Langer Atem bei Radweg notwendig

Die Einspruchsfrist ist vorbei. Nun gibt's wieder Arbeit für die Planer. Umweltschützer äußern erneut Kritik am Projekt.

Roßwein/Striegistal.

In dieser Woche wird sich Hainichens Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) wieder aufmachen. Nachdem er sage und schreibe 1800 Unterschriften für das laufende Planfeststellungsverfahren für den Striegistalradweg geleistet hatte, gilt es jetzt, die in den Rathäusern und Gemeindeämtern verteilten Aktenordner wieder einzusammeln. Bis zum vergangenen Freitag konnten Betroffene und Interessierte noch ihre Stellungnahmen zu Protokoll geben. Bis Ende Juni hatten die Unterlagen, die mehrere Aktenordner füllen, zur Einsichtnahme ausgelegen. Kurz darauf lagen der Landesdirektion Chemnitz, bei der Roßwein, Striegistal und Hainichen als Anrainerkommunen und Bauherrengemeinschaft das Verfahren beantragt hat, 13 Stellungnahmen vor. "Zwölf von Trägern öffentlicher Belange und eine Privateinwendung", so Sprecher Holm Felber. Er rechnet allerdings damit, dass die Anzahl der Stellungnahmen um einiges höher ausfällt, wenn die in der Landesdirektion und die in den Gemeinden vorgebrachten allesamt auf einem Tisch liegen.

Eine Stellungnahme stammt von Tobias Mehnert. Der Vorsitzende der Grünen Liga in Sachsen ist der Meinung, der Radweg dürfe so nicht gebaut werden, da der Abschnitt zwischen Crumbach und der Kratzmühle durch ein Flora-Fauna-Habitat führe. Dieses sei nur 200 Meter breit und werde durch den asphaltierten Radweg zerschnitten. "Der Bitumen heizt sich auf und die Erdkröten verbrennen", befürchtet der Umweltschützer. Naturschutz brauche aber zwei Dinge: Fläche und Ruhe. Mehnert plädiert weiterhin dafür, den Radweg direkt neben der Bundesstraße 169 zu bauen.

Derlei Befürchtungen teilt Hainichens Bürgermeister nicht. Er wurde von den Bürgermeistern der am Projekt beteiligten Kommunen sozusagen als Radwegverantwortlicher auserkoren. Wie Greysinger berichtet, werden die Stellungnahmen jetzt an zwei Planungsbüros weitergeleitet, eines kümmert sich allein um die Umweltbelange. Dort würden diese berücksichtigt, ist sich Greysinger sicher. Auch die Einsprüche werden dort bearbeitet.

Wie lange die Planer mit dem Beurteilen der einzelnen Hinweise und dem Abwägen beschäftigt sind, ob behördliche oder Einzelbelange über dem Projekt stehen oder sich unterzuordnen haben, das kann Dieter Greysinger im Moment nicht einschätzen. Er hofft, dazu am 28. August mehr sagen zu können. Für genannten Dienstag hat er seine Amtskollegen und Vertreter der Bürgerinitiative für den Radweg ins Rathaus eingeladen, um sie über den Stand der Dinge zu informieren.

Danach lege die Landesdirektion einen sogenannten Erörterungstermin fest. Bei dem können all jene, die Hinweise und Bedenken zu Protokoll gegeben haben, diese noch einmal vor den Planern und Behördenvertretern erläutern. Wahrscheinlich erst danach wird endgültig abgewogen, wo weitere Kompromisse nötig sind. Solche haben die Planer schon vorgeschlagen, wie Roßweins Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) den Räten vor deren Stellungnahme erklärt hat. Denn von der eigentlichen Bahntrasse sollen Radler in Zukunft nicht nur dort abweichen, wo zum Beispiel Brücken fehlen, sondern auch da, wo die Tier- und Pflanzenwelt in besonderem Maße gestört werden könnte.

Zu diesem Erörterungstermin müssen zu allen Einwendungen die Erwiderungen seitens der Planer vorliegen, erklärt der Sprecher der Landesdirektion. Denn diese seien Bestandteil der Einladungen zu dem Treffen. Eingeladen wird nur, wer sich durch Hinweise oder Einsprüche am Verfahren beteiligt hat. Greysinger rechnet damit, dass es frühestens Ende 2018 oder auch erst 2019 einen Erörterungstermin gibt. Wann daraufhin ein Planfeststellungsbeschluss in Aussicht steht, können weder der Rathauschef noch der Sprecher der Landesdirektion abschätzen. Das hänge auch davon ab, ob sich die Widersprüche abhelfen lassen oder Gerichte für eine Einigung sorgen müssen. Das kostet Zeit. Bestenfalls könnte nach den Überlegungen von Roßweins Bürgermeister 2020 mit dem Weiterbau begonnen werden. Zwischen Niederstriegis und Schlegel fehlen noch gut zehn Kilometer. Greysinger ist zuversichtlich, dass der Radweg gebaut wird. "Wir haben einen langen Atem", sagt er.

Die Planungen für den Striegistalradweg auf der Ende der 1990er-Jahre stillgelegten Bahnstrecke Roßwein-Hainichen haben schon wenig später begonnen. Im Dezember 2007 wurden die Pläne im Rathaus in Hainichen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Bau des Radweges soll rund 5,5 Millionen Euro kosten. Die Kommunen hoffen auf eine Förderung, den "Rest" teilen sie sich - wie die Auslagen, die bisher angefallen sind. (döa/mit jreb)

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1Kommentare
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  • 1
    2
    Tauchsieder
    19.07.2018

    Tod gesagte leben lang - endlich ist er wieder in der Öffentlichkeit (Presse) aufgetaucht, der "Striegistalradweg". Seit ca. 5 Jahren könnte dieses Projekt fertig sein, hätte man den Vorschlägen der Grünen Liga entsprechend straßenbegleitend gebaut. Wenn man unbedingt mit dem Kopf durch die Wand will wird man sich auf jeden Fall Beulen holen. Bedeutet so wie im Fall des "Elstertalradwegs", dass nach über 5 Jahren, teils nach internen Querelen, teils durch alle Instanzen bis hin zum BVwG, dieser Radweg noch immer nicht fertig gebaut ist. Vermutlich muss sogar ein fertiggestelltes Teilstück (Schwarzbau) zurückgebaut werden. Es ist mittlerweile so weit gekommen, dass durch die Sturheit des LRA Vogtlandkreis (Kopf durch die Wand) die Umweltverbände in Deutschland in ihrem Tun und Handeln zum Schutz der Natur, durch die Entscheidungen der Gerichte (z.B. BVwG), gestärkt wurden. Dafür gebührt dem LRA Vogtlandkreis ein Dankeschön.
    Vielleicht sollte sich Hr. Greysinger sicherheitshalber mal ein Sturzhelm zulegen.



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