Sicher und eine Nummer kleiner: Der neue Bücherbus ist da

In Mittelsachsen steuert die Fahrbibliothek 46 Orte an: Auf acht Metern Länge gibt es künftig 3500 Medien zur Ausleihe.

Hainichen.

Gleich mehrere mittelsächsische Bürgermeister standen am Montagvormittag in Hainichen im Regen und warteten auf einen ganz besonderen Bus. Wer fehlte, war der Landrat. Denn der saß am Steuer, als das neue Fahrzeug der Kreisergänzungsbibliothek auf dem Hof des zentralen Standorts an der Falkenauer Straße einparkte.

"Das typische Lesewetter", kommentierte Kathrin Hillig, die Geschäftsführerin der Mittelsächsischen Kultur Gesellschaft ist, zu der die Kreisbibliothek gehört. Sie übernahm den Autoschlüssel. Rund 244.000 Euro hat der Bus der Marke Iveco gekostet, der zur Hälfte mit Fördergeld des Freistaats bezahlt wurde. Die Gestaltung des Fahrzeugaufbaus hatte Grafikerin Bianka Behrami aus Penig übernommen.


Der alte pinkfarbene Bus, der bereits 1992 angeschafft worden war, hat am heutigen Dienstag noch seinen letzten Einsatz. Das zwölf Meter lange Fahrzeug der Marke Volvo steht danach zum Verkauf. Frei nach dem Motto "Alles neu macht der Mai" schickt Bibliotheksleiterin Gabriele Hohmann ihren Neuen ab Donnerstag auf Tour. An Bord sind dann 3500 Medien. 4500 waren es im alten Bus, der vier Meter länger war als sein Nachfolger. Zur Ausleihe stehen neben Büchern auch Hörbücher, E-Books und Spiele. "Leser können Wunschtitel vorbestellen", so Hohmann. "Der Bestand von 150.000 Medien der Kreisergänzungsbibliothek wird jedes Jahr zu fünf Prozent erneuert und ersetzt." Zudem gibt es an Bord einen Beamer und eine Leinwand. Damit ist der Bus auch für kleine Veranstaltungen geeignet. Fortgesetzt wird die "Lesebienchen-Tour", bei der speziell Kindergärten angesteuert werden.

Ziele sind künftig 46 Haltepunkte in 27 Städten und Gemeinden. Neu dabei ist Erdmannsdorf. "Dort haben wir die stationäre Bibliothek aufgeben müssen, um Platz für eine Landarztpraxis zu schaffen", erklärte der Augustusburger Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD), für den das Angebot des Bücherbusses genau richtig kam. Nicht mehr im Tourenplan sind die Frankenberger Ortsteile. Die Stadt will künftig mit einem eigenen Fahrzeug Leser zu ihrer Bibliothek ins Zentrum bringen. Die Gemeinde Kriebstein hat für den Bücherbus hingegen gleich sechs Standorte gebucht. "Für uns immer noch günstiger als eine eigene Bibliothek", erläuterte Bürgermeisterin Maria Euchler (Freie Wähler). Laut Hohmann kommen pro Haltepunkt und Jahr Kosten von durchschnittlich 1200 Euro auf die Kommune zu. In den vergangenen Monaten mussten sich die Orte entscheiden, ob sie den für sie höheren Anteil der Kosten tragen wollen. So zahlt Kriebstein nun 6900 Euro, 2018 betrugen diese Kosten noch 3300 Euro.

Der Landrat bezeichnete den Bücherbus am Montag als große Bereicherung des kulturellen Angebots in Mittelsachsen, auch für die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen. "Der Bus ist etwas für kurze und auch für müde Beine", meinte Kathrin Hillig.


Bücherbus fährt 46 Stationen an

Die Kreisergänzungsbibliothek der Mittelsächsischen Kultur Gesellschaft fährt im Vier-Wochen-Rhythmus 46 Haltepunkte im ländlichen Raum an, vorwiegend in den Regionen Mittweida und Hainichen. Zum Team gehören fünf Mitarbeiter, zwei Personen sind pro Tour mit unterwegs. Ein Stopp dauert in der Regel etwa eine Stunde.

Stationen sind: Claußnitz, Auerswalde, Erlau, Milkau, Crossen, Göritzhain, Stein, Markersdorf, Mühlau, Chursdorf, Erdmannsdorf, Weinsdorf, Moosheim, Rossau, Ottendorf, Krumbach, Etzdorf, Marbach, Höckendorf, Ehrenberg, Kriebethal, Schönborn-Dreiwerden, Seifersbach, Gersdorf, Beerwalde, Höfchen, Schweikershain, Cunnersdorf, Eulendorf, Riechberg, Böhrigen, Naundorf, Reichenbach, Berbersdorf, Schmalbach, Grünlichtenberg Greifendorf, Schlegel, Tanneberg, Topfseifersdorf, Diethensdorf, Mobendorf, Kaltofen. In einigen Orten gibt es mehrere Haltepunkte.

In Sachsen gibt es nach Angaben des Landesverbandes im Deutschen Bibliotheksverband acht Fahrbibliotheken. Neben Mittelsachsen betreiben die Kreise Bautzen (mit Sitz in Kamenz), Leipzig (Borna), Görlitz (Zittau), der Vogtlandkreis (Rodewisch) sowie die Städte Dresden, Chemnitz und Leipzig solche Einrichtungen. (fa/jl)

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