Netz-Werk expandiert bis nach Freiberg

Seit einem Vierteljahrhundert bietet der Verein aus Mittweida sozial benachteiligten Menschen Arbeit. Dafür erweitert sich dieser nun sogar bis über die Grenzen Mittelsachsens.

Mittweida.

Die Konjunktur ist stark, die Arbeitslosigkeit sinkt immer weiter. Doch Bedürftige gibt es noch immer viele, wie Anne Katrin Koch, Geschäftsführerin vom Netz-Werk Mittweida, weiß. Tatsächlich ist der Bedarf an Hilfsangeboten so groß, dass der Verein sich noch in diesem Jahr vergrößern wird.

In Freiberg hat Netz-Werk dafür ein Gebäude in der Dammstraße übernommen, in dem bereits zuvor ein Sozialkaufhaus angesiedelt war. Nachdem dieses aber Insolvenz anmelden musste, gab es zuletzt kein vergleichbares Angebot mehr in der Stadt. Grund genug, dass der Netz-Werk-Verein in die Bergstadt expandiert. Im Oktober soll dort auf etwa 600 Quadratmetern die neue Filiale öffnen.

Darüber hinaus zieht es den Verein aber auch nach Chemnitz, wo ebenfalls im Oktober ein Dienst starten soll, der Haushaltsauflösungen, aber auch Malerarbeiten und ähnliches übernimmt. Im Januar kommenden Jahres wird dann an der Altchemnitzer Straße ein weiteres Sozialkaufhaus des Vereins eröffnet. Auch in diesem Gebäude war zuvor bereits ein solches Kaufhaus angesiedelt.

Ein Grund für die Expansion nach Chemnitz ist auch das überschaubare Angebot ähnlicher Dienstleister in der Stadt, so Geschäftsführerin Koch. Mit diesen drei Angeboten sollen bis zu 40 neue Arbeitsstellen für chronisch psychisch sowie Suchtkranke entstehen. Verwaltet wird das alles weiterhin von Mittweida aus. "Natürlich haben wir überall auch Partner, die uns helfen. Aber wir organisieren alles in unserer Zentrale", so Koch.

Aktuell finden beim Netz-Werk etwa 200 Menschen eine Beschäftigung, 25 davon fest angestellt. Dies alles zu finanzieren, ist nicht leicht, wie Anne Katrin Koch zugibt. "Es ist immer ein Spagat zwischen wirtschaftlichen und sozialen Interessen", meint sie und fügt hinzu: "Wir versuchen uns so aufzubauen, dass jeder Standort sich auch selbst tragen kann." Ziel des Vereins ist es, sich unabhängiger von Spenden und Fördermitteln aufzustellen. Entsprechend will man mehr eigene Erlöse erzielen, etwa aus den Sozialkaufhäusern oder der Polsterei.

Zusätzlich plant das Netz-Werk für Ende 2019 eine Ausgründung im Bereich Textiles. Diese soll eine Inklusionsfirma entstehen lassen, bei der behinderte Menschen eine Arbeit im Textilbereich finden. Etwa 40 Prozent der dort dann Angestellten würden mit einer Behinderung leben, der Rest anleiten und helfen, so die Geschäftsführerin des Vereins Netz-Werk Mittweida.


Arbeitsmarktdienstleister beschäftigt 200 Menschen an mehreren Standorten in Mittelsachsen

Der Verein Netz-Werk Mittweida ist heute einer der größten Arbeitsmarktdienstleister der Region. Noch vor 25 Jahren hatte er mit 60 bis 70Beschäftigten angefangen. Mittlerweile sind es etwa 200 Menschen, die eine Arbeit finden. Während mehrere Standorte in Mittelsachsen neu aufgebaut wurden, musste der Vereins-Standort in Rochlitz mit einer Fahrradwerkstatt 2014 aufgegeben werden, weil er laut Geschäftsführerin Koch finanziell nicht mehr tragbar war.

Das erste eigene Haus des Vereins ist heute dessen Zentrale am Industrieweg. Das Gebäude hatte der Verein einst mit eigenem Geld ersteigert. "Dieses Gebäude ist eine Botschaft, dass wir frei sind, um Arbeit zu organisieren und neue Dinge aufzubauen", sagt die Geschäftsführerin. Heute finden sich darin neben der Vereinsleitung auch Dienstleistungen. Zu den Dienstleistungs- und Konsumbereiche n des Vereins zählen eine Textilmanufaktur sowie eine Änderungsschneiderei, die der Verein in Mittweida betreibt. Ebenfalls im Hauptsitz gibt es eine Möbelaufbearbeitung sowie eine Polsterei. Über Sozialkaufhäuser mit dem Namen Möbelwert werden Haushaltsgegenstände (Mobiliar, Elektrogeräte, Geschirr, Spielzeug, Einrichtungsgegenstände bis zu Bekleidung) vertrieben. Die Häuser finden sich in Mittweida, Döbeln und Penig.

Über die vom Netz-Werk betriebene Tafel werden Lebensmittelspenden gesammelt. Essensausgaben für Bedürftige gibt es in Mittweida, Hainichen, Penig, Döbeln, Roßwein, Waldheim und Hartha.

Auch um die Beratung von Erwerbslosen kümmert sich der Verein. Familienpaten bieten eine Alltagsbegleitung für Senioren. Integrative Hilfe leistet der Verein für Flüchtlinge.

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