"Ohne Eintritt gäbe es Abstriche"

Der Mittweidaer Oberbürgermeister Ralf Schreiber über das diesjährige Altstadtfest, die Kritik daran und die Pläne für die nächste Ausgabe

Mittweida.

Das Stadtfest in Mittweida zog in diesem Jahr weniger Gäste als 2017 an. Kritik an Eintrittspreisen und Programm waren die Folge. Lea Becker sprach darüber mit Stadtoberhaupt Ralf Schreiber (CDU).

Freie Presse: Herr Schreiber, wie fällt Ihr Fazit zum diesjährigen Altstadtfest aus?

Ralf Schreiber: Es war sehr harmonisch, mit einer großen Vielfalt von Angeboten, bei denen jeder etwas gefunden hat. Das haben mir auch viele Besucher bestätigt.

Sind Sie mit der Besucherzahl von 11.570 Personen zufrieden?

Sie könnte höher sein, das steht außer Frage. Hinsichtlich des Jubiläums "Zehn Jahre Mittelsachsen" haben wir uns mehr Besucher erhofft, weil wir den ganzen Landkreis angesprochen haben. Aber man muss sich auch fragen: Sind diese Angebote wirklich relevant für die Bevölkerung, sodass sie den Weg von Döbeln oder von Freiberg nach Mittweida suchen? Augenscheinlich haben wir doch wieder eher Mittweida und Umgebung angesprochen.

Das Jubiläum hat also nicht den erhofften Effekt gezeitigt?

Es war erst einmal schön, dass Mittelsachsen in Mittweida gefeiert hat. Dafür bin ich dankbar. Leider hat Mittweida den Status als Kreisstadt verloren, deshalb fällt es uns natürlich schwer, ein gemeinsames Fest anlässlich des Jubiläums zu feiern. Ungeachtet dessen, wir sind jetzt ein Landkreis und müssen dafür sorgen, dass wir zusammenwachsen. Dafür war das Fest ein richtiger Ansatz.

Kritik am Fest und dem dafür fälligen Eintrittsgeld kam unter anderem vom Ortsvorsitzenden der Linken, Torsten Bachmann. Hat Sie das überrascht?

Dass Herr Dr. Bachmann als Oppositionspolitiker Kritik übt, sei ihm unbenommen. Aber ich erinnere daran, dass es im Rat eine Festlegung gibt, dass Eintrittsgelder einen Teil des finanziellen Aufwandes für das Fest decken müssen. Die Mittel für das Fest haben alle Stadträte einstimmig mit dem Beschluss unseres Haushalts abgesegnet.

Wann wurde der Eintritt zuletzt im Stadtrat thematisiert?

Das kommt nach jedem Stadtfest wieder auf, auch im letzten Jahr. Wir haben im Stadtrat dargelegt, wie das Fest sich finanziell zusammensetzt. Im Endeffekt besteht es aus vier Teilen: Eintrittsgeld, dem städtischen Zuschuss, Standgebühren und Sponsoring. Der größte Teil kommt dabei aus dem städtischen Haushalt.

Wird der Eintritt noch einmal Thema im Stadtrat sein?

Ich werde auf alle Fälle etwas dazu sagen. So erhalten die Stadträte die Möglichkeit, sich dazu zu äußern und ein Stimmungsbild abzugeben.

Warum wird Eintritt erhoben?

Ich verstehe die permanente Fragerei nicht. Es gibt zahlreiche Ausgaben und die müssen finanziert werden, etwa für Künstler, Bühnen, Beschallung, Gema, Toiletten, Straßensperrungen, Handwerker, Werbung, Security, DRK, Entsorgung und so weiter. Zudem kombinieren wir das Kassieren des Eintritts mit Einlasskontrollen. Ohne derartige Kontrollen - das sieht man bei anderen Festen - kommen die Leute mit Rucksäcken oder Bierkästen, setzen sich vor die Kulturveranstaltungen und trinken ihre mitgebrachten Getränke. Für die Wirte rechnet sich das Stadtfest aber nur, wenn sie ihre Ausgaben wieder einspielen. Zudem können die Flaschen als Wurfgeschosse fungieren. Um die Gefährdung der Besucher zu minimieren, wird bei den Kontrollen zusätzlich geschaut, ob verbotene Dinge mitgebracht werden. In diesem Jahr hat die Security acht Messer und eine Säge einkassiert.

In anderen Städten sind Feste teils kostenfrei. Wie stehen Sie dazu?

Die Frage bekommen wir immer wieder gestellt. Das muss jeder Veranstalter für sich entscheiden. Prinzipiell muss eine Stadtverwaltung kein Fest organisieren. Wir haben Pflichtaufgaben wie Schulen, Kindergärten, Straßenunterhaltung, Meldestelle und so weiter, für die wir Steuergelder einsetzen. Wenn wir diese für eine freiwillige Aufgabe verwenden, stehen sie für unsere Pflichtaufgaben nicht zur Verfügung. Die Abwägung trifft der Stadtrat. Wenn andere Städte diese anders treffen, dann ist das so. Der Eintritt allein deckt die Kosten nicht, die Stadt schießt 50.000 bis 80.000 Euro Steuergelder zu. Ohne Eintrittsgeld müssten wir bei der Kultur oder bei der Sicherheit Abstriche machen. Wir haben einen sehr hohen qualitativen Anspruch an unser Fest. Dafür geben wir viel Geld aus - und das muss irgendwo herkommen. Wenn man es nicht über das Eintrittsgeld generieren will, müsste es über höhere Zuschüsse der Stadt bereitgestellt oder mit höheren Standgebühren eingenommen werden. Letzteres hat unweigerlich höhere Verbraucherpreise zur Folge. Großsponsoring wie beispielsweise die MDR-Bühne beim Stadtfest in Chemnitz, zu dem 300.000 Besucher kommen, das bekommen wir nicht, dafür sind wir als Stadt zu klein.

Neben den Eintrittspreisen steht auch das Programm des Fests in der Kritik. Der Vorwurf lautet, es sei jedes Jahr dasselbe.

Nein, wir haben jedes Jahr auch andere Bands und Künstler, sodass es immer wieder etwas Neues zu sehen gibt. Aber wenn etwas funktioniert und der Wunsch der Gäste besteht, kann man es durchaus wiederholen.

Beschäftigen Sie sich mit der Kritik, die im Netz geäußert wird?

Natürlich. Wenn es die Zeit zulässt, lese ich mir die Kommentare auf Facebook durch und schaue, welche Argumente kommen. Ich schaue aber auch, was fundierte Kritiken sind und was nur um der Kritik willen geäußert wird. Wenn Substanz dahinter ist, nehmen wir Kritik auf und verarbeiten sie.

Welche Pläne haben Sie für das kommende Stadtfest?

Es war ein tolles Fest mit positiven Rückmeldungen. Wir versuchen, Zugpferde zu bekommen. Mit Marquess haben wir bereits eine sehr gute Band für nächstes Jahr gebunden, für die wir mehr Geld in die Hand nehmen. Wenn es Ideen gibt, sind wir gerne bereit, diese aufzunehmen. Es wäre schön, wenn die Bevölkerung von sich aus Vorschläge macht, die wir dann auf Umsetzbarkeit prüfen. Gerne kann sich jeder Einzelne oder jeder Verein in das Fest einbringen. Wichtig ist mir für die kommenden Jahre, dass Geselligkeit, ein gelungener kultureller Mix und Sicherheit im Vordergrund stehen und weniger die Diskussion über die moderaten Eintrittsgelder. Dann sehe ich auch eine gute Akzeptanz unseres Altstadtfests.

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