KZ Sachsenburg als Mahnung für die Demokratie

Über die historische Einordnung des NS-Konzentrationslagers informiert ein lesenswertes Buch. Es ist auch ein Plädoyer gegen rechte Kritik am deutschen "Gedenkkult".

Frankenberg/Chemnitz.

Jahrzehntelang wurde das ehemalige NS-Konzentrationslager im Frankenberger Ortsteil Sachsenburg mehr oder weniger mit Desinteresse gestraft. Das hat sich seit einiger Zeit dank örtlicher Initiativen geändert: In der vergangenen Woche wurde die sächsische Landesarbeitsgemeinschaft zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus gegründet. Dazu zählt auch die Lagerarbeitsgemeinschaft Sachsenburg und der Verein Geschichtswerkstatt Sachsenburg, der sich mit der Aufarbeitung der Historie des NS-Lagers beschäftigt. Bereits im Juni hatte der Frankenberger Stadtrat den Weg für eine KZ-Gedenkstätte freigegeben.

Aber was war da in Sachsenburg überhaupt? Dazu gibt es ein neues Buch, "Konzentrationslager Sachsenburg (1933-1937)" , das Bert Pampel von der Stiftung Sächsische Gedenkstätten und Mike Schmeitzner vom Hannah-Arendt-Institut im Sommer herausgegeben haben. Diese erste umfassende Geschichte des Lagers wurde jetzt im Staatsarchiv Chemnitz vorgestellt.

Die alte Spinnerei diente den Nationalsozialisten als eines der ersten Konzentrationslager. Hier begannen Karrieren von SS-Führern, hier wurden Foltermethoden erprobt, die später auch in anderen Konzentrationslagern zum Einsatz kamen. Die ersten Lager entstanden direkt nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933. Allein in Sachsen gab es mehr als zwei Dutzend solcher Einrichtungen, bevor Sachsenburg zum Sammellager wurde. Mitherausgeber Pampel: "Das Besondere war, dass es nicht, wie die vielen kleineren Lager, schnell wieder aufgelöst wurde, sondern dass es bis Spätsommer 1937 bestand. Dadurch fungierte es als Experimentierfeld und Brücke zum späteren vollständig entfalteten KZ-System." Bis heute hält sich das Gerücht, bei Sachsenburg habe es sich lediglich um ein Arbeitslager gehandelt. Bei der Diskussion im Staatsarchiv wurde deutlich, wie wichtig die Studie zur Einordnung des Ortes und des Begriffs "Konzentrationslager" ist.

Mike Schmeitzner: "Wir wollen die künftige Gedenkstättenarbeit mit unseren Forschungen begleiten. Sachsenburg ist auch ein Beispiel für gescheiterte Demokratiegeschichte: Es zeigt, was passieren kann, wenn wie 1933 Demokratie, Pluralismus und Grundrechte zu Grabe getragen werden. Das KZ Sachsenburg ist daher auch eine Mahnung gegen heutige Tendenzen zum Geschichtsrevisionismus."

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