"Ich bin Teil der Gesellschaft und ihr Beobachter"

Mein Mittweida: Christopher Brinkmann ist zum Studium in die Stadt gekommen. Dass er hier geblieben ist, war eigentlich nicht der Plan.

Mittweida.

Christopher Brinkmann ist schon viel herum gekommen: Geboren in New York (weil die Eltern da arbeiteten), aufgewachsen im Ruhrgebiet und später in Dresden hat es den 26-Jährigen zum Studium in die mittelsächsische Kleinstadt verschlagen.

Im Jahr 2011 sei er nach Mittweida gekommen "mit der Perspektive, nach drei Jahren wieder wegzugehen". Doch er ist nach dem Bachelor-Abschluss geblieben. Auch, um sich parallel zur Master-Arbeit intensiver mit der Stadt und bei verschiedenen Projekten mit ihrer Geschichte zu beschäftigen. Der Medienmanagement-Student, der auch als freier Journalist tätig ist, hat an einer Kampagne für ein Stadtentwicklungskonzept für Mittweida mitgearbeitet.


Im Gegensatz zu den meisten Studenten hat er so deutlich mehr vom gesellschaftlichen Leben in Mittweida mitbekommen, sieht sich selbst als Teil davon. Zugleich ist die Stadt für ihn Forschungsgegenstand. "Ich bin Teil der Gesellschaft und zugleich ihr Beobachter", beschreibt Brinkmann seine Rolle als Mittweidaer. Seit 2018 arbeitet er an seiner Doktorarbeit zum Thema "Crossmediales Wissensmanagement zur Förderung der Bürgerbeteiligung auf kommunaler Ebene" und beschäftigt sich so mit Initiativen aus Mittweida und der Region.

So habe er viele der hier lebenden Menschen kennen gelernt und auch die Vielfalt der hier ansässigen Vereine und sozialen Initiativen. Darunter die Segler in Lauenhain oder der Tauchverein. "Ich war anfangs erstaunt, was Mittweida alles zu bieten hat." Dass er die Hochschule an sich schon als Standortvorteil für Mittweida im Vergleich zu anderen Kleinstädten wahrnimmt, überrascht da eher nicht, weil es eine ganze Reihe von deren Mitarbeitern gibt, die sich mit Initiativen und Projekten ins Stadtgeschehen einbringen. Aber auch darüber hinaus habe er Mittweidas Vorzüge zu schätzen gelernt. So wie den Park am Schwanenteich, den Brinkmann als "Oase der Entspannung und Treffpunkt" lobt. Während es viele junge Menschen nach der Schule in die Großstadt zieht, habe er sich bewusst für die Kleinstadt entschieden. Mittweida habe damals, beim Auszug aus dem Elternhaus, die optimale Größe gehabt, "um erste Schritte allein zu gehen". Statt in der Anonymität einer Großstadt unterzugehen, habe er hier die Gelegenheit gehabt, schnell andere Menschen kennenzulernen. Auch deshalb hatte er sich 2011 nicht im Campus niedergelassen, sondern eine Wohnung am Markt bezogen - eben mitten unter den Mittweidaern. So sei Mittweida zu einer Heimat geworden, "weil hier Menschen wohnen, die mir wichtig sind". Und wenn er Ende 2020 mit Doktortitel in der Tasche, die Stadt verlassen sollte, schließt er eine Rückkehr nicht aus. "Man sieht sich immer zweimal im Leben."

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