Stopp für Veranstaltungen ab 200 Personen

Bis Freitagmittag war das Coronavirus bei drei jungen Frauen in Mittelsachsen nachgewiesen. Behörden, Pflege- und Kultureinrichtungen reagieren mit zahlreichen Vorkehrungen auf die Ansteckungsgefahr.

Mittweida.

Alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen sind ab Mitternacht des 14. März in Mittelsachsen bis auf weiteres generell verboten, Veranstaltungen mit 200 bis 999 Personen müssen beim Landratsamt angezeigt werden. Das hat der Landkreis mit einer Allgemeinverfügung am Freitag festgelegt. "Wir setzen damit den Erlass des Freistaates um, und gleichzeitig ergänzen wir ihn", so Landrat Matthias Damm. Zuvor war am frühen Nachmittag ein dritter bestätigter Corona-Fall bekannt geworden: Bis 12.30 Uhr war die Krankheit bei drei Frauen aus dem Raum Freiberg (Jahrgang 1983, 1984 und 1991) nachgewiesen worden. Alle drei sind Reiserückkehrerinnen. Sie sowie alle Kontaktpersonen wurden in häuslicher Quarantäne isoliert. Die drei Erkrankten waren unabhängig voneinander unterwegs.

Amtsärztin Dr. Annelie Jordan rief am Freitag mögliche Kontaktpersonen auf, sich ab Montag mit Angaben zu Datum, Zeit und Intensität des Kontaktes sowie Namen der Erkrankten per E-Mail an das Gesundheitsamt zu wenden (gesundheitsamt@landkreis-mittelsachsen.de). "Abstriche von Kontaktpersonen werden nur genommen, wenn sie Symptome haben, wie Husten, Fieber und Schnupfen", erklärte Jordan. Abstriche ohne Symptome hätten keinen Sinn, denn man würde nichts finden. Sollten Personen aus einem Risikogebiet zurückkehren, dann müssten sie sich in eine freiwillige häusliche Isolation von zwei Wochen begeben, unterstrich sie. Risikogebiete sind beispielsweise Italien, der Iran und die Region Grand Est in Frankreich.

"Bei einer angeordneten Quarantäne gibt es eine Entschädigung, bei freiwilliger häuslicher Isolation ist dies nicht geklärt", erläuterte der zweite Beigeordnete Jörg Höllmüller. Es gäbe Fälle der freiwilligen häuslichen Isolation, dabei bestünden zwischen den Betroffenen und ihrem Arbeitgeber individuelle Lösungen wie die Heimarbeit. Höllmüller betonte, dass die Betroffenen von Freunden und Familienmitgliedern mit Lebensmitteln versorgt werden können. Sollte ein positiver und nachgewiesener Fall in einer Schule oder Kita auftreten, wird sie für 14 Tage geschlossen. "Bei Pflegeheimen werden die örtlichen Gegebenheiten und Fallkonstellationen angesehen und dann die Maßnahmen festgelegt", ergänzte Jordan.

Im Gesundheitsamt fand am Freitag eine Beratung mit den mittelsächsischen Krankenhäusern und Kliniken statt. Schwerpunkte waren laut Jordan Abläufe sowie die Einrichtung einer Probenannahmestelle, wenn dies notwendig werden sollte. Eine Entscheidung dazu sei aber noch nicht getroffen. Das Gesundheitsamt hat den Kliniken empfohlen, den Besucherverkehr im eigenen Ermessen einzuschränken. Das Freiberger Krankenhaus bat am Freitag, auch in eigenem Interesse aktuell von Besuchen abzusehen. Sprecherin Dr. Ulrike Träger bezeichnete als aktuelle Maßnahmen des Kreiskrankenhauses die Anschaffung von Verbrauchsmaterialien, sofern möglich, da es bei vielen Produkten Lieferengpässe gebe. Die Apotheke des Kreiskrankenhauses stelle selbst Desinfektionsmittel her. Aktuell gebe es im Freiberger Haus keine Corona-Verdachtsfälle.

Das Klinikum in Mittweida habe noch keine konkrete Anweisung zum Verschieben geplanter Operationen und Eingriffe erhalten, teilte Ines Schreiber, Sprecherin der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH (LMK) am frühen Freitagnachmittag mit. Das Krankenhaus wolle sich nach der Entscheidung der Regierung richten. "Wir haben eine entsprechende Information noch nicht bekommen. Sie kann aber natürlich im Laufe des Tages noch kommen", so die LMK-Sprecherin. Bis dahin werde das Krankenhaus noch keine OPs oder Eingriffe absagen. "Wir warten die weitere Entwicklung ab", erklärte Schreiber.

Mehrere hundert Anrufe gehen laut Jordan täglich unter der Nummer 03731 799-6249 beim Gesundheitsamt ein. Die Medizinerin bat um Verständnis, wenn die Leitungen belegt sind. "Am Montag wird die Hotline des Gesundheitsamtes verstärkt und steht wieder für Fragen zur Verfügung", kündigte sie an.

Das Landratsamt appellierte am Freitag, grundlegende hygienische Maßnahmen zu befolgen. "Das Wichtigste ist, sich regelmäßig und sehr gründlich die Hände zu waschen", so die Amtsärztin. "Es reicht Seife. Enge Räume mit vielen Menschen sollten gemieden werden. Husten oder Niesen nur in die Armbeuge oder in ein Taschentuch." Hände schütteln ist tabu, ergänzte die Medizinerin. "Ebenso, sich ins Gesicht zu fassen." Die Viren seien auf leblosen Gegenständen bis zu einer Stunde überlebensfähig.

Landrat Matthias Damm rief die Mittelsachsen am Freitag zu Besonnenheit und umsichtigem Verhalten auf. Es sei ein schmaler Grat zwischen Infektionsschutz und das öffentliche Leben nicht völlig lahm zu legen, erklärte er zum Veranstaltungserlass. "Veranstaltungen werden mit viel Arbeit, Engagement und zum Teil im Ehrenamt vorbereitet. Eine solche Maßnahme ist für diese Beteiligten sehr schmerzlich", so Damm - unabhängig davon, was dies auch für die heimische Wirtschaft bedeute. Damms Appell: "Jeder muss für sich entscheiden, ob eine Veranstaltung besucht wird. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen und Personen, die zur Risikogruppe gehören, also chronisch Kranke und ältere Menschen, sollten sie meiden."

Mit der Schließung aller Kitas und Schulen ab Montag bis Ende der Osterferien am 19. April hat die Stadt Freiberg als erste in Mittelsachsen auf den Erlass des Kultusministeriums regiert.


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