Hier klebt, was wichtig ist

Vor reichlich 160 Jahren erhielt der Berliner Ernst Litfaß die Genehmigung für seine später weit verbreiteten Werbesäulen. Auch wenn die Zeiten schnelllebiger geworden sind - es gibt sie noch.

Niederwiesa.

Es gibt sie noch, die Litfaßsäule. Auch in Mittelsachsen. Erreichen heute Nachrichten über das Internet ihre Adressaten blitzschnell und direkt, war für die Großeltern-Generation einst die Litfaßsäule Informationsquelle und Außenwerbeform.

Mittlerweile sind die von Ernst Litfaß ersonnenen Säulen reichlich 164 Jahre alt. Zeitdokumente berichten, dass der Berliner zum 5. Dezember 1854 die erste Genehmigung für seine "Annoncier-Säulen" erhielt. Damit sah der gelernte Drucker die Chance, der Wildplakatierung entgegenzuwirken und gleichzeitig jedermann eine Werbemöglichkeit zu geben. Außerdem erhielt der Unternehmer polizeilich die Auflage, darauf neueste Nachrichten zu publizieren. "Die Hochzeit dieses Mediums ist längst vorbei, doch noch heute bleiben Leute stehen, um einen Blick auf Werbung zu werfen", sagt Erika Wünsch. Die Leiterin der Stadtinformation Oederan hat den Überblick über die drei im Stadtgebiet stehenden Exemplare. "Sie werden von städtischen und karitativen Einrichtungen genutzt, die zumeist Termine bekanntgeben und zu Veranstaltungen einladen. Auch Kultur- und Sportvereine plakatieren", so Wünsch. Die Landfrauen Börnichen initiierten 2014 eine besondere Aktion: Sie strickten die Säule am Altmarkt ein. In Niederwiesa zählt die Eubaer Straße zu den bestbestückten Litfaßsäulen-Magistralen im Landkreis. Von den insgesamt fünf im Gemeindegebiet haben drei hier ihren Platz. "Vor allem Gemeindeinformationen, Einladungen von Vereinen oder Werbung von gemeinnützigen Organisationen klebe ich an", berichtet Ulrich Dittrich, den Einheimische seit Jahr und Tag im Auftrag der Gemeindeverwaltung mit Leimeimer und Pinsel Fahrrad fahrend kennen. "Und ich achte darauf, dass alte Informationen ordentlich abgespachtelt werden." Und wie kommt man in Niederwiesa mit seinen Informationen auf die Säulen? "Im Rathaus sollte signalisiert werden, dass Plakate angebracht werden sollen, Kosten entstehen nicht", erklärt Bürgermeisterin Ilona Meier. Auch sie sieht in den Werbeträgern weiterhin ein bewährtes Angebot, örtliche Informationen weiterzugeben.

Für die Profis der Werbewirtschaft indes sind die kommunalen Litfaßsäulen in Niederwiesa und Oederan nicht interessant. Und auch technisch haben sich die Werbeträger weiterentwickelt. Laut Karin Winter, Pressesprecherin des Fachverbands für Außenwerbung, dessen Mitgliedsunternehmen einen Großteil der verfügbaren Flächen vermarkten, werden die Werbeträger heute nach ihrer Bauart - etwa Säulen mit wechselnder Werbefläche samt Lichtwerbung - und je nach Standort in Allgemeinstellen, Ganzsäulen und City-Light-Säulen unterschieden. "In Deutschland gibt es 57.412 ,Nachkommen' der alten Litfaßsäule." In Mittelsachsen, so Sprecherin Winter, finden sich nur sehr wenige Säulen in der Fachverband-Regie, und diese auch nur in Freiberg, in Brand-Erbisdorf und in Frankenberg. In Städten wie Penig, Rochlitz, Mittweida und Flöha würden gar keine Litfaßsäulen von Mitgliedsunternehmen vermarktet.

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