Niedrige Arbeitslosigkeit: Jugendliche bereiten Sorgen

Im Kreis sind so wenig Arbeitslose gemeldet wie seit 25 Jahren nicht. Doch es gibt Probleme.

Mittweida/Freiberg.

In Mittelsachsen hält die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt an. Die Arbeitslosenquote im Oktober lag wie im September bei 6 Prozent. "Das ist das historische Tief seit 1991", sagte Stefanie Ebert, die Sprecherin der Arbeitsagentur Freiberg, gestern auf Anfrage.

Allerdings wirft die kalte Jahreszeit ihre Schatten voraus. "Saisonal ist spürbar, dass die Auftragslage im Bau- und Architekturbereich zurückgeht", so Agenturchefin Susan Heine bei der gestrigen Pressekonferenz. Im Oktober seien in der Branche 12 Prozent weniger Stellen gemeldet worden, vor allem in Hoch- und Tiefbauberufen. Regional ist die Entwicklung unterschiedlich: In Döbeln ging die Arbeitslosigkeit um 2 Prozent zurück, in Freiberg stieg sie um 1,1 Prozent. Minimale Rückgänge gab es in Flöha (minus 0,6) und Rochlitz (minus 0,4 Prozent).

Für Kopfzerbrechen sorgt die vergleichsweise hohe Jugendarbeitslosigkeit. 7,5 Prozent der Erwerbsfähigen unter 25 Jahren haben keinen Job. Von diesen jungen Arbeitslosen hat die Hälfte keine abgeschlossene Berufsausbildung. "Da sehe ich ein großes Potenzial", so Agenturchefin Heine. Zugleich wies sie darauf hin, dass 2014 knapp 10 Prozent der Jugendlichen keinen Hauptschulabschluss besaßen - meist handelte es sich um Absolventen der sieben Förderschulen im Kreis. "In ganz Sachsen sind es 8,6Prozent. Das sollte uns zu denken geben." Die Agentur werde berufsvorbereitende Maßnahmen für Hauptschulabschluss-Nachholer anbieten.

Laut Karin Ilgert, Chefin des Jobcenters Mittelsachsen, erhalten Schul- und Lehrabbrecher auch eine zweite und dritte Chance für den Berufseinstieg. Allerdings sei die Erfolgsquote "überschaubar". Das Jobcenter bemühe sich um Jugendliche aus schwierigem familiären Umfeld. "Zumindest ein Teil von ihnen verfügt über die Voraussetzungen für einen Berufsabschluss, braucht aber individuelle Unterstützung", betonte sie. 2016 gab es 48Plätze in außerbetrieblichen Einrichtungen.

"Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", so Ilgert. Sie sprach von einer großen Herausforderung. Überdies hätten es Jobcenter und Arbeitsagenturen nicht in der Hand, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung zu ändern. Denn Talente hätten alle Jugendlichen, so die Chefin. Sie regte an, über alternative Schulformen nachzudenken. Dabei sollten Jugendliche zum Beispiel über verstärkte Praxisausbildung zum Abschluss kommen. (hh/grit)

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