Eierbratverein Bockendorf: In die Pfanne gehauen wird nur, was beim Huhn raus kommt

Nach dem Dorftanz rückten sie vor sechs Jahrzehnten abends bei den Kumpels ein, um was zu essen. Die Freundschaft der Burschen von damals hat bis heute gehalten. Der Eierbratverein Bockendorf feiert 60-jähriges Bestehen.

Bockendorf.

"So einen Verein gibt's nicht noch mal." Das weiß Arndt Häußler mittlerweile ganz genau. In diesen Tagen kramt der 78-Jährige besonders gern in Erinnerungen, denn er hat einen wichtigen Termin vorzubereiten. Am kommenden Samstag nämlich wird in der Stammkneipe "Räuberschänke" im Oederaner Ortsteil Hartha mal wieder kräftig gefeiert. Dann wird der Eierbratverein Bockendorf runde 60 Jahre alt.

"Ein eingetragener Verein sind wir bis heute nicht. Solch einen bürokratischen Aufwand brauchen wir nicht. Aber es gibt uns nach sechs Jahrzehnten immer noch", sagt Arndt Häußler, der von Beginn an "der Vorstand" genannt wird. Gründungsmitglied Heinz Schuffenhauer, der jetzt im Spreewald wohnt, war damals "Generalsekretär". "Und dann gab es noch einen Finanzminister", erinnert sich Arndt Häußler.


Alles begann zu DDR-Zeiten aus einer Laune heraus. "Wir waren im besten Jugendalter. Auf den Dörfern war überall Tanz. Und Knast hatten wir als Jugendliche immer", denkt er gern an jene Zeit zurück. Also rückten die Burschen mal bei diesem, mal bei jenem ein. "Wir hauten Eier in die Pfanne, Eier waren immer vorrätig. Und dabei wurden Erlebnisse und erste Liebschaften ausgewertet." 1956 kamen die elf Freunde auf die witzige Idee, einen Verein zu gründen. Der Name lag auf der Hand oder besser gesagt, auf der Pfanne: EBV - Eierbratverein Bockendorf.

Fast alle der Vereinsmitglieder seien damals in der Jungen Gemeinde gewesen, einige auch im Posaunenchor. Damals, 1956, sei das große Ziel gewesen, gemeinsam das Dreijährige zu feiern. "Keiner hätte gedacht, dass wir als Verein mal 60 werden", muss Arndt Häußler heute schmunzeln. Zum Dreijährigen habe es feste Auflagen für jedes Vereinsmitglied gegeben: "Mädel einladen, dunkler Anzug und Fliege." Obwohl das Meiste, das im Verein angestellt wurde, reine Männersache war, durften an einigen der Rituale auch Frauen teilnehmen. Denn gemeinsame Feiern standen ganz oben auf der Liste der Vereinsarbeit. Feste Termine im Kalender waren der Ostermontag mit Frühschoppen und der 3. Advent mit Lichtelabend. "Wir singen noch heute viel", sagt Vorstand Häußler - Volkslieder, Stimmungslieder, Weihnachtslieder. Sogar eine eigene Hymne hat der Verein. Auch bei gesellschaftlichen Höhepunkten wie der 800-Jahr-Feier von Bockendorf wirkte der Verein mit und sorgte 1985 für politische Verwicklungen, weil Leute aus dem hessischen Bockendorf eingeladen wurden. Sechs seien tatsächlich ins sächsische Bockendorf gekommen.

Aus den elf Vereinsmitgliedern waren zwischenzeitlich 13 geworden. "Zwei sind verstorben, zwei sitzen im Rollstuhl, einer ist im Pflegeheim", sagt Arndt Häußler, der nach der Wende zehn Jahre lang auch Ortsvorsteher in Bockendorf und 40 Jahre Taubenzüchter war. Die Verbindung sei bis heute nicht abgerissen und werde gepflegt.

Auch Ehrenmitglieder habe der Verein. Das erste war Alfred Kraft, der einstige Besitzer der "Räuberschänke". Das war folgerichtig, denn die traditionsreiche Gaststätte im Oederaner Ortsteil Hartha ist das Stammlokal des Eierbratvereins Bockendorf. Alle Jubiläen seien dort im kleinen Saal gefeiert worden - auch das 40. Jubiläum, zu dem Arndt Häußler damals, vor 20 Jahren, Margitta Reichardt eingeladen hatte. "Ich habe gerade in einem Bäckerwagen verkauft, als er mich ansprach", kann sie sich noch gut daran erinnern. Seither ist sie seine Lebensgefährtin. "Ich finde es beachtenswert, dass sich dieser Verein so lange gehalten hat", meint Margitta Reichardt.

Etwa 30 bis 35 Personen werden am kommenden Samstag in der "Räuberschänke" auf sechs Jahrzehnte anstoßen. Auch Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger hat zugesagt und will auch seine Frau mitbringen: "Ich kenne alle gut. Mit denen kannste was anfangen. Die verwirklichen gesellschaftliche Werte. Das finde ich gut."


Singen und Frohsinn gehören zur Vereinsarbeit - Eierbratverein Bockendorf hat eigene Hymne

Auf die Melodie des alten Volkslieds "Im schönsten Wiesengrunde" hat der Eierbratverein Bockendorf seine eigene Hymne gemacht. Darin heißt es:

Am schönsten Waldesrande, da steht ganz still ein Haus, da zieht's uns EBV-er so gern hinaus. Du mein Räuberschänk, stets gern an dich denk, da zieht's uns EBV-er so gern hinaus!

Wir 13 gute Freunde, wir nenn' uns EBV, wir halten treu zusammen, auch ohne Frau! Du mein Räuberschänk, stets gern an dich denk. Wir halten treu zusammen, auch ohne Frau!

Und wenn wir uns einst trennen, die Freundschaft bleibt besteh'n, wir bleiben EBV-er, es war so schön! Du mein Räuberschänk, stets gern an dich denk. Wir bleiben EBV-er, es war so schön!

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