Feuerwehrmann will nicht zum Einsatz ins Asylbewerberheim

Ein Irbersdorfer will mit einer Petition erreichen, dass er bei einem Brand in einer Flüchtlingseinrichtung von seiner Aufgabe entbunden wird. Das stößt auf Widerstand und löst Diskussionen aus.

Frankenberg.

Der Irbersdorfer Jürgen S.* hat sich in den vergangenen Wochen mit mehreren Petitionen an die Stadt Frankenberg gewandt, in denen er unter anderem die Ablehnung und Nichtaufnahme von weiteren Asylbewerbern in der Stadt fordert. Mit einem weiteren Petitionspapier hat er nun für Diskussionen und auch für Empörung vor allem unter Kameraden der Feuerwehren gesorgt.

S., aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Sachsenburg/Irbersdorf, hatte den Stadtrat darum gebeten, vom Einsatz bei der Brandbekämpfung im Asylbewerberheim entbunden zu werden. Er begründete die Petition mit Eigenschutz.


Der Hauptausschuss der Stadt hatte das Papier in seiner Sitzung beraten und die Petition abgelehnt. In der schriftlichen Begründung bezog sich die Verwaltung unter anderem auf die Feuerwehrsatzung, in der festgeschrieben ist, dass eine Verweigerung eines Einsatzes eine Dienstpflichtverletzung darstelle. Auch der Stadtrat wird sich in seiner nächsten Sitzung mit S.'s Petition noch einmal befassen.

Für eine Stellungnahme ist Jürgen S. derzeit nicht erreichbar, da er sich auf einer Auslandsreise befindet.

"Wir retten Leben, Menschen, Tiere und Sachwerte. Dabei machen wir keinerlei Unterschiede", sagte Stadtwehrleiter Harry Wrobel auf Nachfrage der "Freien Presse". "Es muss deutlich gemacht werden, dass es sich hierbei um eine private Meinung handelt." S. habe nicht stellvertretend für die Feuerwehr Frankenberg oder seine Kameraden in der Ortsfeuerwehr Sachsenburg/Irbersdorf gesprochen, machte der Stadtfeuerwehrchef deutlich, und distanzierte sich von dem Petitionspapier.

Die Frage des Eigenschutzes von Kameraden im Einsatz sei im Sächsischen Brandschutzgesetz sowie im Frankenberger Brandschutzbedarfsplan bereits ausreichend und vollumfänglich geregelt. "Der Einsatzleiter trägt die Verantwortung für die Kameraden bei jedem Einsatz und handelt dementsprechend", sagte Wrobel weiter.

Bei der Einrichtung und der Betreuung der Erstaufnahmeeinrichtung in der Frankenberger Kaserne sei er als Stadtwehrleiter intensiv einbezogen worden. "Wir haben alle Maßnahmen abgesprochen, ich selbst war bereits vor dem Bezug vor Ort, um entsprechende Empfehlungen zu geben. Außerdem werden wir weiterhin regelmäßig vorbeugenden Brandschutz dort betreiben, wie in jeder anderen öffentlichen Einrichtung auch." Wrobel kündigte an, das Gespräch mit Jürgen S. zu suchen.

Das Bekanntwerden der Petition hat bei vielen Feuerwehrleuten für Diskussionen gesorgt. Der ehemalige Feuerwehrchef, Wolfgang Richter aus Frankenberg, meldete sich bei der "Freien Presse" zu Wort: "Eigentlich müsste S. seine Uniform sofort abgeben. Wir retten Leben, ganz egal welches Gesicht." Der 72-Jährige, heute ist er Mitglied der Ehrenabteilung, sagte außerdem, dass sich Feuerwehrleute uneingeschränkt aufeinander verlassen müssen. Mit der von Jürgen S. geäußerten Bitte bringe er auch seine eigenen Kameraden in Gefahr.

Der Vater von Jürgen S. und gleichzeitig sein vorgesetzter Ortswehrleiter der Feuerwehr Sachsenburg/Irbersdorf, sagte: "Wir als Feuerwehr Sachsenburg/Irbersdorf stehen grundsätzlich für alle Einsätze bereit. Ohne Ausnahme." Er habe von der Petition seines Sohnes zuvor keine Kenntnis gehabt, machte er noch deutlich. Er bemühte sich dennoch um eine Erklärung. Sein Sohn habe sicherlich nur verdeutlichen wollen, dass es ihm generell um das Recht auf Unversehrtheit im Einsatz geht, vermutet sein Vater.

*Name ist der Redaktion bekannt.

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13Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Pixelghost
    07.11.2015

    Die Petition, die keiner der Kommentatoren gelesen hat, wurde von dessen Schreiber zurück gezogen.

  • 3
    0
    finnas
    04.11.2015

    Mir kommt das alles so unwirklich vor. Ein Feuerwehrmann hat zu löschen und Menschenleben zu retten. Ohne Ausnahme, Punkt!
    Wenn er das nicht will, hat er bei der Wehr nichts zu suchen. Es gibt viele Ehrenämter, die wichtig sind, über die Freiwillige Feuerwehr aber sollten wir die Hände besonders halten und den Geist für Gemeinschaftssinn erhalten, ohne jegliche Einschränkung.

