Kleine Kinos sollen Zuschuss erhalten

In die Filmbühne in Mittweida könnte nun investiert werden. Das Freiberger Kinopolis kann von der Soforthilfe des Bundes nicht profitieren. Doch ein Ziel des Programms kann allein mit dem Geldsegen aus Berlin wohl nicht erfüllt werden.

Mittweida.

Aus dem Soforthilfeprogramm des Bundes zum Erhalt von Kinos im ländlichen Raum können das Cinema in Döbeln und die Filmbühne in Mittweida jeweils 25.000 Euro erhalten. Damit würde ein beachtlicher Anteil der insgesamt 171.000 Euro, die aus dem Fördertopf Betrieben im Freistaat zugesprochen worden sind, nach Mittelsachsen fließen. Die Summen hat am Mittwoch ein Mitarbeiter der mittelsächsischen CDU-Bundestagsabgeordneten Veronika Bellmann auf Nachfrage der "Freien Presse" bestätigt.

Veronika Bellmann hatte sich bereits im April an die Kino-Betreiber gewandt, und sie aufgerufen, sich um den Zuschuss zu bewerben. Mit dem Soforthilfeprogramm, welches ein Volumen von fünf Millionen Euro hat, wolle der Bund den "Kulturort Kino" außerhalb von Ballungsräumen unterstützen und einem weiteren Kinosterben vorbeugen, erklärte die Abgeordnete damals. Zu den Vergabekriterien zählte, dass nur Kinos aus Kommunen mit bis zu 25.000 Einwohnern einen Zuschuss bis maximal 25.000 Euro beantragen konnten. Damit war in Mittelsachsen das Freiberger Kinopolis von vornherein aus dem Rennen. Bellmann will sich aber nach eigenen Worten dafür einsetzen, dass in den nächsten Jahren weitere Förderprogramme mit größerem Volumen aufgelegt werden, von denen dann auch das Kino in Freiberg profitieren könnte. Sie wolle, wie am Mittwoch mitgeteilt, die Bundesregierung auch zu Anpassungen bewegen, "wenn Fördermaßnahmen vielleicht an den Bedürfnissen vor Ort vorbeigehen".

In Mittweida trifft die Soforthilfe zumindest auf einen Bedarf. Denn der Kinobetrieb braucht auch Investitionen in Gebäude und Technik, wie der Chef der Betreiberfirma Andreas Ronneberger versichert. Noch sei in seinem Fall zwar noch nicht gesichert, dass der Zuschuss aus Berlin auch tatsächlich abgerufen werden kann, da die Beschaffung der Eigenmittel in Höhe von 20 Prozent der Fördersumme geklärt werden müsse. Doch das soll in den nächsten Tagen passieren. Verwenden wolle Ronneberger das Geld für Investitionen in die Ton-Technik der Filmbühne und für ein neues Kassensystem. Zu große Erwartungen könne man aber nicht dem Soforthilfeprogramm verknüpfen. "So ein Zuschuss kann helfen, aber das Programm allein sichert nicht den Erhalt des Kinos in Mittweida", so Ronneberger. So könnten damit keine laufenden Kosten beglichen werden, die sich nur mit entsprechender Besucheranzahl finanzieren ließen. Und da stehe ein Betrieb in der Kleinstadt im Wettbewerb mit Kinoketten in großen Städten wie Chemnitz. "Wir haben ähnliche Kosten, aber weniger Besucher", erklärte Ronneberger. Allein die Wege zum Kino seien für potenzielle Gäste im ländlichen Raum länger. Im konkreten Fall von Mittweida kommt hinzu: Ronneberger ist bisher nur Mieter des Kinos. Er hatte im Vorjahr den Betrieb übernommen, nachdem die vorherigen Betreiber Insolvenz anmelden mussten. Jetzt könne er sich vorstellen, dieses Mietverhältnis fortzusetzen. Doch am Gebäude seien weitere Investitionen nötig.

Mit seinen rund 900 Plätzen ist das Kinopolis in Freiberg deutlich größer als die Filmbühne Mittweida. Dennoch reklamiert Betriebsleiter Thomas Erler auch für sein Haus die Definition eines Kinos im ländlichen Raum. "Wir sind genauso auf eine solche Förderung angewiesen, um ein Kino in dieser ländlichen Region zwischen Dresden und Chemnitz betreiben zu können", so Erler. Für dessen Erhalt spielten zwar noch weitere Faktoren eine Rolle, aber ein Zuschuss des Bundes würde auch in Freiberg helfen. Das betreffe nicht nur Investitionen in Technik und Ausstattung. "Wichtig wäre, die Programmvielfalt zu erhalten", sagt Erler. So leistet sich das Kinopolis, ähnlich wie die Filmbühne in Mittweida den Spagat, neben der Vorführung von Mainstream-Filmen auch Programmkino anzubieten. In dem laufen anspruchsvollere Filme, die aber weniger Publikum erreichen. So ist das Freiberger Haus erst kürzlich auf der Filmkunstmesse in Leipzig für sein gutes Jahresfilmprogramm 2018 und die Kino5-Reihe ausgezeichnet worden.


Neues Programm in Arbeit

Wie Veronika Bellmann, CDU-Bundestagsabgeordnete, mitteilte, werde derzeit noch am "Zukunftsprogramm Kino" des Bundes gearbeitet, welches im nächsten Jahr einen Haushaltsansatz von 17 Millionen Euro für Kinos im ländlichen Raum hat. Das ist aber noch nicht beschlossene Sache. Bellmann hofft indes, dass auch das Kinopolis in Freiberg in einer möglichen zweiten Förderrunde von Geldern des Bundes profitieren könne, da Freiberg keine Großstadt sei. (jl)

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