Missbrauch von Jugendlichen: Täter muss in Haft

Ein einschlägig vorbestrafter Mann aus einer mittelsächsischen Stadt soll die schwierige familiäre Situation seiner minderjährigen Opfer ausgenutzt haben.

Döbeln.

Immer wenn er Streit mit seiner Mutter hatte, übernachtete ein zur Tatzeit 17-Jähriger bei dem Mann, der jetzt vom Amtsgericht Döbeln unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs des Jugendlichen verurteilt worden ist. Die Richterin Marion Zöllner wies in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass der Beschuldigte die familiäre Situation seiner jugendlichen Opfer, die es zu Hause nicht einfach gehabt hätten, schamlos ausgenutzt habe.

Laut der Anklage soll es im Sommer 2018 zu einem sexuellen Übergriff auf den damals 17-Jährigen gekommen sein. Der 59-jährige Angeklagte habe sich demnach dem in seiner Wohnung schlafenden Jugendlichen genähert und ihn sexuell missbraucht. Als der Jugendliche erwachte und dies bemerkte, habe er die Wohnung verlassen. Diese und eine weitere Tat wurden angezeigt. Vorgeworfen wurden dem Mann der sexuelle Missbrauch des Minderjährigen und ein sexueller Übergriff auf einen weiteren Jugendlichen.

Bei der Beschreibung der Beziehung des Mannes zu dem 17-Jährigen wurde unter anderem erklärt, dass der Jugendliche öfter von dem 59-Jährigen Geschenke erhielt. Auch einem 15-jährigen Freund des Opfers soll der Mann versprochen haben, ihm Kleidung zu kaufen, wenn er ihn im Gegenzug anfassen dürfe. Der 15-Jährige ließ sich darauf ein. Doch nach dem sexuellen Übergriff bekam er die Geschenke im Wert von rund 400 Euro nicht. Beide Jugendlichen hätten laut den Angaben vor Gericht bei dem Angeklagten noch mehr Zeit verbracht, unter anderem um Filme anzuschauen. Gelegentlich hätten sie da auch Alkohol und Zigaretten bekommen - Dinge, die es zuhause für sie nicht gab. Die Mutter des 15-Jährigen und der Angeklagte waren befreundet.

Nach dem Vorfall mit dem 17-Jährigen erzählte der es seiner Mutter. Die fragte die Großmutter des 15-Jährigen, der bei ihr wohnt, ob sie von ihrem Enkel von ähnlichen Übergriffen erfahren habe. So kamen die Vorfälle ans Tageslicht. Die Jugendlichen erstatteten Anzeige. Auch nach den Taten hätten sie den Angeklagten weiterhin besucht.

Der Beschuldigte leugnete in der Verhandlung die Taten. "Ich habe sie nicht angefasst", sagte er. Auch die Kleidungsstücke wollte er dem 15-Jährigen nicht versprochen haben. Vor Gericht war er bereits bekannt, nach Einträgen wegen schwerer Brandstiftung und wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Obwohl sein Verteidiger einen Freispruch forderte, verurteilte Richterin Zöllner den 59-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Die Strafe wurde wegen der einschlägigen Vorstrafe und da der Beschuldigte weder Reue noch Einsicht zeigte und nicht geständig war, nicht zur Bewährung ausgesetzt. "Die Anklagevorwürfe stehen für mich vollkommen fest", sagte die Richterin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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