Großeltern und Verwandte der Kinder sowie ehrenamtlich engagierte Einwohner üben mit den Schülern innerhalb von Patenschaften das Lesen oder leiten Arbeitsgemeinschaften wie Backen, Nähen, Handball und Rückenschule, betont Elke Schlieder. Sechs Frauen und ein Mann seien derzeit ehrenamtlich für die Schüler da. "Die Fortschritte, die die Kinder dadurch machen, sind deutlich."

Viele ehemalige Schüler kommen auch gern zu Klassentreffen. Dadurch erfahren die Lehrer einiges über die weitere Entwicklung ihrer einstigen Schützlinge. Mancher Lebensweg sei verblüffend, so Elke Schlieder. Lehramtsstudenten aus dem Ort bemühten sich zudem häufig um Praktikumsplätze an ihrer Grundschule.

Doch auch schwierige Etappen musste Elke Schlieder an der Schule meistern, zum Beispiel, wenn es Probleme mit Busverbindungen gab, auf die ihre Schüler angewiesen sind. Das Einzugsgebiet umfasse außer der Kriebsteiner auch einige Rossauer Ortsteile, erklärt die Schulleiterin. Unzuverlässigkeit der Busunternehmen ärgere die Eltern, und auch die Lehrer seien besorgt, wenn Kinder im Unterricht fehlten. "Und es gibt immer wieder die Angst vor Unfällen auf dem Schulweg", so Schlieder. Immerhin zwei tödliche Unfälle von Schülern habe es während ihrer Berufszeit gegeben. Einer habe sich in der Ferienzeit ereignet, eine Schülerin sei in Schlegel überfahren worden, als sie vor dem Bus die Straße überqueren wollte, erinnert sich Elke Schlieder.

Für die Ängste der Eltern hatte sie immer ein offenes Ohr. So unterstützte sie auch den Kampf von Schülern und Eltern für eine Fußgängerampel vor der Schule in Grünlichtenberg. Auf das Ergebnis ist sie stolz. In das Projekt seien Bürgermeisterin Maria Euchler, Bundestagsabgeordnete und die zuständige Polizeistelle einbezogen worden. Die Ampel wurde aufgebaut und macht den Schulweg sicherer.

Wenn Elke Schlieder in den Ruhestand geht, übernimmt Sandy Melzer, eine Kollegin, die seit vier Jahren im Schuldienst ist, den Schulleiterposten. Sie habe die junge Lehrerin bereits eingearbeitet.

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