Trotz Corona kein Stopp am Bau

Autohersteller haben ihre Bänder wieder angeworfen. Kleine Geschäfte öffnen. Auf Sachsens Baustellen geht es nahtlos weiter. Trucker wie Peter Stirnnagel sorgen dafür.

Hoyersdorf.

"Der 'systemrelevante' Beruf ist für mich der des Lkw-Fahrers, der täglich für wenig Geld Waren von A nach B transportiert." Das schreibt ein "Freie Presse"-Leser aus Halsbrücke. "Ohne diese Männer und Frauen könnte kein Arzt, kein Krankenhaus, kein Supermarkt mit dringend benötigten Waren beliefert werden", meint der Mann, für den Trucker die wahren Helden dieser pandemiebehafteten Zeit sind. "Ohne sie", verdeutlicht er in einem Leserbrief, "würde ich an meiner CNC-Drehmaschine keinen Rohstahl erhalten, ohne sie könnte mein gefertigtes Teil nicht zum Kunden gelangen."

Einer dieser Männer ist Peter Stirnnagel. Der passionierte Berufskraftfahrer sorgt dafür, dass sich auf den Baustellen was dreht. So nimmt der Hoyersdorfer mit seinem 40-Tonner-Sattelzug jeden Werktag bei einem Baustoffproduzenten in Schönbach bei Colditz palettenweise Betonmischungen und Putze bis unter die Plane auf und beliefert Kunden in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und mitunter bis hinüber ins Wolfsburger Land. Jeweils spätnachmittags erfährt er, wo es für ihn am nächsten Tag hingeht. Corona tangiere ihn wenig. Desinfektionsmittel sei an Bord. "Außerdem bin ich ohne Beifahrer unterwegs, und bei den Händlern steht inzwischen ein zusätzlicher Tisch vorm Tresen, um Abstand zu halten." Die Gefahr, sich zu infizieren, sei sehr übersichtlich. Zudem hätten die Ausgangsbeschränkungen der zurückliegenden Wochen für freie Fernstraßen und Autobahnen gesorgt. "Wir Trucker waren weitestgehend unter uns. Ein seltsames Gefühl." Raststätten und deren früher übliche Trubel sind für Peter Stirnnagel kaum Anlaufpunkte. "Ich habe meine Bemmen mit", erklärt er und lacht. Außerdem seien Kaffeemaschine und Kühlschrank fest in seinem DAF installiert. "Sollte es einmal später werden, mache ich es mir eine Nacht in meiner Koje gemütlich, das ist alles sehr entspannt." Der generelle Mangel an Parkplätzen für Trucker weniger. Doch der 62-Jährige kennt seine Strecken und weiß, was die für eine Rast hergeben. "Ich finde immer ein Fleckchen, auf das ich mich zurückziehen kann."

Peter Stirnnagel, der für eine Spedition aus Reinsdorf bei Zwickau unterwegs ist, stieg im vergangenen Jahr aus dem Fernverkehr aus. "Meine Familie braucht mich hier. Die ganze Woche unterwegs zu sein, ging nicht mehr." Freilich sei das erst mal eine Umstellung gewesen, bekennt der Vater zweier erwachsener Kinder und zweifache Großvater. Mit dem Job im Baustofftransport habe er sich längst arrangiert. Ohnehin sei er nicht der aufbrausende Typ. "Man darf sich nicht über Alles und Jeden aufregen", sagt er.

Was er für sich ausschließt, sind Tätigkeiten etwa in der Disposition. "Ins Büro würde ich mich nicht setzen, da würde ich eingehen." Rund 800 Tonnen täglich auf Laster verteilen und sinnvolle Touren auszuklügeln sei nicht sein Ding. "Ich muss auf den Bock und raus. Dort bin ich noch einigermaßen mein eigener Herr." Stirnnagel, der sich ab 1976 beim damaligen Kraftverkehr Rochlitz zum Berufskraftfahrer hatte ausbilden lassen, sah zu DDR-Zeiten und unter der Flagge der staatlichen Spedition "Deutrans" die halbe Welt: von Mittel- bis Südeuropa und bis hinunter nach Griechenland. Nicht selten sei er zwei Wochen am Stück unterwegs gewesen. "Eine meiner besten Zeiten", bemerkt der Trucker. Doch jede Phase habe ihren eigenen Reiz, auch die jetzige. "Man muss nur mögen, was man tut."

Coronavirus: Unser Angebot zur Lage in Sachsen, Deutschland und der Welt

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.