Landratsamt will Nestbauzentrale erhalten

Aus 50 Ideen für den ländlichen Raum wurde dank eines Modellvorhabens in Mittelsachsen Wirklichkeit. Auch eine Initiative aus Striegistal erhielt Geld. Nun ist das Budget aufgebraucht. Doch wie geht es mit den Projekten weiter?

Mittweida.

Rund 32 Millionen Euro macht der Bund für 13 strukturschwache Regionen in Deutschland von 2015 bis 2020 locker. Mit dabei ist der Landkreis Mittelsachsen, der von dem Projekt "Landaufschwung" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft immerhin 2,5 Millionen Euro erhält. Insgesamt 50 Vorhaben von Vereinen, Unternehmen und Kommunen profitieren laut Landratsamt von der Finanzspritze. Nun ist das mittelsächsische Budget vollständig in Projekten gebunden. Die Förderung läuft somit aus. Die "Freie Presse" hat bei vier Projekten nachgefragt, wie es jetzt weitergeht.

Nestbauzentrale: "Unser ausdrückliches Ziel ist es, die Nestbauzentrale fortzuführen", sagt André Kaiser, Sprecher des Landratsamts. Die Einrichtung begleitet Menschen, die in Mittelsachsen sesshaft werden wollen - Heimkehrer wie Zugezogene. "Die Nestbauzentrale hilft die sprichwörtliche Landung im Landkreis Mittelsachsen zu erleichtern. Sie unterstützt bei der Suche nach einem Arbeits- oder Kitaplatz und weist den Weg bei Behördengängen", erklärt der Erste Beigeordnete des Landrats, Lothar Beier. Insgesamt 357 Anfragen hat die Zentrale laut Landratsamt bisher bearbeitet. "Wir führen die Nestbauzentrale fort, weil dieser Service auch unseren Unternehmen hilft, mit potenziellen Fachkräften in Kontakt zu kommen", so Beier. Ob für die Weiterführung bereits Haushaltsmittel eingestellt wurden, ließ das Landratsamt auf Nachfrage offen.

Jugendtheater: Drei Projekte in drei Jahren hat der Freiberger Theaterförderverein mit Mitteln aus dem Förderprogramm realisiert, berichtet der Vereinsvorsitzende Arnold Beck. Zunächst sei versucht worden, die Jugendtheatergruppen im Landkreis zu einem mittelsächsischen Jugendtheater zusammenzuführen. "Daraus hat sich eine enge Zusammenarbeit der Gruppen aus Freiberg und Döbeln entwickelt", so Beck. Im zweiten Jahr entstand ein medienpädagogisches Theaterstück. In diesem Jahr entwickelte das Jugendtheater aus fünf mittelsächsischen Sagen ein Stück, das in Freiberg beim Bergstadtfest und an der Albert-Schweitzer-Schule gezeigt wurde. "Wir haben es auch vielen anderen Stadtfesten angeboten", sagt Beck. Das Interesse sei aber gering gewesen. Im kommenden Jahr könnte es einen neuen Versuch geben. "Kostüme und Requisiten sind da", so der Vereinschef. Wie es ohne die Fördermittel künftig mit dem mittelsächsischen Jugendtheater weitergeht, sei unklar. "Möglicherweise müssen wir uns die Kosten mit dem Förderverein aus Döbeln teilen. Wie viel Geld überhaupt benötigt wird, steht aber noch nicht fest", sagt Beck. Er sei dankbar für die zurückliegenden drei Jahre. "Für die Jugendlichen war das ein tolles Arbeiten, das sie mit dem Theater und mit ihrer Heimat eng verbunden hat."

Rochlitzer Schlossweihnacht: Seit 2016 findet auf dem Rochlitzer Schloss, veranstaltet von der Hotelgruppe Travdo, die Schlossweihnacht statt. Dass es noch mindestens bis 2021 - und laut Travdo-Mitarbeiterin Yvonne Langner wohl auch darüber hinaus - weitergeht, ist auch dem Landaufschwung-Projekt zu verdanken. "Wir haben für die zweite Auflage eine Förderung bekommen", erklärt Langner. Davon habe das Unternehmen unter anderem zehn Weihnachtsmarktbuden gekauft. Die Buden finden nicht nur in der Vorweihnachtszeit Verwendung - auch beim Händlerherbst, dem Streetfood-Markt und zuletzt dem Oktoberfest in Rochlitz kamen sie zum Einsatz. Für die Hotelgruppe ist die Schlossweihnacht ein Erfolg. Im letzten Jahr seien über 6000 Besucher gekommen. Noch mindestens dreimal muss die Schlossweihnacht stattfinden - dies sei laut Langner Förderbedingung.

Mittelsachsen jetzt: Der Döbelner Unternehmer Nicolas Sihombing versucht seit 2016 mit der Initiative "Mittelsachsen jetzt" Unternehmen, Vereine und Organisationen in mittelsächsischen Städten zusammenzubringen, damit diese sich gemeinsam vermarkten. Kern des Projekts ist ein Magazin, das halbjährlich erscheint. Darin stellen sich Unternehmer und Vereine aus den jeweiligen Orten vor. Von dem Geld aus dem Landaufschwung hat Sihombing einen Businessplan für das Projekt entwickelt. "Das war eine unheimliche Unterstützung", sagt er. "Für die Umsetzung sind aber Schlüsselfiguren aus den einzelnen Städten nötig. Die habe ich leider nicht überall gefunden. Aber wir bleiben dran", verspricht er. Fündig geworden ist Sihombing in Roßwein und im Striegistal. Auch für die so entstandene Initiative "Striegistal jetzt" gab es Geld aus dem Landaufschwung-Projekt. Das Unternehmernetzwerk präsentiert sich potenziellen Kunden mit einer gemeinsamen Website und einer Broschüre. Im September ging der Mittelsachsen-Shop online, eine Online-Plattform, auf der die Striegistaler Händler ihre Waren verkaufen.

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