Munition: Suche am Soldatenteich zieht sich hin

Sprengstoffexperten durchforsten Freiberger Waldbad

Freiberg.

Drei Handgranaten, 30 Gewehrgranaten, neun Waffen zur Abwehr von Panzern, dazu mehr als 200 Granaten unterschiedlicher Größe, die kleinsten zwei Zentimeter, die größten 15 Zentimeter groß, fast 570 Kilogramm Granatsplitter, Teile von Geschützen und sogar eine Rakete. Und das ist nur ein Bruchteil dessen, was Sprengstoffexperten bisher auf dem Areal des Waldbads in Freiberg aufgefunden haben.

Seit Frühjahr 2018 durchkämmen Suchtrupps das Naherholungsgebiet am südlichen Stadtrand, das im Volksmund unter Soldatenteich bekannt ist und früher als Truppenübungsplatz genutzt wurde. Allein das eingezäunte Gelände des Waldbades umfasst mehr als 78.000 Quadratmeter - eine Fläche so groß wie elf Fußballfelder. Gut drei Viertel davon wurden, wie Daniel Großer-Scholz vom sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst erklärte, mittlerweile nach alten Blindgängern und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg abgesucht.


Ist der Rest geschafft, wird die Suche auf dem angrenzenden Campingplatz und dem nahegelegenen Parkplatz fortgesetzt. Eine kniffelige Aufgabe: Unter dem Campingplatz befindet sich eine rund einen halben Meter dicke Schicht voller Bauschutt, in der sich unter anderem Stahl befindet. Ehe dort die Suche nach Kampfmitteln beginnen kann, muss diese erst abgetragen werden. Eine aufwendige Sache, bemerkt Sprengmeister Großer-Scholz.

Die Folge: Die Badesaison fällt erneut ins Wasser und das Areal bleibt gesperrt. Darüber informierte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) im Stadtrat. Daniel Großer-Scholz bat um Verständnis, dass die Suche länger dauert. Mehrfach betonte er, dass Gründlichkeit und Sicherheit vor Schnelligkeit gehen: "Wir hantieren mit Kampfmitteln, die mehr als 70 Jahre alt sind."

Doch warum wird das Areal erst Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg durchforstet? 2017 wurde das Wasser des Teichs abgelassen, um unter anderem den Damm zu sanieren. Laut dem Sprecher des Polizeiverwaltungsamts, Jürgen Scherf, wurde damals auf einer kleinen Fläche dreimal Altmunition gefunden - und zwar an der Oberfläche. "Für uns war klar, es ist eine Suche nötig", so Großer-Scholz. Für Suche und Beräumung der Kampfmittel ließen Stadt und Stadtwerke, in deren Regie der Badbetrieb läuft, den Spielplatz und fast alle Bauten abreißen. "Wir hoffen, bis Jahresende die Badfläche zu schaffen", so der Sprengmeister. Scherf: "Das Ziel ist, 2020 das Bad nutzen zu können."

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