Hortkinder sollen im Container spielen

Für die Betreuung der Grundschüler aus Frankenau könnte in absehbarer Zeit der Platz knapp werden. Die Stadt will wegen sinkender Geburtenzahlen allerdings nicht dauerhaft mehr Kapazität schaffen und plant stattdessen eine Übergangslösung.

Mittweida.

Die 25 Hortplätze der Kindervilla "Krokuswiese" im Mittweidaer Ortsteil Frankenau sind laut Stadtverwaltung schon jetzt nahezu ausgelastet. Betreut werden dort vor allem Kinder aus Frankenau und dem benachbarten Ortsteil Thalheim, die die Grundschule in Altmittweida besuchen. Weil dort zwischen 2013 und 2017 überdurchschnittlich viele Kinder zur Welt gekommen sind, könnte es bald etwas enger werden in Hort und Grundschule.

Laut Mittweidas Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) geht die Stadt derzeit von rund 40 Kindern aus, die im kommenden Jahr an der Schule der Nachbargemeinde eingeschult werden. Zum Vergleich: Nach Angaben der Gemeinde besuchen in diesem Schuljahr insgesamt 96 Kinder die Grundschule, davon 19 die erste Klasse. Laut Stadtverwaltung Mittweida könnte somit im kommenden Jahr die Bildung einer zweiten ersten Klasse in Altmittweida notwendig werden. Das für die Klassenbildung zuständige Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) sei über diese Prognose bereits schriftlich informiert worden, sagt Schreiber. "Wir werden dafür kämpfen, dass die Schüler aus Frankenau und Thalheim auch weiterhin in Altmittweida zur Schule gehen können", verspricht er. Denn diese Verteilung sichert nach Angaben der Stadt auch die Mindestschülerzahlen an der dortigen Grundschule ab. Mit der Einschulung der geburtenstarken Jahrgänge werden nach Einschätzung der Stadt voraussichtlich auch die Kapazitäten des Kinderhorts in Frankenau gesprengt. Ab dem kommenden Schuljahr sei demzufolge bis 2023/24 mit einem Mehrbedarf von bis zu elf Betreuungsplätzen zu rechnen. "Es wurden verschiedene Varianten geprüft, um diesen fehlenden Kapazitäten zu begegnen", sagt Holger Müller, der den Fachbereich Verwaltung im Mittweidaer Rathaus leitet. "Die Schaffung von bis zu elf zusätzlichen Plätzen kann durch Umbauten oder Umnutzungen im Gebäude nicht gedeckt werden." Die Auslagerung von Hortklassen in andere Gebäude - etwa den Vereinsraum der Turnhalle oder das Kirchgemeindehaus - komme ebenfalls nicht infrage. Die räumliche Entfernung zum Hort sei zu groß, die baulichen Voraussetzungen stimmten nicht, heißt es. Aufgrund fehlender Kapazitäten sei auch eine Zusammenarbeit mit dem Hort im Altmittweidaer Grundschulgebäude nicht möglich. Als Lösung für das Problem favorisiert die Stadtverwaltung die Aufstellung von Containern im Außenbereich der Kindervilla "Krokuswiese". Das Vorgehen sei mit dem Elternrat und den Erziehern abgestimmt. "In Ballungsräumen ist diese Variante gelebte Praxis zur kurz- und mittelfristigen Platzschaffung", so Müller. Auch ein Hort in Burgstädt und eine Grundschule in Chemnitz haben in den vergangenen Jahren auf derartige Zwischenlösungen gesetzt. Den Hort mit einem Anbau zu erweitern, steht indes nicht zur Debatte. Aufgrund sinkender Geburtenzahlen sei ab 2022 mit einem deutlichen Rückgang der Anmeldezahlen zu rechnen.

Ob die Container-Variante umgesetzt wird, sollen die Mittweidaer Stadträte laut OB Schreiber in ihrer Sitzung am Donnerstagabend entscheiden. Voraussetzung sei auch, dass das Landesjugendamt eine Betriebsstättenerlaubnis dafür erteilt. Die Kosten für die Übergangslösung schätzt die Stadtverwaltung auf etwa 40.000 bis 70.000 Euro für die gesamten vier Jahre. Ein Förderantrag für bis zu 50 Prozent der Kosten sei bereits beim Landratsamt gestellt worden, so Schreiber. Die notwendigen Mittel sollen in den städtischen Haushalt, über den Anfang Oktober beraten wird, eingestellt werden.

Der Stadtrat Mittweida trifft sich am Donnerstag, 26. September, ab 18.30 Uhr zu seiner öffentlichen Sitzung im Ratssaal des Rathauses, Markt 32.

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