Rossauer retten Mahnmal vor dem Verfall

Von einer Gedenktafel waren nur Reste übrig. Das Denkmal, das an Kriegsgefallene erinnert, wurde restauriert. Am Sonntag ist Einweihung.

Rossau.

Jahrzehnte lang hat ein unscheinbarer Steinhaufen unter einer Buche auf dem Rossauer Friedhof gelegen. Auf Initiative der Dorfbewohner Arnold Skarupke und seines Sohns Ingo hat er seine ursprüngliche Bestimmung wieder erlangt: Die Steinplatte erinnert laut einem Eintrag im Heimatbuch des Rossauer Pfarrers an fünf Männer, die im Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870 und 1871 gefallen sind. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag soll die durch private Spenden und die Gemeinde Rossau restaurierte Gedenktafel eingeweiht werden.

Es sei eine Herausforderung für den Pappendorfer Steinmetzmeister Sven-Uwe Kampik gewesen, die rund 60 Zentimeter hohe und 85 Zentimeter lange Steintafel aus schlesischem Granit wieder aufzuarbeiten, so die Initiatoren. Denn von den Inschriften sei kaum noch etwas erkennbar gewesen, als Ingo Skarupke und sein Vater die Platte nebst eines massiven Sockels aus Sandstein am östlichen Ende des Friedhofes entdeckten.

"Früher stand der Gedenkstein wohl am unteren Zugang des Friedhofs. Später wurde er weggeräumt und zur Sicherung wahrscheinlich vorerst an den Stamm der Buche gelehnt, wo er in Vergessenheit geriet", meint Ingo Skarupke. Er ist froh, dass das Vermächtnis aus der Vergangenheit nicht in einem Container landete. "Es war ja kaum noch was zu lesen, viele wussten gar nicht, worum es sich handelt."

Steinmetzmeister Kampik hatte seine liebe Not mit der Tafel. Denn obwohl ihm dank der Aufzeichnungen des Pfarrers die Namen und Sterbedaten der Gefallenen bekannt waren, gab ihm die Inschrift Rätsel auf. Denn am Ende schien noch etwas zu stehen, was in den Aufzeichnungen nicht auftauchte. "Mit viel Mühe konnte ich so etwas wie 'gewidmet vom dramatischen Verein zu Nieder-Rossau' entziffern. Aber ich dachte, dass das falsch ist, weil mir der Begriff dramatischer Verein unbekannt war", so Kampik. Wie sich herausstellte, lag der Steinmetzmeister mit seiner Deutung aber richtig. Denn "Dramatischer Verein" wurden einst Theatergruppen genannt. Und so konnte Kampik die alte Inschrift mit Fäustel, Meißel und Farbe wieder sichtbar machen.

Weitere Rätsel wurden gelüftet. So fand Ingo Skarupke bei seinen Nachforschungen im Kirchenarchiv heraus, dass alle Männer im Alter von 21 bis 23 Jahren starben. Während zwei vermisst blieben, gibt es über einen der Soldaten sogar genauere Aufzeichnungen. So wurde der Rossauer Hermann Barthel am 18. August 1870 während der Schlacht von Sainte-Marie in Frankreich durch einen Schuss ins linke Knie verwundet. Am 27. September verstarb er an den Folgen der Verletzung in einem Lazarett in Dresden.

Die Einweihung der Gedenktafel findet am Sonntag um 13.30 Uhr auf dem Rossauer Friedhof statt.

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