Große Pläne für KZ-Gedenkstätte

Wie es mit der Aufarbeitung der Geschichte in Sachsenburg vorangehen soll und worum es bei der Kommandantenvilla geht

Frankenberg.

Winterliche Ruhe herrscht in diesen Tagen auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers in Sachsenburg. Doch hinter den Kulissen tut sich etwas. Nach dem mehrheitlichen Willen der Stadträte wird ein neuerlicher Antrag auf Förderung für den Bau einer Gedenkstätte vorbereitet. Was mit der einstigen, baufälligen Kommandantenvilla passiert - "Freie Presse" beantwortet diese und weitere Fragen.

Wie kommt der geplante Aufbau der Gedenkstätte für das einstige KZ Sachsenburg voran?

Die Stadt Frankenberg hat jetzt eigens einen wissenschaftlichen Mitarbeiter dafür eingestellt. Dr. Mykola Borovyk hat mit Jahresbeginn seine Tätigkeit aufgenommen. Die Anstellung wird über eine Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK) unterstützt. Die Stadtverwaltung will gemeinsam mit dem Fachmann den Antrag zur Errichtung der KZ-Gedenkstätte weiter vorbereiten. Parallel dazu läuft die weitere Ausgestaltung der Außenraumausstellung. Diese ist unter dem Namen Pfad der Erinnerung bekannt und kann bereits besichtigt werden.

Welche Erwartungen verbindet das Rathaus mit seinem neuen wissenschaftlichen Projektmitarbeiter?

Neben der Einarbeitung in den historischen Kontext und der Kommunikation und Beteiligung der Akteure vor Ort, zählt zur wichtigsten Aufgabe, mit der Stadt zusammen den Antrag auf die Förderung des Baus der Gedenkstätte zu überarbeiten. Ziel ist es, das Papier im kommenden Sommer einzureichen, und zwar über das SMWK nach Berlin.

Warum muss überhaupt ein neuer Antrag auf Förderung gestellt werden?

Der erste, im August 2018 von der Stadt beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien eingereichte Antrag auf Bundesgedenkstättenförderung wurde abgelehnt. Kritikpunkte der Experten des Bundes waren: kein tragfähiges Konzept zum dauerhaften Betrieb der Gedenkstätte, Zweifel an der hinreichenden professionellen Unterstützung des Antragstellers durch den Freistaat oder eine Universität und Abriss wichtiger Teile des baulichen Ensembles.

Sieht sich die Stadt durch ihren neuen Mitarbeiter für die Antragstellung hinreichend professionell unterstützt?

Ja. Für Mykola Borovyk hat sich die Verwaltung nach einer Ausschreibung entschieden, weil er sehr gut auf die Aufgabe vorbereitet sein soll. Der 47-Jährige aus Unterhaching stammt ursprünglich aus der Ukraine. Er setzte sich gegen acht andere Bewerber durch. Borovyk betrachtet seine Anstellung im Gemeinschaftswerk der Stadt als "kreative und professionelle Herausforderung und als große Chance". Der Forscher verfüge über einschlägige wissenschaftliche Erfahrungen und habe bereits Projekte umgesetzt. Dies habe die Auswahlkommission überzeugt.

Gegen den Abriss der einstigen Kommandantenvilla auf dem Gelände sprechen sich viele, teils prominente Personen sowie Wissenschaftler aus. So unterzeichneten etwa der Maler Gerhard Richter und der Liedermacher Gerhard Schöne einen offenen Brief gegen den Abriss. In welchem Zustand befindet sich die Immobilie?

Frankenbergs stellvertretender Bürgermeister Andreas Schramm (CDU) betonte im Stadtrat, dass für das Gebäude bereits ein Abrissantrag gestellt sei. Zwei Gutachten bescheinigten die Baufälligkeit. "Das Baurecht für das Gebäude ist erloschen", sagte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU). Aus seiner Sicht ist das Haus "nicht erhaltenswert und nicht erhaltbar". Anstelle der Villa solle daher mit modernen audiovisuellen Mitteln Geschichte sichtbar gemacht werden. Dazu möchte die Verwaltung einen europaweiten Wettbewerb organisieren.

Unter welchen Umständen wäre das Haus dennoch zu erhalten?

Die Stadt hat angekündigt, die Kommandatenvilla zum Thema einer Pressekonferenz Ende Januar zu machen und Details zu erläutern.

Wie kommt die Stadt bei der Einrichtung der Interimsgedenkstätte in Räumlichkeiten der Gaststätte "Fischerschänke" neben der geplanten Gedenkstätte voran? Wann soll dieses öffnen?

Die Planungen zur Interimsgedenkstätte sind angelaufen. Der Termin zur Eröffnung des Kommunikations- und Dokumentationszentrums in diesem Jahr ist noch nicht öffentlich bekannt.

Welche Rolle spielt die öffentlich geführte Debatte, ob Sachsenburg nun ein frühes Konzentrationslager oder ein Schutzhaftlager war?

"Die Stadt orientiert sich an der Wahrheit und den Tatsachen", teilte das Rathaus auf "Freie Presse"-Anfrage mit. Sachsenburg stehe exemplarisch für die frühen Konzentrationslager in Sachsen, zugleich sei bis heute erhebliche Bausubstanz erhalten. dahl

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