"Die Kunst wird sein, die Bürger nicht über Gebühr zu belasten"

Altmittweidas Bürgermeister über den Sparkurs seiner Gemeinde und worauf er sich 2020 freut

Altmittweida.

Jens-Uwe Miether (parteilos), Bürgermeister von Altmittweida, hofft auf ein Jahr ohne böse Überraschungen. Was 2020 in der Gemeinde ansteht, hat er im Interview mit Lea Becker verraten.

Freie Presse: Herr Miether, die finanzielle Lage Ihrer Gemeinde ist angespannt. Wird es 2020 in Altmittweida dennoch Investitionen in Bauprojekte geben?

Jens-Uwe Miether: Die Gemeinde Altmittweida wird 2020 lediglich in die komplette Neuerrichtung der Straßenbeleuchtung des Wasserwerksweges investieren. Dafür sind 7200 Euro veranschlagt. Kinderkrippe, Kindergarten, Hort, Grundschule, Brücken, kommunale Straßen, Freibad, Sport- und Tennisplätze und die gemeindeeigene Gaststätte befinden sich in sehr guten bis guten Zuständen, die keine Investitionen, sondern lediglich Werterhaltungsmaßnahmen erfordern.

Was ist 2019 liegen geblieben, das Sie 2020 angehen wollen?

An Investitionen ist 2019 nichts liegen geblieben, da auch keine größeren Sachen geplant waren.

Was ist die größte Herausforderung für Altmittweida, seine Bürger und seine Verwaltung?

Die Herausforderung für die Gemeinde wird sein, Einnahmen zu generieren sowie Ausgaben zu senken - und das in allen Bereichen. Die Kunst wird darin liegen, die Bürger nicht über Gebühr zu belasten. Grund dafür ist, dass wir derzeit von unseren liquiden Mitteln leben. Das geht aber nur so lange, bis das Ersparte alle ist. So weit soll es natürlich nicht kommen. Die Verwaltung und der Bürgermeister können nur Vorschläge zu Einnahmen und Ausgaben anregen, die Entscheidung trifft letztlich der Gemeinderat.

Wie wird es 2020 mit den Plänen für die Reithalle weitergehen?

Der Bau einer Reithalle, auch mit einer eventuellen Sportstättenförderung, übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde Altmittweida. Das wurde vor der Beschlussfassung des Haushaltes 2020 im November 2019 klar erläutert.

Was wünschen Sie sich vom Freistaat für Ihre Arbeit?

Alles in allem haben wir immer noch zu viel Bürokratie, selbst für geringe Beträge wie zum Beispiel das Ehrenamtsbudget. Der Freistaat sollte den kleineren Gemeinden mehr Mittel zur freien Verfügung bereitstellen. Viele gute Dinge, zum Beispiel in den Kindertageseinrichtungen, gingen bisher leider überwiegend zu Lasten der Kommunen.

Was ist von der Offensive des Freistaates zur Stärkung des ländlichen Raumes in Altmittweida konkret angekommen?

Die Mittel, 70.000 Euro pro Jahr, sind natürlich angekommen. Leider sind die Gelder in unsere laufenden Haushalte eingeflossen, um eine 'Schwarze Null' zu erzielen.

Worauf freuen Sie sich 2020 besonders?

Da bin ich bescheiden. Wenn alles rund läuft und keine unvorhergesehenen Dinge passieren, die den Haushalt negativ beeinflussen, dann bin ich schon zufrieden.

Welche Höhepunkte stehen im kommenden Jahr in Altmittweida an?

Der Höhepunkt wird selbstverständlich das Erntedankfest vom 18. bis 20. September sein.

Was bereitet Ihnen als Bürgermeister Kopfzerbrechen?

Gedanken muss ich mir machen, wenn alle finanziellen Angelegenheiten so bleiben sollen, wie sie sind, und niemand bereit ist, wenigstens kleine Kompromisse einzugehen. lkb


Gemeinde ist auf Sparkurs

Altmittweida hat 2020 weniger Geld im Haushalt als erhofft. Der Grund dafür ist, dass die Schlüsselzuweisungen des Freistaats um 52.000 Euro zurückgegangen, zugleich aber die Personalkosten der Gemeinde gestiegen sind. Laut Mittweidas Kämmerin Anke Kluge halten sich im Haushalt 2020 Einnahmen und Ausgaben gerade noch die Waage. In den nächsten Jahren seien ausgeglichene Haushalte aber nur möglich, wenn der Ort von seinen Ersparnissen lebt und zusätzliche Sparmaßnahmen ergreift.

Der klammen Gemeindekasse zum Trotz wünscht sich der Reit- und Sportverein Altmittweida Unterstützung beim Bau einer eigenen Reithalle. Das Vorhaben ist im Gemeinderat umstritten. (tür/lkb)

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