  • 2
    0
    gelöschter Nutzer
    04.11.2015

    Es hat tatsächlich nichts ehrenhaftes an sich wenn man seine ehrenamtliche Hilfe aus rassistischen Überlegungen heraus beschränken will. Solche "Helfer" braucht niemand! Ich hoffe sehr, dass das die Kameraden der Feuerwehr auch so sehen, denn auf einen solchen Kameraden kann man sich im Ernstfall auch nicht verlassen, wenn man selbst in eine Gefahrensituation kommt.

  • 5
    1
    64strasser
    04.11.2015

    Guten Tag,
    ich bin entsetzt über den Artikel vom 04.11.2015 von dem Feuerwehrmann der beim Brand von Flüchtlingsheimen entbunden werden möchte.
    Ich bin 1.Hauptbrandmeister bei der Freiwilligen Feuerwehr Berlin Friedrichshagen seit 1980 dabei und ich habe mich verpflichtet Menschen und Sachgüter zu schützen egal welcher Nationalität sie
    angehören. Wir sind bei jedem Einsatz irgendwelchen Gefahren ausgesetzt und trotzdem gehen wir dort rein wo andere raus rennen. Dieser Feuerwehrmann gehört nicht zu uns er muss aus dem Feuerwehrdienst entlassen werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Uwe Niederstrasser

  • 3
    9
    Blackadder
    03.11.2015

    @rangerman: Soundnichtanders ist sicher vieles, aber ganz ganz bestimmt kein Gutmensch! Ich glaube, Sie bringen hier einiges durcheinander oder haben die Kommentare nicht verstanden.

  • 3
    9
    Blackadder
    03.11.2015

    Sie lenken ab, Soundnichtanders, indem Sie ihre verqueren Vorstellungen auf andere Menschen projizieren. Nochmal: Unterstützen Sie den Feuerwehrmann, der nur ihm genehme Menschen retten will?

  • 9
    6
    rangerma
    03.11.2015

    Hat bisher irgend einer diese Petition gelesen oder gesehen? Man sollte immer erst lesen, was schwarz auf weiß steht und dann erst urteilen. Aber wenn ich einige Kommentare der sogenannten Gutmenschen wieder lese, da wird einem schlecht. Einfach nur dümmlich.? ( Abdiel, Soundnichtanders,872889..) Das der Gemeindewehrleiter, der ehemalige Wehrleiter, die Stadträte... sofort ein politisches Urteil fällen, ist ja in der heutigen Zeit normal, oder?? Sonst sind in der nächsten Zeit einige Posten frei. Schade das es heute so ist.

  • 8
    6
    Soundnichtanders
    03.11.2015

    Ich freue mich auf die ersten Feuerwehrmänner, welchem der Spruch "Das verbietet mir mein Glauben." entfährt. Politikerinnen durften sich ja schon damit konfrontieren lassen. Diesen Einsatz möchte ich erleben, bei dem dann zum Beispiel eine Frau gerettet, ein jüdisches Gotteshaus gelöscht oder historische Abbilder von christlichen Heiligen gesichert werden müssen. Ich glaube, dass AGG wird für diesen Menschen dann nicht gelten!

  • 9
    9
    Blackadder
    03.11.2015

    @Soundnichtanders: Sie halten es für OK, dass ein Feuerwehrmann nach rettenswertem und unrettenswertem Leben unterscheidet? Wie würden Sie es finden, wenn ein Feuerwehrmann sich plötzlich überlegt, SIE nicht retten zu wollen, weil ihm ihre Nase nicht passt? Fänden Sie das auch OK?

  • 11
    7
    Abdiel
    03.11.2015

    Was war gleich noch einmal die wichtigste Aufgabe der Feuerwehr: Menschenrettung. Die Verweigerung sagt eindeutig aus, wes Geistes Kind der Kamerad ist. Von solchen Personen möchte man eigentlich gar nicht gerettet werden...

  • 10
    16
    Soundnichtanders
    03.11.2015

    Da seine berechtigtes Anliegen wie immer auf taube Ohren stößt sollte er sein Amt niedrlegen oder entzogen bekommen. Wenn sich alle konsequent an seinem Vorgehen orientieren, wird irgendwann kein Ehrenamtler mehr für diese Aufgaben zur Verfügung stehen. Das können dann die hoch motivierten, die deutsche Sprache fleißig lernenden "Flüchtlinge" zum Beispiel übernehmen. Integration funktioniert ja über Ehrenamt oder Vereinsarbeit am Besten.

  • 11
    21
    872889
    03.11.2015

    Der Feuerwehrmann begleitet ein öffentliches (Ehren-)Amt und dürfte auch einen Eid abgeleggt haben. Nach einer solchen Äußerung ist er hierfür untragbar und zu entlassen. Bleibt zu hoffen, dass hier gehandelt wird. Auch die Aussage des Wehrleiters sollte zu denken geben. Sie stehen für grundsätzlich alle Einsätze bereit… Grundsätzlich heißt, es gibt auch Ausnahmen. Ja welche denn? Aber wundern sollte man sich nicht, schließlich ist die Region für braunes Gedankengut hinlänglich bekannt

  • 22
    0
    Pixelghost
    03.11.2015

    Darf man auch lesen, worüber hier geschrieben wird? Ich kann mir nur eine eigene Meinung bilden, wenn ich die Petition gelesen habe.

    Jeder Feuerwehrmann scheint sie zu kennen, aber der Leser darf nicht?



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