Vermessung aus der Luft für künftige Regenwasser-Gebühr

Im Auftrag des Wasserzweckverbandes ZWA werden die Grundstücke in der Region überflogen, um die Abgabe zu berechnen. Eigentümer mit großen versiegelten Flächen müssen dafür ab 2019 voraussichtlich tiefer in die Tasche greifen.

Hainichen.

Unterschiedliche Dacharten, Voll- oder Teilversiegelung, individuelle Geländegegebenheiten - schon jetzt zeichnet sich ab, dass eine gerechte Berechnung der Regenwasser-Gebühr schwierig wird. "Doch wir müssen jetzt handeln", hatte ZWA-Verbandsvorsitzender Thomas Eulenberger zur jüngsten Verbandsversammlung gefordert.

Denn der Hainichener Wasserzweckverband sei gerade dabei, die juristisch festgelegte, sogenannte 12-Prozent-Marke zu überschreiten. Bedeutet: Da immer mehr Flächen versiegelt werden, macht der Aufwand für die Entsorgung von Niederschlagswasser inzwischen mehr als 12 Prozent von der Gesamtmenge des Schmutzwassers aus, das der Zweckverband entsorgt.


Aus diesem Grund hat die Mehrzahl der Bürgermeister des ZWA-Verbandsgebietes zugestimmt, dass der Verband nun weitere Schritte einleiten kann. Geplant sind Grundstücksvermessungen aus der Luft, um die versiegelten Flächen zu ermitteln. Laut Thomas Eulenberger soll Ende 2018 die Erhebung der Niederschlagswassergebühr beschlossen und die dann 2019 eingeführt werden.

Dass die Berechnung schwierig wird, liegt auf der Hand. Denn laut ZWA-Technikchef Ulrich Pötzsch müsse in jedem Einzelfall Größe und Beschaffenheit der Dächer beachtet werden. Auch spiele eine Rolle, ob es sich bei den versiegelten Flächen um Schotter, Pflaster oder Rasengitter handelt. Zudem soll bei der Gebührenberechnung eine Rolle spielen, ob das Wasser in Teilortskanäle ohne Nachbehandlung oder in einen voll ausgebauten Kanal mit Nachbehandlung eingeleitet wird. Der ZWA geht davon aus, dass beispielsweise auf die Besitzer von Einfamilienhäusern eine Steigerung bei den Abwasserkosten zwischen 8 und 12 Prozent zukommen könnte. Bei Mehrfamilienhäusern im ländlichen Raum könnten die Mehrkosten mit 14 bis 17 Prozent zu Buche schlagen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass es zum Beispiel Vierseithöfe, Speditionsbetriebe oder Landwirtschaftsbetriebe - also Bereiche, die über große Dachflächen und viele versiegelte Flächen verfügen - finanziell härter treffen werde. Insgesamt geht Eulenberger aber davon aus: "Die große Masse wird es nicht sonderlich im Geldbeutel merken."

Bevor die Gebühr erhoben werden kann, sei es aber noch ein weiter Weg. Eulenberger warnte davor, das Berechnungsprozedere zu verkomplizieren. Auf jeden Fall sei geplant, die Grundstücksbesitzer in das Verfahren einzubeziehen, sie zu Größe und Art der befestigten Flächen anzuhören und über die weiteren Schritte umfassend zu informieren. Klar sei, dass der ZWA um eine Kostensplittung in Schmutz- und Niederschlagswasser nicht mehr herumkomme. Zudem sei der ZWA neben den Wasserverbänden Döbeln-Jahnatal und der Stadt Nossen innerhalb der benachbarten Verbände der einzige, der diese Niederschlagsgebühr noch nicht eingeführt habe.

Das Überfliegen der Grundstücke, das schon einmal vor fünf Jahren stattgefunden habe, sei einer der nächsten Schritte.


Warum die Niederschlagsgebühr eingeführt werden soll

Vergleich: Fast alle umliegenden Verbände erheben diese Gebühr seit Jahren. Der ZWA will die Herangehensweisen nun miteinander vergleichen.

Gerechtigkeit: Laut ZWA wird es mehr Gerechtigkeit bei den Entgelten geben. Es sei zu erwarten, dass durch die unterschiedlichen Formen der Entwässerung manche Grundstückseigentümer teilweise entlastet, andere aber höher belastet werden.

Anforderungen: Eigene private Regenrückhaltesysteme müssen bestimmte Anforderungen an Speicherung und Versickerung erfüllen, wenn sie die Grundstückseigentümer entlasten sollen.

Investitionen: Auch der ZWA muss in den kommenden Jahren verstärkt in die Niederschlagswasserbehandlung investieren. Das ist Vorschrift. Die größten Maßnahmen sind am Oederaner Goetheweg, am Hainichener Markt und in Drebach geplant. Ausgangspunkt dieser Investitionen sind die Mischwasserkonzepte, die maßgeblich als Nachweise einer ordnungsgemäßen Niederschlagswasserbehandlung dienen.

Unabhängig: Das Niederschlagswasserentgelt ist unabhängig von den Schmutzwassermengen, denn diese richten sich nach dem Wasserverbrauch und sind somit Mengenschwankungen unterworfen. (ule)

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