Eintauchen ins Blütenmeer

Für die begehrte schwarze Null kalkulieren die Frankenberger mit 300.000 Besuchern bei der Landesgartenschau. Die ersten knapp 20.000 Gäste kamen zum Eröffnungswochenende. Noch lief nicht alles rund.

Frankenberg.

Stadtentwicklung in Bunt: Bis zum 6. Oktober läuft in Frankenberg die 8. Sächsische Landesgartenschau. Mit der Renaturierung von Industriebrachen und der Umgestaltung von Teilen der Altstadt hat die Stadt eine Chance genutzt.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer schaute nicht auf die Uhr. Vom Empfang 10.30 Uhr am Samstag durch Frankenbergs Bürgermeister Thomas Firmenich (beide CDU) bis zum Nachmittag ließen sich der Landesvater und seine Familie Zeit, um die Landesgartenschau zu besichtigen. Kein Wunder, steht die 25-Millionen-Euro-Investition doch für seine Botschaft an die Sachsen: "Das zeigt, was möglich ist, wenn wir zusammenhalten", sagte Kretschmer.

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Die 170-tägige Schau sei nicht nur ein Mehrwert für den Freistaat, sondern gebe auch der Stadt ein neues Gesicht, so Kretschmer. Für diese Philosophie steht auch Staatsminister Thomas Schmidt (CDU), der ebenfalls angereist war: "Der Freistaat entwickelt sich, sowohl in den Großstädten als auch in den ländlichen Gebieten." Gleichfalls unter den Gratulanten: Firmenichs Amtskollegen Barbara Ludwig (SPD) aus Chemnitz, Ilona Meier (parteilos, Niederwiesa) sowie Sven Krüger (parteilos) aus Freiberg.

Elf Jahre ist es her, dass Firmenich und seine Gattin, die CDU-Landtagsabgeordnete Iris Firmenich, Kretschmer auf der heimischen Couch vorschwärmten, was sie in der einst für die Produktion von Barkas und Polylux bekannten und nach der Wende mit den Folgen der De-Industrialisierung kämpfenden Stadt planten. Es bedurfte aber erst zweier Niederlagen, bevor der dritte Anlauf zur Gartenschau ins Ziel führte. "Sie glauben nicht, wie sauer Frau Firmenich werden kann", verriet Kretschmer. "Aber siehaben sich nicht unterkriegen lassen."

Der Erfolg gibt den Frankenbergern recht: Die "Schlangen"-Fußgängerbrücke verbindet heute die beiden 6,1 und 4,7 Hektar großen Areale des Naturerlebnisraums Zschopauaue und der Paradiesgärten Mühlbachtal. "In der Verbindung der beiden Teile bestand eine große Herausforderung", sagte Jochen Heinz, einer der beiden Geschäftsführer der Landesgartenschau. "Schön, dass jetzt das Wasser des Flusses und des Mühlbachs derart verbunden sind." Vom einstigen Schrecken der Fluten künden die Hochwasserschutzbauten an der Zschopau und Fotos, die den früher begradigten Mühlbach zeigen, der bei Hochwasser im Stadtgebiet über die Ufer trat. Heute fließt er durch ein geschwungenes, naturnahes Bett. Kunstwerke und Spielplätze sind Kontrapunkte im Blumenmeer. Erholungssuchende entdeckten am Startwochenende die Stufen am Ufer und ließen die Beine baumeln.

Derweil ging an der Zschopau das Eröffnungsprogramm über die Hauptbühne, à la Thomas Gottschalk überlang. Aber mit der Brass Band Sachsen, der Band Voxxclub, der Broken Beat Crew, Hortkindern und der Mode-Mühle Chemnitz gab es auch viele Akteure. Landschaftsarchitekten, Künstler und Geldgeber sowie die vielen Frankenberger, die ihre Häuser aufgehübscht und Vorgärten und Balkone begrünt haben, wurden ebenfalls gewürdigt.

Der Bürgermeister strahlte zur Eröffnung mit der Sonne um die Wette. Thomas Firmenich unterstrich die "Trendwende in der Geschichte unserer Stadt" und betonte, wie die neuen grünen Flächen die alte Stadt aufwerten würden. Bürger könnten nun entdecken und sich erholen, ganz nach dem Motto der Schau "natürlich mittendrin".

Am Wochenende mussten die Gäste noch mit Schlangen an der Gastronomie ringen. Kritik von Besuchern gab es zudem an der Ausschilderung der als Einbahnstraße deklarierten Zufahrt zum Großparkplatz. "Wir brauchen das Eröffnungswochenende, um nachzusteuern, damit später alles rund läuft", bat Jochen Heinz um Verständnis für Pannen.

 


Das Lied zur Schau

Der Oederaner Sänger und Moderator Gerd Zwinzscher, der seit Jahren als Zwini auf den Bühnen steht, hat mit seiner Gesangspartnerin Lysann ein Lied für die Landesgartenschau produziert. Pünktlich zur Eröffnung wurde der Titel "Willkommen in Frankenberg" fertig. "Ich bin begeistert, was in Frankenberg in den vergangenen zwei Jahren bewegt und erreicht wurde. Musik und Blumen gehören irgendwie zusammen", so Zwinzscher. Auf der Gartenschau-Bühne tritt er am 22. Juni und 17. Juli auf. (kbe)


Das sagen die Organisatoren

Jochen Heinz, einer der beiden Geschäftsführer der Landesgartenschau, ist mit dem Eröffnungswochenende fast rundum zufrieden. "Wir hatten knapp 20.000 Besucher, und das bei perfektem Wetter." Nicht so gut war, dass es Stoßzeiten an den Kassen gab. Am Sonntag musste wegen lockerer Schrauben ein Spielplatz gesperrt werden, er steht aber nach der Reparatur wieder bereit. Zu- und Abfahrt am Parkplatz sollen optimiert werden.


Stefan Ficker vom Gastroanbieter GSM räumte Pannen bei der Versorgung ein. Er entschuldigte sich bei den Gästen für Wartezeiten und bat um eine zweite Chance. "Es gab technische Probleme bei den Kassen und der Datenverarbeitung", bedauerte er. Nach den Erfahrungen des ersten Wochenendes werde das gastronomische Angebot von vier auf fünf Objekte ausgeweitet, um Engpässe zu vermeiden.


René Illig, Einsatzleiter des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen auf der Landesgartenschau, hatte keine besonderen Vorkommnisse nach der Eröffnung zu berichten. Bei ihrem Einsatz im Areal Zschopauaue mussten die DRK-Sanitäter lediglich Pflaster auf einige Schürfwunden kleben. Bis zu sechs Sanitäter sind während der Schau bis Oktober in der Zschopauaue stationiert. (jl/dahl)


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