Messe bleibt Klassiker bei der Berufswahl

Zur Schau "Schule macht Betrieb" sind am Samstag 1600 Besucher gekommen. Viele der 90 Aussteller und auch Besucher loben den persönlichen Kontakt.

Mittweida.

Wer glaubt, das Internet habe als Informationsquelle für Schüler beim Thema Berufsorientierung den klassischen Formaten wie der Ausbildungsmesse den Rang abgelaufen, der irrt. Zumindest spricht dafür das Offensichtliche: Kaum ein Parkplatz war während der Schau "Schule macht Betrieb" am Samstag rund um die Mittweidaer Sporthalle "Am Schwanenteich" noch frei.

In der Stadt präsentierten 90 Betriebe aus der Region ein Spektrum von Berufen von A wie Altenpfleger bis Z wie Zweiradmechaniker. Die Ausstellungsfläche war im Vergleich zum Vorjahr um das Außengelände erweitert worden. Laut einer Umfrage der "Freien Presse" machte vor allem der persönliche Kontakt die Messe für Aussteller und Besucher attraktiv. Die Firmen nutzten die vom Arbeitskreis Schule-Wirtschaft veranstaltete Messe vor allem, um Bewerber für ihre Lehrstellen zu finden. Peggy Courtios, Leiterin Personal beim Frankenberger Papierwabenhersteller Swap fand auch Kontakt zu Siebtklässlern: "So konnten wir nicht nur für die Ausbildung zum Packmitteltechnologen, sondern auch für Praktika werben."

Mit rund 1600 Besuchern bewege man sich in etwa auf dem Vorjahresniveau, erklärte Organisator Arno Bast vom Technologiepark Mittweida. Zu den Unterstützern zählen der Landkreis, die Agentur für Arbeit sowie die IHK Chemnitz. Laut Andrea Tippmer von der IHK-Regionalkammer Mittelsachsen bilden von rund 17.000 registrierten IHK-Unternehmen, derzeit 522 Betriebe aus - ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2017. Die Neuauflage der Messe 2019 sei bereits geplant.

Am kommenden Samstag präsentieren sich bei "Schule macht Betrieb" in Freiberg 100 Aussteller im Deutschen Brennstoffinstitut, am 22. September wird die Messe in Döbeln veranstaltet.


91 Lehrstellen noch unbesetzt

Laut dem Ausbildungsmarktbericht standen in diesem Jahr in der Region Mittweida 293 gemeldete Ausbildungsstellen 346 Bewerbern gegenüber. Trotzdem waren dem Bericht zufolge im August noch 91 Stellen unbesetzt. 51 Jugendliche mit Haupt- oder Oberschulabschluss seien unversorgt. Antje Schubert, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Freiberg: "Diese Bewerber suchen Ausbildungsstellen vorrangig im Bereich Produktion und Fertigung, zum Beispiel in der technischen Mediengestaltung oder der Fahrzeugtechnik. Auch im Bereich Verkauf suchen die Jugendlichen". (grot)


Aussteller hoffen auf Bewerbungen

Sandy Inckemann war mit ihren Kollegen zum ersten Mal bei der Ausbildungsmesse vertreten. Die 42-jährige Personalleiterin des "Hotel am Schlosspark" Lichtenwalde hätte nicht mit so viel Zulauf gerechnet. Nun sei sie optimistisch, einige Bewerbungen für eine Ausbildung zum Hotelfachmann oder Koch zu erhalten. Ihre Bewertung zum Messe-Format fällt eindeutig aus: "Die Messe ist für die Berufsorientierung viel besser als das Internet." Maximilian Hertrisch ist angehender Industriekaufmann im dritten Lehrjahr und stellte sich am Stand der Baierl & Demmelhuber GmbH mit Niederlassung in Schlegel zusammen mit Ausbilderin Madlen Vogt den Fragen der Besucher. "Es kommen viele junge Leute ohne konkrete Vorstellungen. Da muss man sie ansprechen", so der 21-Jährige. Madlen Vogt ist mit dem Messekonzept zufrieden: "Im vorigen Jahr konnten wir in Mittweida einen Azubi anwerben". Beide lobten das Persönliche einer Messe, auch wenn Hertrisch im Internet auf seinen Ausbildungsplatz aufmerksam geworden sei.

Kathleen Rößner kam mit ihrer vierköpfigen Familie zur Messe. Ihr ältester Sohn (13 Jahre) tue sich noch etwas schwer mit einer konkreten Ausbildungsrichtung. "Ich habe viel Interessantes gefunden, das Kind nicht", sagte die Hainichenerin. "Früher hatten wir ja gar nicht die Auswahlmöglichkeiten, aber heute fehlt vielen die Vorstellung." Aufmerksam wurde die Familie durch die in der Schule verteilte Broschüre zur Veranstaltung. Auch an den jährlich stattfindenden "Tagen der offenen Unternehmen" habe ihr Sohn schon teilgenommen.

Max Uhlmann hat das Messegelände am Samstag mit einem ungefähren Berufswunsch verlassen. "Ich bin erst eine Runde gelaufen und habe dann am Landratsamt-Stand jemanden angesprochen", so der 14-Jährige. Dort fand er die Richtungen Verwaltung und Straßenwärter interessant. Er sagt zum Messekonzept: "Die Leute nehmen einen schon sehr ernst und der persönliche Kontakt ist auch besser, als nur etwas zu lesen". Auf die Messe aufmerksam geworden war er ebenfalls durch eine Broschüre. (grot)

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