Neue Bande geknüpft: Hainichen verewigt sich im Indianerzelt

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350 farbenfrohe Quadrate aus Stoff gehen nun auf die Reise nach Dorsten. Mit diesen Handarbeiten bleiben die Partnerstädte auch in der Pandemie auf eine kreative Art verbunden.

Hainichen.

Wie hält man in Zeiten von Corona den Kontakt zu Freunden und Bekannten, die sehr weit weg wohnen? Der Freundeskreis Dorsten-Hainichen hat die Städtepartnerschaft mit einer kreativen Aktion belebt. Den Anstoß dazu hatte Dorsten gegeben, wo nun ein "Tipi der Begegnung" entsteht. Es ist ein großes Zelt nach indianischem Vorbild - ein Ort, an dem man sich treffen kann, und ein Dach, das überall aufgebaut werden kann. Die Hülle beseht aus etwa 2000 zusammengefügten Stoffquadraten, die in individueller Handarbeit gefertigt worden sind.

Ideengeberin des urheberrechtlich geschützten Projekts ist die Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck aus Remscheid, die diese Tipis schon weltweit aufgestellt hat, insgesamt etwa 50 Stück. Als Carmen Fischer, die Vorsitzende des Freundeskreises Dorsten-Hainichen Anfang Januar 2021 die Hainichener aufrief, sich an der Aktion der Partnerstadt zu beteiligen, hatte sie natürlich auf eine gewisse Resonanz gehofft. Dass sie nun aber gleich 350 Stoffquadrate per Post auf die Reise nach Nordrhein-Westfalen schicken kann, habe sie dann aber doch überrascht. "Es waren nicht nur Leute aus dem Freundeskreis", erklärt Fischer. Insgesamt habe sich ein gutes Dutzend Frauen beteiligt, Männer waren nicht dabei. Es wurde gehäkelt und gestrickt, nicht immer sei auf das vorgegebene Maß von 15 mal 15 Zentimetern geachtet worden. Fleißigste Gestalterin war Marion Thümer, die mit ihrer Mutter und einer weiteren Bekannten rund 100 Quadrate beisteuerte.

"Einige Leute haben erzählt, dass sie die Technik erst wieder erlernen mussten, sich im Internet schlau gemacht haben", berichtet Fischer. Auch sie selbst habe am Telefon Tipps geben können. Ein Artikel in der "Freien Presse" habe der Aktion einen großen Schub gegeben. Alle hätten auch die Vorgabe, nur Acrylwolle zu verwenden, beachtet. "Ich finde es besonders schön, dass die Aktion die Menschen wirklich einander nähergebracht hat", sagt Fischer. "So haben sich auch in Hainichen Leute kennengelernt, die vorher nicht so viel miteinander zu tun hatten." Eingebunden waren zum Beispiel auch Bürger, die sich nun vor allem um die neue Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Ustek bemühen. Alle, die gehäkelt und gestrickt haben, seien aber der Generation Ü50 zuzuordnen. Dennoch ist Carmen Fischer überzeugt, dass die Städtepartnerschaften auch für Jüngere ein Gewinn sind.

Nicht alle Stoffteile aus Hainichen werden wohl einen Platz im Dorstener Tipi finden. "Sie haben dort schon jetzt ein Überangebot", erklärt die Freundeskreischefin. "Deshalb wird in Dorsten überprüft, sogar ein zweites Zelt anzugehen." Im Original werde Hainichen aber auf jeden Fall vertreten sein, ebenso Dorstens französische Partnerstadt Ernée.

Inzwischen habe Fischer sogar überlegt, ob sich Hainichen ein eigenes Tipi stricken könne. Dafür seien aber nun mal nicht nur 350, sondern etwa 2000 Quadrate notwendig. Oberbürgermeister Dieter Greysinger (SPD), der die Aktion unterstützt, will die Überlegung im Hinterkopf behalten.

Für die "Tipis der Begegnung" werden die einzelnen der mindestens 2000 Wollquadrate zusammengehäkelt und später über ein sechs Meter hohes Stangengerüst gelegt. Genutzt werden sollen die Zelte von Vereinen und Gruppen, um sich einmal in einem besonderen Rahmen zu treffen. Die farbenfrohen, auch "Megawollwerke" genannten Zelte der Künstlerin Ute Lennartz-Lembeck stehen zum Beispiel in New York, Basel, Kenia und Taiwan.

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