Es geht eine Tanne auf Reisen ...

Der Weihnachtsbaum für Mittweida kommt dieses Jahr aus Altmittweida. Der Transport lief gestern wie am Schnürchen.

Altmittweida/Mittweida.

Montagmorgen gegen 8 Uhr in Altmittweida ist der Winter spürbar. Der leichte Schneeregen trübt aber nicht die Stimmung, im Gegenteil. Acht Leute hat Mittweidas Bauhofleiter Michael Knappe mitgebracht, dazu noch zwei Firmen mit Kran und Transportfahrzeug. Für alle Beteiligten ist das Fällen des Weihnachtsbaums längst Routine und eine willkommene Abwechslung.

Aufgeregt ist eigentlich nur Karin Grundmann, denn vor ihrem Haus steht die gut zwölf Meter hohe Nordmanntanne nun seit gut 24 Jahren. Die Besitzerin stammt aus Mittweida, seit zwölf Jahren wohnt sie in Altmittweida in der Hauptstraße 98 gleich neben dem "Ritterhof". Viele Leute kennen sie als Betreiberin des Reisecenters in Mittweida. "Vor zwei Jahren habe ich den Baum der Stadt angeboten", erzählt Karin Grundmann. "Ich gebe ihn gern her, er ist zu groß und nimmt an unserem Haus mittlerweile auch zu viel Licht weg." Das ändert sich schon wenige Minuten später.

Michael Stein von der Kran-Firma Menzl hat den Baum mit einer Schlaufe an den Haken genommen. Rainer Barthel vom Mittweidaer Bauhof wirft die Kettensäge an. Er verjüngt nun den Stamm, macht ihn mit vier Schnitten schmaler, damit er später genau in die Hülse auf dem Markt in Mittweida passt. "Das ist die eigentliche Kunst", erklärt er. "Das Fällen ist einfach, weil der Baum ja am Haken hängt, so nicht umfällt." Und so schwebt die Tanne gegen 8.30 Uhr vom Grundstück bereits auf die Ladefläche des Lkw der Erlauer Firma Umtech. Dann wird der Baum vorsichtig abgelegt, fast lautlos. "Da knackt kein Ast, das ist ja super, wenn nichts abbricht", ruft Knappe. "Jetzt fehlt eigentlich nur noch die Polizei, dann kann es losgehen." Die Ordnungshüter sind aber erst für 9 Uhr angekündigt, so kann Karin Grundmann wie geplant zum Frühstück einladen.

Die Pause ist jedoch kurz, dann übernimmt Polizeihauptkommissar Bernd Geißler das Kommando, schließlich muss er offiziell einen Schwertransport leiten. Und dafür gibt es Auflagen, die alle erfüllt werden können. Mittlerweile ist auch Altmittweidas Bürgermeister Jens-Uwe Miether eingetroffen, dessen scherzhafte Aufforderung an die Polizei lautet "alle verhaften". Das Gemeindeoberhaupt gönnt Mittweida den schönen Baum. Im Dorf gibt es am 6. Dezember einen kleinen Weihnachtsmarkt, der sich hauptsächlich im "Ritterhof" abspielt.

Die Polizei ist nun startklar, mit fünf Leuten und drei Autos sollen die Straßen auf dem Weg nach Mittweida kurzzeitig für den Transport gesperrt werden. Über die Badstraße geht es problemlos aus dem Dorf heraus, ohne Gegenverkehr ist der wegen der derzeitigen Baustelle auf der Hauptstraße so beliebte "Schleichweg" der Umleitung ein Klacks.

Über die Staatsstraße und die zwei Kreisverkehre in Mittweida kommt der Baum schon 9.30 Uhr auf dem Markt in Mittweida an. Ein Falschparker steht im Weg, und der Polizeihauptkommissar verteilt sofort ein Knöllchen. Dann ist seine Arbeit auch schon beendet, zudem hängt der zwei Tonnen schwere Baum nun schon wieder am Haken. Michael Stein dirigiert den Baum in die Hülse vor dem Rathaus, Rainer Barthel macht noch einen Schnitt mit der Kettensäge - und dann passt alles.

Gut 400 Euro kostet die Stadt das Aufstellen des Weihnachtsbaumes, hat Knappe in Erfahrung gebracht. Den "Lohn" gibt es schon wenig später: Lobende Worte der Passanten. Gestern wurde auch noch die Beleuchtung angebracht. Im Lichterglanz soll sich der Weihnachtsbaum aber erst ab Freitag zeigen.

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