Rossauer kämpfen um ihr Wartehäuschen

Die Gemeinde will den alten Unterstand an der Haltestelle Schmiede abreißen und eine neue Überdachung bauen. Das gefällt Anwohnern nicht, sie wollen sogar Geld für die Rettung geben.

Rossau.

In allerletzter Minute ist der Abriss eines Buswartehäuschens an der Haltestelle Schmiede in Oberrossau gestoppt wurden - zumindest vorerst. Siegmar Schubert, der in unmittelbarer Nähe der Haltestelle wohnt, bezeichnete es als "das schönste Wartehäuschen im Ort". Um die nach seinen Angaben 52 Jahre alten Unterstellmöglichkeit zu retten, wollen der 68-Jährige und seine Ehefrau "eine größere Summe" für die Sanierung spenden. Seine Frau und er würden das Wartehäuschen ebenso wie andere Fahrgäste der Regiobus-Linie zwischen Hainichen und Mittweida nutzen. "Es ist der perfekte Schutz vor Sonne und Hitze oder vor Kälte, Schnee, Regen und Wind", sagt Schubert.

Die Planungen sehen jedoch anders aus: Abriss und Ersatz durch ein verglastes Wartehäuschen. Gemeinderat und Verwaltung wollen sich aufgrund des Angebotes der Schuberts nun noch einmal mit dem Thema beschäftigen, erklärte die stellvertretende Bürgermeisterin Regina Ranft (Freie Wähler Rossau). Sie habe jedoch Zweifel, dass sich der Abriss noch stoppen lasse, denn die Arbeiten an der Hauptstraße haben bereits begonnen. Innerhalb der Sanierung der Staatsstraße soll auch das alte Buswartehäuschen verschwinden. "Die Planungsunterlagen waren öffentlich ausgelegt. Einwände und Hinweise von Bürgern wurden abgewogen und Beschlüsse gefasst", sagte Ranft. An diese seien die Landesdirektion und die Gemeinde gebunden. Trotzdem wollen sie und weitere Gemeinderäte sich für einen kurzfristigen Vororttermin einsetzen. Die Bauverwaltung soll die rechtlichen Seite prüfen.


Schubert sieht die Sache weniger kompliziert. Er habe schon viel für das Buswartehäuschen getan, es unter anderem gereinigt und zurückgelassenen Müll entsorgt. Mit ein paar hundert Euro sollte die Sanierung seiner Ansicht nach machbar sein. Der Putz müsse an einzelnen Stellen ausgebessert, das Dach repariert und teilweise der Anstrich erneuert werden. "Das Häuschen ist solide gemauert, es steht am richtigen Platz, und es gibt an dieser Stelle keine Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit", so Schubert.

Die Gemeinderäte hatten im vorigen Jahr über das Schicksal von insgesamt fünf Wartehäuschen im Ort debattiert. Sie kamen zu dem Schluss, dass die alten, gemauerten Unterstellmöglichkeiten abgerissen und verglaste Häuschen errichtet werden sollen. 25.000 Euro hat die Gemeinde für die Neuanschaffungen eingeplant. Eine Sanierung der bisherigen Wartehäuschen sei hingegen nicht sinnvoll, urteilen Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) und die Räte. Seit Jahren bemühe sich die Gemeinde um ihren Erhalt, doch sie seien nicht mehr zu retten. Zudem nutzten Schmierfinken den Sichtschutz, den die massiven Mauern bieten. In mehreren Fällen seien deshalb schon Polizei und Staatsschutz zum Einsatz gekommen. Die Kommune müsse etwa alle zwei Monate den Innenanstrich erneuern.

Zudem hoffen Regina Ranft und die Räte, dass in den neuen Häuschen weniger Müll und Dreck hinterlassen wird und dass sie leichter zu reinigen sind. Schubert sieht das jedoch anders. "Ein Glashäuschen bietet keinen Vorteil. Im Sommer wird es darin brütend heiß. In der kalten Jahreszeit pfeift der Wind hindurch, denn es ist unten offen", argumentiert er. Er kenne solche Unterstände, etliche hätten nach kurzer Zeit matte und fast undurchsichtige Scheiben, weil Graffiti oder eingeritzte Schmierereien entfernt werden mussten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...