Schlechte Chancen für gute Aussicht

Auf dem Rochlitzer Berg verweisen Tafeln auf einen Panoramablick. Doch den versperren seit Jahren hochgewachsene Bäume - zum Unmut der Besucher.

Rochlitz.

Wer den Rochlitzer Berg als Tourist besteigt, mag durch die Hinweistafeln neugierig werden, die einen "Panoramablick" versprechen. Man erwartet eine Aussicht in viele Richtungen - ganz wie es das altgriechische Wort Panorama verspricht: eine Allschau.

Ganz falsch ist das auch nicht, denn unweit des Türmerhauses steht ein Aussichtsturm, von dem sich dieser Blick genießen lässt. Doch eine Plattform unterhalb des Turms und ein Porphyrstein mit eingelassener Sichtbeschreibung deuten darauf hin, dass es auch hier einmal mehr als Wald zu sehen gab. "Das Problem ist uns seit vielen Jahren bekannt", erklärt die Geschäftsführerin der Rochlitzer Tourist-Info, Jana Uhlmann. "Wir haben schon mehrfach versucht, eine Lösung für den Aussichtspunkt zu finden. Aber langfristig müssen wir es wohl akzeptieren, dass man von dort nichts mehr sehen kann", so Uhlmann. Der Panoramablick sei vor allem deshalb so beliebt, weil er auch für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen leicht zugänglich ist.

Der Aussichtspunkt entstand Ende des Jahres 1987 zufällig, als die davorliegende Hangfläche zur Holzgewinnung gerodet wurde, erklärt der zuständige Forstbezirksleiter Bernd Ranft. Die Fläche gehört dem Freistaat. Lärchen und Buchen wurden im Anschluss angepflanzt, um den Wald zu verjüngen. Die Stelle oberhalb des Hanges etablierte sich schnell als Ausflugsziel, das den Blick Richtung Süden über die Stadt Chemnitz bis ins Erzgebirge freigab. Doch mehr als 30 Jahre sind vergangen, die Bäume heute groß. Aufgrund massiver Nachfrage errichtete der Sachsenforst 2017 eine Tafel, die erklärt, dass die ehemalige Sichtschneise auf natürliche Weise wieder zuwächst. "Um die Aussicht zu erhalten, müssten wir dauerhaft eine sehr große Fläche im Wald von Bäumen befreien. Das ist letztlich nicht die Aufgabe des Sachsenforsts", sagt Ranft. Denn auch eine Wiesenfläche würde im Wald langfristig wieder von Bäumen bewachsen werden. Zudem schützen die dort gepflanzten Lärchen und Rotbuchen den Hang vor Erosion.

Die Stadt Rochlitz bedauert es, das touristische Ausflugsziel nicht erhalten zu können, wie Oberbürgermeister Frank Dehne (parteilos) erklärt. "Aber um Besucher nicht zu verwirren, kommen wir nicht drumherum, die Hinweistafeln zu entfernen." Die Stadt werde nun überprüfen, ob die Tafeln sowie die Porphyrsteine mithilfe von Fördergeldern aufgestellt wurden. "Das ist notwendig, damit wir beim Rückbau beispielsweise nicht gegen Förderrichtlinien verstoßen. Aber wir kümmern uns darum", so Dehne.

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