Theaterbetriebsrat pocht auf Investitionen in Seebühne

Ensemblemitglieder kritisieren die "Campingatmosphäre" in Kriebstein. Doch ein Happy End scheint nicht in Sicht.

Freiberg/Kriebstein.

Garderoben, Maske und sanitäre Anlagen in Containern: Der Betriebsrat des Mittelsächsischen Theaters bemängelt die spartanischen Bedingungen an der Seebühne Kriebstein. "Da herrscht Campingatmosphäre", sagt Betriebsratschefin Christine Zülch. Die Theaterleitung sieht das ähnlich - und ist dazu mit dem Talsperren-Zweckverband im Gespräch.

Laut Theater-Geschäftsführer Hans Peter Ickrath besuchten genau 10.978 Zuschauer 2016 die Vorstellungen in Kriebstein, knapp 500 Zuschauer weniger als im Jahr zuvor. Dennoch sei dies ein Erfolg, denn die Besucheranzahl sei mit nur einem Stück ("Hello, Dolly!") in lediglich 17 Vorstellungen erreicht worden - bei permanent schlechtem Sommerwetter. Ziel sei es, Besucherzahlen und Einnahmen schrittweise zu steigern. In diesem Sommer soll durchgespielt werden. 22 Vorstellungen ("Hello, Dolly!", "Der kleine August", "Der Vogelhändler") seien bereits geplant, weitere sollen folgen.

Ickrath zufolge besitzt die Seebühne ein hohes Potenzial. Jedoch sei die Anlage zu klein, Sanierungs- und Modernisierungsaufwand enorm. Dieses "große Handicap" stehe dem weiteren Erfolg im Wege. Im Vergleich zu anderen großen Sommerbühnen sei Kriebstein "längst nicht mehr zeitgemäß, was etwa Restaurant, Eingangsbereich oder Unterbringung der technischen Abteilungen anbelangt". Schöne Natur, aufwendige Kulissen und opulente Kostüme könnten das nicht immer verdecken.

Laut Ickrath versuchen der Talsperren-Zweckverband als Betreiber, Landkreis, Stadt Mittweida und Theater, mit Zuschüssen Fortschritte zu erreichen. Allerdings sei der Investitionsbedarf hoch. Die Sanierung der Bühne koste etwa 30.000 Euro, ein Sonnen- und Regensegel rund 600.000 Euro. Beim Foyerbereich und der Unterbringung der technischen Abteilungen gehe es um eine siebenstellige Summe. "Spätestens bis zum Sommer 2018 soll die Bühne gebaut werden", sagt Ickrath.

Auch Ralf Schreiber (CDU), Mittweidas OB und Zweckverbandsvorsitzender, betont: "Wichtig ist, dass die Attraktivität weiter erhöht wird." Talsperren-Zweckverbandschef Thomas Caro veranschlagt die nötigen Investitionen mit 1,5 Millionen Euro. "Als Zweckverband sind wir nicht in der Lage, diese aufzubringen", sagt er. Seiner Meinung nach herrscht keine "Campingatmosphäre". Caro: "Es gibt einen Backstage-Container mit sanitären Anlagen auf modernstem Niveau." Im nächsten Jahr sei ein bis zu 700.000 Euro teures Sonnensegel geplant. "Das können wir uns nur leisten, wenn wir die beantragten Fördermittel bekommen", betont Caro.

In diesem Jahr soll der Orchestergraben verbessert werden und ein Beleuchtungsturm entstehen. "Das erleichtert die Arbeit der Techniker", so Caro. 2016 wurden beispielsweise neue Versetz-Stromkästen installiert. Zu berücksichtigen sei auch, dass das Seebühnen-Areal sehr knapp bemessen ist. Beim Bau eines Sanitär- und Umkleidegebäudes für die Theaterleute müsste deshalb laut Caro aus Platzgründen die Gaststätte in der Seebühne wegfallen - doch gerade die dortigen Plätze sind bei den Zuschauern sehr beliebt. "Wir suchen nach einer Lösung", so Caro. Er begrüße die Entscheidung des Theaters, die Seebühne im Sommer ohne Pause zu bespielen. "Das ist der einzig richtige Schritt. Wenn die Einnahmen steigen, sind auch mehr Investitionen möglich."

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