Ottendorfer Bach: Anwohner wartet noch immer auf Sanierung

Anscheinend friedlich plätschert es vor sich hin: Das Gewässer im Ortsteil von Lichtenau ist aber alles andere als in einem guten Zustand. So sehen das zumindest Anwohner und Umweltschützer.

Ottendorf.

Das Hochwasser liegt zwar inzwischen etwa fünf Jahre zurück, doch noch immer sind die Folgen am Ottendorfer Bach zu sehen: abgebrochene Uferböschungen, angeschwemmter Dreck, an mancher Stelle wuchert dichtes Gestrüpp am Ufer, und Wasserpflanzen breiten sich aus. Besonders eine Brücke an der Bachgasse fällt dem Anwohner Sven Schuberth auf: "Dort wachsen Brennnesseln. Der Bach ist so zugewachsen, dass er inzwischen rechts vorbeifließt." Außerdem seien Brücke und Stützwand an der Stelle seit Jahren marode.

Vor einiger Zeit seien sogar schon Betonteile ins Wasser gestürzt, berichtet Schuberth. Die Gemeinde habe zwar die Brocken entfernen lassen, doch die Brücke wurde nicht saniert. Er sieht nicht zuletzt in losen Steinen ein Sicherheitsrisiko auch für Fahrzeuge, die hier den Bach überqueren. "Es ist widersinnig, ein bekanntes Problem liegen zu lassen, bis wirklich etwas passiert."

Die Gemeindeverwaltung von Lichtenau kennt die Probleme. Referent Martin Lohse wirbt um Verständnis: Nach dem Hochwasser 2013 habe es insgesamt 30 Schadstellen gegeben. Das Schadensvolumen betrug demnach drei Millionen Euro. "Wir haben Stück für Stück Brücken und Gewässer saniert, Böschungen abgeflacht und Hölzer entfernt", sagt Lohse.

Um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen, sind Mitarbeiter der Gemeinde und des Landratsamts den etwa sechseinhalb Kilometer langen Bach abgelaufen. Mit dabei war auch Sandra Siebert vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund). Die Gewässerökologin aus Dresden bearbeitet ein Projekt mit dem Titel "Gestaltungspotenzialanalyse von Bächen im ländlichen Raum". Die Naturschützer untersuchen dabei verschiedene Gewässer in Mittelsachsen, um einen Handlungsleitfaden für Gemeinden zu entwickeln. Der soll etwa helfen, die Artenvielfalt und den Erholungswert der Fließgewässer zu steigern.

"Der Bach ist ziemlich stark beeinträchtigt", urteilt Siebert. Doch neben angeschwemmtem Schutt sind ihrer Meinung nach nicht zuviel, sondern an einigen Stellen eher zu wenig Büsche und Hölzer am Ufer zu finden. Die Gewässerökologin erklärt: Durch den Mangel an Schatten erwärmt sich das Wasser. Daraufhin wuchern darin Wasserpflanzen, wie etwa Makrophyten. Dazu zählen unter anderem bestimmte Algenarten. Diese sorgen zum einen dafür, dass im trapezförmigen Bachbett weniger Platz für das Wasser bleibt. Zum anderen werden die Pflanzen von Wasserlebewesen abgebaut. Diese verbrauchen dabei so viel Sauerstoff, dass davon nicht genug für Fische übrig bleibt. Sterbende Fische können die Folge sein.

Ein anderes Problem für Fische seien die Wehre. So habe Siebert keinen einzigen Fisch der Sorte Groppe im Ottendorfer Bach nachweisen können, obwohl der eigentlich typisch für solche Gewässer ist. Siebert sagt: "Man sollte den Bach nicht in ein Betonkorsett pressen, sondern den natürlichen Verlauf beibehalten." Auch Hochwasser würden dadurch besser abgefangen. Wenn ein Stück Ufer wegbreche, sollte man das sogar belassen. Aber die Sicherheit des Verkehrs habe natürlich Vorrang, so die Bund-Mitarbeiterin.

Im Laufe diesen Jahres soll die Renaturierung des Bachlaufs laut Lichtenauer Gemeindeverwaltung abgeschlossen werden. Sven Schuberth stellt diese Aussicht allerdings kaum zufrieden. Stattdessen zweifelt er die Zeitpläne an: "Wer weiß schon, ob daraus so bald schon etwas wird."

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