Filialschließung der Sparkasse schlägt weiter Wellen

Die Reaktionen auf die Ankündigung fallen unterschiedlich aus: Während die einen den ausgedünnten Service bedauern, sehen andere keine wirtschaftliche Alternative. Einige Fragen bleiben unbeantwortet.

Mittweida/Striegistal.

In Mittweida hatte die Ankündigung der Sparkasse Mittelsachsen, wonach zum 31. Dezember dieses Jahres 16 ihrer 43 Geschäftsstellen geschlossen werden, für Aufregung gesorgt. So ist in der Hochschulstadt die Filiale im Neubaugebiet an der Lauenhainer Straße betroffen. Laut Sparkassenvorstandschef Hans-Ferdinand Schramm werden die Immobilien komplett geräumt. Es werden auch keine Automaten als Ersatz für die Schalter aufgestellt. Doch offen ist bisher, ob künftig der Sparkassenbus auch an der Lauenhainer Straße Station macht.

Zu der Frage und zu den Gründen der Filialschließung in Mittweida erwartet nun die Linke-Fraktion im Stadtrat Informationen aus erster Hand. Denn für die November-Sitzung des Stadtrates wird mit Holger Nerlich ein Mitglied des Sparkassen-Vorstands erwartet. Wie Fraktionschef Torsten Bachmann bestätigte, hatte die Linke bereits vor längerer Zeit vorgeschlagen, einen Vertreter des kommunalen Kreditinstituts einzuladen. Mit der Nachricht über die Filialschließungen habe dieser Besuch nun eine größere Bedeutung. "Ursprünglich wollte ich nur nach der wirtschaftlichen Entwicklung der Sparkasse seit der Fusion 2010 fragen. Aber nun ergeben sich aus aktuellem Anlass auch andere Fragen", so Bachmann.

Das betreffe unter anderem die künftige Versorgung der Sparkassenkunden im Neubaugebiet mit einem mobilen Angebot oder einem weiteren Betrieb von Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker an dem Standort. "Ein Thema wäre auch, warum die Sparkassen überhaupt Filialen schließt, obwohl das Kreditinstitut zumindest noch 2018 ein ordentliches Ergebnis geliefert hatte", so Bachmann.

Während der Linke-Fraktionschef diese Frage noch stellen will, ist der Mittweidaer Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) bereits vom Vorstand über die Schließungspläne der Sparkasse für die Geschäftsstelle an der Lauenhainer Straße informiert worden. "Ich bedauere die Schließung der Filiale sehr. Vor allem auch, weil erst kürzlich die Filiale der Volksbank geschlossen wurde", so Schreiber. Damit gehe Service verloren. Doch es habe auch die Kundenfrequenz nachgelassen, Bargeld werde jetzt in vielen Supermärkten ausgezahlt. Nur noch wenige Kunden würden den Kontoauszugsdrucker nutzen. "Sehr wichtig ist mir der Erhalt der Niederlassung in der Innenstadt und die Stärkung des Standortes Mittweida. So wurde die Kreditabteilung nach Mittweida verlagert", erklärte der OB.

Auch im Ortsteil Marbach der Gemeinde Striegistal wurde die Ankündigung der Sparkasse mit Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen. "Die Schließung ist bedauerlich, wurde aber im Vorfeld durch die Sparkasse kommuniziert", erklärte Bürgermeister Bernd Wagner (parteilos). "Durch die stark zunehmenden Onlineangebote werden viele bisher notwendige und lieb gewonnene Angebote weniger genutzt." Das sei nicht mehr wirtschaftlich.


Kommentar: Kein Weg zurück

Gern wird der Unterschied zwischen Sparkasse und Bank betont: der öffentliche Auftrag. Nach diesem decken Sparkassen den Bedarf der Bevölkerung und des Mittelstandes an Geld und Krediten. Lange brachten die kommunalen Geldhäuser Bürgern bei, dass sich Sparen eigentlich lohnt. Gesellschaftliches Engagement und Förderung sind ohne die Öffentlich-Rechtlichen nicht vorstellbar.

Wenn sich die Sparkassen nun aber im Zeitalter von Nullzinspolitik und Online-Banking dazu gezwungen sehen, Filialen zu schließen, ist das eine Einbahnstraße. Denn sollte es je wieder Zinsen geben, werden verprellte Kunden nicht zurückkehren. Ihre Finanzgeschäfte wickeln die dann längst anderswo ab. Der öffentliche Auftrag droht dabei, auf der Strecke zu bleiben.

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