Junges Blut trifft auf Erfahrung

Sie sind selbstbewusst, engagiert und gut vernetzt. Doch die meisten Mitglieder im Landfrauenverband gehören zur Altersgruppe Ü-60. Das soll sich ändern.

Mittweida/Frankenberg.

Von ihrem Engagement im neu gegründeten Mittweidaer Ortsverein des Sächsischen Landfrauenverbandes versprechen sich die Jüngsten in der Runde viel. Mandy Lehmann, die im Vorstand der Gruppe mitarbeitet, findet den Austausch zwischen den Generationen interessant. Berührungsängste zu den meist älteren Verbandsmitgliedern hat sie nicht. Im Gegenteil: Die 35-Jährige mag es, wenn ältere Frauen aus den Dörfern der Region von fast vergessenen Traditionen berichten. Ihrer Ansicht nach können Jüngerevon den Älteren lernen. "Man kann im Haushalt einiges selbst herstellen oder reparieren wenn einem jemand zeigt, wie es geht", sagt Lehmann. Dieses Wissen will sie an ihre Kinder weitergeben. Tochter Nummer vier sei gerade unterwegs.

Das Hobby steht bei vielen älteren Frauen ebenfalls hoch im Kurs. Sie sind im Sächsischen Landfrauenverband in der Mehrheit. Nach Angaben von Geschäftsführerin Heike Sparmann sind nur knapp über zehnProzent der Mitglieder jünger als 40 Jahre.

Christoph Ulrich

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Auch die Älteren könnten von den Jungen im Verein nach Ansicht von Mandy Lehmannprofitieren. Eine Verbindung sieht sie unter anderem im Bestreben einiger Menschen, ihren Lebensstil zu vereinfachen. "Back to the Basics", nennt es Mandy Lehmann.

Sie selbst ist in einem kleinen Ort bei Döbeln aufgewachsen. Heute bewohnt sie mit ihrer Familie einen Vierseithof in Mittweida. "Wir haben vieles ländlich belassen", sagt sie. Überdies sei sie gern selbst kreativ. Ihre Kenntnisse hat sie unter anderem in Nähkursen des Landfrauen-Ortsvereins in Frankenberg weitergegeben, wo der Sächsische Landfrauenverband auch seinen Hauptsitz hat.

Die Gründung des Ortsvereins in Mittweida und das Ziel des Verbandes, mehr junge Landfrauen zu gewinnen und überörtlich zu vernetzen, gefällt ihr. Trotz Familie und Arbeit in einer Gärtnerei kann sie sich auch die Teilnahme an Aktivitäten von Frauen aus einem größeren Territorium vorstellen. ,,Themen wie Ernährung oder kreatives Gestalten interessieren viele", sagt sie. Zwischen den Frauen aus Mittweida sei bereits ein reger Gedankenaustausch in Gang gekommen.

Auch Sandra Maruhn Pönisch gehört zu den jüngeren Mitgliedern. Sie plant den Umzug von Niederstriegis nach Tanneberg, hat zuvor in Mittweida Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Die Mitarbeit bei den Landfrauen solle ihr helfen, Kontakte zu den Menschen am neuen Wohnort aufzubauen, sagt die 32-Jährige. Sie hofft, Frauen mit ähnlichen Interessen kennenzulernen.

Was mit der Gründung neuer Ortsgruppen in Mittweida und Langenleuba-Oberhain teils schon gelungen scheint - eine stärkere Beteiligung junger Akteurinnen - soll auch im gesamten Verband nun auf den Weg gebracht werden. Laut Janine Klinge, Bildungsreferentin im Landfrauenverband, soll es für junge Frauen, die ortsübergreifend eine Plattform zum Austausch suchen, am 18. Mai in Kohren-Sahlis ein Treffen geben. "Wir wollen herausfinden, was sie bewegt, welche Interessen sie verbinden", sagt Klinge. Die Teilnehmerinnen sollen entscheiden, wie sie sich vernetzten wollen. "Es geht um mehr Lebensqualität und zugleich um gesellschaftliche Teilhabe sowie die Chancengerechtigkeit für Frauen", so Klinge.

Etwa 850 Verbandsmitglieder sind nach ihren Angaben in 34 Orts- und einem Kreisverein organisiert. In einigen Regionen Sachsens war das Interesse bisher allerdings gering. Im Vogtland gebe es nur eine, im Erzgebirge drei Ortsgruppen.

Mit einem neuen Netzwerk, das junge Frauen aus ländlichen Regionen und Kleinstädten einbindet, sollen neue Mitglieder gewonnen werden. Die Initiative "Junge Landfrauen Deutschland" unterstützt laut Klinge Veranstaltungen. Die Teilnehmerinnen sollen ihre Vorstellungen und Ideen einbringen. Spaß und Aktivitäten mit Gleichgesinnten stünden im Fokus.

Der 1992 gegründete Verein droht ohne die jüngeren Generationen zu überaltern. Sachsenweit waren laut Klinge im Dezember nur zwei Frauen aus der Altersgruppe bis 26 Jahre Mitglied bei den Landfrauen, bei den bis 40-Jährigen waren es 36. Die stärkste Gruppe stellten mit 329 Mitgliedern die 61- bis 75-Jährigen. Älter als 75 Jahre waren 113 Frauen. 138 Mitglieder waren 55 bis 60 Jahre alt, 123 gehörten zur Gruppe der 41- bis 55-Jährigen.

 

https://slfv.de/junge-landfrauen

 

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