Erbgericht Langhennersdorf: Diesmal soll es richtig werden

Der Umbau des Saales wird deutlich teurer als erwartet. Ein Grund dafür ist, dass vor 16 Jahren zu stark gespart worden ist.

Langhennersdorf.

Der Anbau an den Saal des Erbgerichts in Langhennersdorf nimmt Gestalt an. Denny Gränitz und sein Kollege Thomas Schmitz kleben dicke grüne Platten an die frisch gemauerten Außenwände. "Wir dichten den Anbau ab und bringen die Außendämmung an", erläutert der Mitarbeiter der Firma Grünberger Kreativbau.

Warm anziehen muss sich im übertragenen Sinne auch die Gemeinde Oberschöna bei dem Vorhaben - die Kosten für den Umbau des Saals an dem auch als "Unterer Gasthof" bezeichneten Gebäude sind explodiert. Vor zwei Jahren war noch von rund 330.000 Euro die Rede, um das Gebäude sowohl für kulturelle als auch für sportliche Aktivitäten nutzbar zu machen. Inzwischen wird mit bis zu 720.000 Euro gerechnet. "Das bereitet uns wirklich Probleme", räumt Bürgermeister Rico Gerhardt (CDU) ein. Er gehe aber davon aus, so der Rathauschef weiter, "dass jetzt alle Eventualitäten einkalkuliert sind und es sich um die Maximalsumme handelt."

Allein die Elektro- sowie die Sanitär- und Heizungsarbeiten, mit denen der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung die Firmen Klüber Elektroanlagenbau aus Mulda und Talkenberger Haustechnik-Service aus Oederan beauftragt hat, summieren sich auf fast 230.000 Euro. Möglicherweise könne aber die geplante Brandmeldeanlage entfallen und dadurch noch etwas gespart werden, hofft Gerhardt: "Wir versuchen derzeit, uns mit dem Brandschutzexperten darauf zu einigen, dass eine Brandwache ausreicht."

Derartige "Aufpasser" seien beispielsweise auch im Freiberger Stadttheater im Einsatz, so der Bürgermeister. Allerdings ist in der Spielstätte - ebenso wie beispielsweise auch im "Tivoli" in der Kreisstadt - zudem eine Brandmeldeanlage installiert. Wie Gerhardt betont, gehe es in Langhennersdorf nur um drei Veranstaltungen im Jahr, bei denen mehr als 200 Leute in dem Saal des "Erbgerichts" zusammenkämen: "Das könnten wir dann auch über unsere freiwilligen Feuerwehren absichern." Nicht zuletzt verursache eine Brandmeldeanlage auch in der Zukunft Wartungs- und Überprüfungskosten.

Der eigentliche Preistreiber aber sei das Dach, erklärt Gerhardt. Ein Sachverständiger habe festgestellt, dass die 2002 verlegten Platten nicht entsprechend der Anleitung des Herstellers verlegt worden seien. Es fehlten Dichtungsgummis und Unterspannbahnen. Wer sich damals für die Einsparung entschieden habe, so Gerhardt, lasse sich heute nicht mehr feststellen. Fest steht aber, dass sich der Fehler angesichts der Dachneigung von nur etwa zwölf Grad fatal auswirke: Das Dach ist undicht. Bislang sei das nicht aufgefallen, weil auf dem Dachboden Planen ausgelegt worden waren und die eindringende Nässe dank der fehlenden Wärmedämmung rasch wieder trocknete. "Jetzt kommt da aber eine Gipskartondecke mit ordentlicher Isolierung rein - da ist jede Feuchte Gift." Im Endeffekt müsse das gesamte Dach neu gedeckt werden, sagt der Bürgermeister. Diese Kosten seien nicht geplant gewesen.

Ebenso habe keiner mit den Preissteigerungen auf dem Bausektor rechnen können, die es allein im vergangenen Jahr gegeben habe. Dazu seien weitere Anforderungen bei der Abstimmung mit den künftigen Nutzern gekommen. Daraus resultiere letztlich auch besagter Anbau - hier sollen vor allem Toiletten und Lagerräume untergebracht werden.

Bürgermeister Rico Gerhardt lehnt es aber ab, einem Verein den Schwarzen Peter für die Mehrkosten zuzuschieben: "Wir haben uns im Gemeinderat gemeinsam für den Umbau entschieden und wir tragen das auch." Er hält auch an dem Zeitplan fest, dass der Saal zur Eröffnung der Faschingssaison nutzbar sein soll.

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