Fürstenzug sucht Verstärkung

Der in Rochlitz ansässige Verein braucht neue Mitstreiter, die hoch zu Ross oder gut zu Fuß sind. Vor allem aber kommt es darauf an, dass sie geschichtsinteressiert sind.

Seelitz/Hainichen.

Der Hainichener Jens Stahlmann gehört zu den langjährigen Mitgliedern des lebendigen Fürstenzuges, verkörpert dort die historische Figur Friedrich der Gebissene. Seit einigen Monaten arbeitet er auch im Vorstand des Vereins mit.

"Ich bin damals zum Fürstenzug gekommen sprichwörtlich wie die Jungfrau zum Kinde", sagt Stahlmann. Bei einer Geburtstagsfeier, bei der der damalige Landrat Andreas Schramm, der Chef des Reiterhofs Seelitz, Andreas Lorenz, und der damalige Erlauer Bürgermeister, Jürgen Kunath, mit anwesend waren, sei er gefragt worden, ob er bei einem Auftritt auf der Albrechtsburg in Meißen im lebendigen Fürstenzug mitmachen wolle. Die Figur sei ihm damals zugeteilt worden. "Denn die meisten Figuren waren schon vergeben", so Stahlmann. Dem Verein sei wichtig, dass der Darsteller zu der jeweiligen Figur, die er verkörpere, auch passt. "Da wollen wir wieder hin, auch im Hinblick auf die Ersatzdarsteller, die von der Anzahl her etwa ein Viertel ausmachen."

Der lebendige Fürstenzug soll auch in Zukunft lebendig sein - für dieses Ziel wurden bei einem Treffen des in Rochlitz ansässigen Vereins im Waldhotel am Reiterhof in Seelitz am Wochenende die Weichen gestellt.

Dabei wurde ausgelotet, wo der Verein derzeit personell steht. "Die Darsteller werden älter, elf Jahre nach der Premiere des lebendigen Fürstenzuges ist es normal dass nicht mehr jeder in der Lage ist, an Auftritten teilzunehmen", machte Vereinschefin Regina Herberger die Lage deutlich. "Etwa ein Drittel der Reiterstellen ist derzeit vakant."

Umso wichtiger ist es für den Verein mit gut 100 Mitgliedern, neue Darsteller zu finden. "Diese müssen aber nicht nur in die Kostüme, sondern auch zu ihrer Rolle passen", sagte die Vereinschefin. "Nur wenn die Darsteller in ihrer Rolle aufgehen und diese Rolle leben, kann Geschichte so dargestellt werden, wie es unser Anspruch ist", ergänzte sie.

Ziel ist es nun, den Fürstenzug bis zum nächsten Fürstentag, die dritte Auflage soll im Sommer kommenden Jahres stattfinden, wieder auf einen guten Weg zu bringen. Dazu wollen auch Ina und Henning Tewes aus Erlau und ihr Sohn Franz beitragen.

"Dresden ist unsere Heimatstadt, dadurch hat uns der Fürstenzug immer interessiert. Durch persönliche Kontakte sind wir auf den Verein aufmerksam geworden und haben auch schon geholfen."

Nun will die Familie dem Verein regelmäßig zur Seite stehen, Franz wird auch Mitglied im Fürstenzug und will als Darsteller aktiv werden. "Ich werde mich natürlich über meine Rolle informieren, ich will ja auch wissen wer die Person war, die ich darstelle", sagte er bei der Anprobe des Kostüms von Hans Bastian von Zehmen, einst Festungskommmandant in Magdeburg. Auf die Rolle freut er sich.


Der historische Fürstenzug

94 Personen, 45 Pferde und zwei Windhunde sind auf dem historischen Fürstenzug zu sehen. Die 102 Meter lange, in Meißner Porzellan-Fliesen gebrannte Ahnengalerie der in Sachsen herrschenden Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige aus dem Hause Wettin befindet sich in der Dresdner Augustusstraße zwischen Residenzschloss und Frauenkirche. 2003 wurde der Grundstein für den lebendigen Fürstenzug gelegt. Der Seelitzer Andreas Lorenz gab die Initialzündung. 1400 Meter Stoffe, über 1000 Knöpfe und Ösen sowie 250.000 Meter Nähfaden waren nötig, um die Kostüme zu nähen. Im August 2006 ritt der Fürstenzug zur Premiere. (scf)

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