Saisonstart mit neuem Fährmann

Wie vor 100 Jahren bringt Fähre "Anna" Ausflügler über die Zschopau. Für einen Mittweidaer ist die Arbeit auf dem Boot eine Premiere.

Krumbach.

Fährmann, hol über - so heißt es seit dem Wochenende wieder an der Zschopau im Lichtenauer Ortsteil Krumbach. Bei Sonnenschein erfolgte der Saisonstart der Querseilfähre, die seit über 100 Jahren als Transportmittel genutzt wird. Punkt 11 Uhr bimmelten am Sonnabend erstmals in diesem Jahr zum Funktionstest die an den Einstiegsstellen angebrachten Schiffsglocken, mit denen Passagiere beiderseits des Flusses die Dienste der Fährmänner anfordern können.

Die Bootsführer Roland Drawert und Manfred Markgraf hatten an den Vortagen ihre schwimmende "Anna" herausgeputzt. Auch das 70 Meter lange Stahlseil galt es, neu über den in Gewässermitte drei Meter tiefen Flusslauf zu spannen. Zudem wurden Sicherheitseinrichtungen überprüft, etwa Rettungsringe für den Ernstfall vorbereitet und Schwimmwesten bereitgelegt.

Sascha Aurich

Aurichs Woche:Der „Freie Presse“-Sonntagsnewsletter von Sascha Aurich

kostenlos bestellen

"Für mich wird es die siebte Saison", sagte Drawert. Der Frankenberger vollzog mit dem ersten Eintrag in das Logbuch den offiziellen Dienststart. Für Markgraf war es indes Premiere: "Ich starte neu in diese Aufgabe", sagte der Mittweidaer. "Ich bin begeisterter Wassersportler, besitze den Bootsführerschein. Mit 69 Jahren zähle ich längst nicht zum alten Eisen", sagte der Diplomingenieur. Der Rentner hatte sich im Vorjahr auf der Suche nach einer Nebentätigkeit für den Job beworben. Im Wechsel mit seinem Kollegen wird er in 14-tägigem Rhythmus jeweils von Mittwoch bis Sonntag arbeiten.

14 Passagiere kann das nach dem Hochwasser 2002 neu gebaute Wasserfahrzeug aufnehmen. "Wir befördern auch Fahrräder, Kinderkutschen und Bollerwagen", sagte der 70-jährige Drawert. Etwa drei Minuten dauert eine Passage, die die Gemeinden Lichtenau und Rossau verbindet. Der seit 2013 gültige Fahrpreis: 1,50 Euro pro Erwachsenem.

Der Männertag zähle zu den bestfrequentierten Tagen, sagt Betreiber und Chef der Wasserschänke, Ronald Hornauer. Von einer erfolgreichen Saison könne er sprechen, wenn 10.000 Personen befördert sind. Guter Rat an den Neueinsteiger: Wechselkleidung mitbringen. "Wir setzen bei jedem Wetter über, außer Gewitter. Einmal habe ich sogar Schnee vom Dach des Bootshäuschen geschoben", so Drawert. Außerdem kennt er sich in der Geschichte aus. Landwirt Johann Georg Lange hatte 1826 die Wasserschänke erbaut. "Zunächst als Kantine für die Arbeiter der benachbarten Spinnerei, dadurch erhielt er auch die Schankkonzession." Der Mann sei ein vorausblickender Geschäftsmann gewesen. "Bald erkannte er, dass auch Ausflügler jenseits des Flusses die Chance erhalten sollten, bei ihm einzukehren. Also ließ er einen Kahn bauen." Als Schicksalsjahr ging das Jahrhunderthochwasser 2002 in die Chronik ein.

Die Saison dauert bis 31. Oktober. Erwachsene zahlen für die Überfahrt 1,50 Euro, Kinder 1 Euro. 50 Cent kostet die Rad-Mitnahme. Die Überfahrt ist mittwochs bis freitags von 12 bis 17 Uhr möglich, am Wochenende und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...