Es schön haben, es sich schön machen

Wahlen 2019: Die sechste Etappe führt von Zug nach Burkersdorf. In dem Frauensteiner Ortsteil zeigt sich, was Bürger für ihren Ort tun können - und wo ihre Grenzen sind.

Weißenborn/Burkersdorf.

Anders als geplant hat mich die sechste Etappe der Wahlwanderung nicht nach Bobritzsch-Hilbersdorf geführt. Zu weit wäre der Umweg gewesen. Mein Ziel hieß Burkersdorf, einer Einladung wegen. Der direkte Weg von Weißenborn: die Staatsstraße 184. Eine Lichtenbergerin riet mir ab - zu gefährlich -, lieber sollte ich an der Mulde nach Lichtenberg und über den Fuchsberg laufen. Letztlich half mir kurz vor dem Ziel der Bus, meine Verabredung zu halten. Auf dieser Route sah ich eine Region, die unterschiedlicher nicht sein könnte.

Über Langenrinne und Rosine erreichte ich den Rosinenbusch. Dort begegne ich Hannelore Heymann, die ihren Hund ausführt. "Wir haben auch schöne Wege in Lichtenberg, aber manche sind zugewachsen", sagt sie. Sonst sei die Infrastruktur in Ordnung. "Wir haben noch vieles, was andere nicht mehr haben - Ärzte, eine Kaufhalle, Gaststätten..." Wie sie das geschafft haben? "Da sind gewachsene Strukturen erhalten geblieben." Noch ahne ich nicht, dass ich Lichtenberg später kennenlerne.

Christoph Ulrich

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In Weißenborn schaue ich zuerst ins Friseurgeschäft an der Dorfstraße. Vier Kunden zum Freitagvormittag: "Bei uns ist immer Betrieb - zum Glück", sagt Mitarbeiterin Denise Beier. Über Weißenborn gebe es nichts zu schimpfen: "Wir haben einen schönen Spielplatz, viele Betriebe, einen Laden, Bäcker - alles, was wir brauchen", sagt die 31-Jährige. Im Dorfkern sehe ich, was sie meint: eine Grundschule, Geschäfte, ein Bürgerhaus, einen neu gestalteten Platz. Nur mit dem Rad nach Freiberg zu gelangen ist nicht ideal, ergänzt Sandra Matern, Verkäuferin in der Bäckerei. Der Weg durch den Wald ist steil, die Straße stark befahren - "das fahre ich mit Kindern nicht", sagt sie. An der Gemeinde- tafel lese ich, dass 2018 bereits der Baugrund für einen Radweg an der Straße untersucht wurde.

Die Burkersdorfer kommen ins Schwärmen, wenn sie an die Straßen in den Nachbarorten denken: Drei Frauen empfangen mich, um mir ihre Erfolge und Nöte zu zeigen. So sollte auf der Dorfstraße - eine Staatsstraße - längst der zweite Abschnitt im Bau sein, Fußweg und Licht bekommen. "Die erste Bauphase hat fünf Jahre gedauert. Wenn nichts losgeht - das macht die Leute verrückt", sagt Maritta Müller. Sie gehört zu den Einwohnern, die viel lostreten. So hat sie initiiert, dass an der Dorfstraße eine Osterglocke aufgebaut wird, vor einer Woche wurde das neunte Exemplar eingeweiht. Die Wohngemeinschaft "Hausbank" und der Kindergarten haben Eier dafür gestaltet. "Aber der kaputte Fußweg passt nicht zur Deko", sagt sie.

Die Frauen würden sich auch über eine Sanierung der kommunalen Nebenstraßen freuen. Das dort nichts passiert, liegt in dem Frauensteiner Ortsteil nicht an der Gemeinde, sondern am Geld, so Nancy Neubert. Während Weißenborn durch die Fabriken gut dastehe, müsse Frauenstein um jeden Cent kämpfen. Wie schwierig das ist, davon können sie und Denise Kunath ein Lied singen: Der Spielplatz war heruntergekommen, da haben sie den Neubau selbst angeschoben, sich um Leader-Förderung beworben und 13.000 Euro Eigenanteil durch "Klinkenputzen" gesammelt. 2018 wurde der neue Spielplatz eingeweiht. Nochmal würden sie das nicht machen. Zu viel Bürokratie, so Kunath. Aber sie sind stolz auf das, was Vereine und Einwohner gemeinsam schaffen - und kennen viele, die zu ihnen ziehen würden, wenn es Bauland gäbe. Aber da stehe wieder die Bürokratie im Weg - es fehlt ein Bebauungsplan.

Kontakt Sie erreichen Laura Kaiser unter Telefon 0151 14817299. Die Tour können Sie im Internet unter www.facebook.com/stockundstein2 verfolgen.

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