Vier Jahrzehnte im Dienst für Rossau

Im Jahr 1982 wurde Rudolf Braune erstmals in den Gemeinderat gewählt - schon damals für die CDU. Nun schaut er als Rentner auf das Dorf, in dem viel mit seiner Mitwirkung gebaut werden konnte.

Rossau.

Einer der dienstältesten Gemeinderäte in ganz Mittelsachsen gehört nicht mehr dem Gemeinderat in Rossau an. Rudolf Braune hat nach 37 Jahren nicht mehr kandidiert. Zur jüngsten Sitzung ist er mit dem Eintrag in das Ehrenbuch und einer Urkunde feierlich verabschiedet worden. Bürgermeister Dietmar Gottwald (parteilos) lobte das Engagement des gebürtigen Rossauers, der schon seit 1982 für die CDU ununterbrochen Mitglied im Gemeinderat war.

In dieser langen Zeit hat der heute 73-jährige Braune nur zwei Bürgermeister erlebt, denn Gottwalds Amtsvorgänger Horst Glöß war auch 1982 schon im Amt. Er galt bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2009 sogar als Sachsens dienstältester Bürgermeister. Die Wahl von Dietmar Gottwald zum Bürgermeister sei rückblickend "ein guter Griff gewesen", so Braune. Er betont, mit beiden Gemeindeoberhäuptern stets gut zusammengearbeitet zu haben. "Da ist nie ein böses Wort gefallen." Dies sei auch in seinen vielen Jahren als Stellvertreter des Bürgermeisters so gewesen.


"Rudolf Braune hat in unzähligen Stunden, Sitzungen und Besprechungen verantwortungsbewusst die Geschicke der Gemeinde miterlebt, mitgestaltet und mitgelenkt," erklärte Gottwald. "Er hat sich mit viel Sachverstand bei der Arbeit zum Wohle der Gemeinde und der Bürger eingesetzt. Dies verdient Respekt und Anerkennung."

Rudolf Braune wurde 1946 in Rossau geboren. "Noch zuhause, das war damals halt so", erzählt er. Er ging in die Landwirtschaft, arbeitete für die LPG, schon damals im Bereich Bauwirtschaft. Die CDU sei irgendwann einmal mit der Frage an ihn herangetreten, ob er nicht in den Gemeinderat wolle. "Das war eine Blockpartei, der zwei Sitze im Rat zugedacht waren," blickt er zurück. "Und so kam ich in den Gemeinderat." In den wurde er mit CDU-Mandat und dem stets zweit- oder drittbesten Ergebnis immer wieder gewählt. "Die Partei hat dabei aber nie eine Rolle gespielt, auf dem Dorf schon gar nicht", meint er. "Da zählt der Mensch, nicht die Parteizugehörigkeit. Volksnähe heißt doch nicht, sich einen Monat vor der Wahl zu präsentieren, sondern immer für sein Dorf da zu sein. In kleinen Orten steht man da ohnehin immer unter Beobachtung."

Als Bau-Experte war Rudolf Braune schon zu DDR-Zeiten im Dienst der Gemeinde aktiv. "Auf der sogenannte Mach-mit-Basis ist unter Bürgermeister Glöß schon viel entstanden", erinnert er sich. "Mal war es eine Brücke, dann der Rohbau für den Gasthof. Auch am Gemeindeamt habe ich schon mitgebaut."

Die Zeichen der Wendezeit hat er früh erkannt. Am 1. August 1990 gründete Rudolf Braune seinen Baubetrieb, der inzwischen mit sieben Mitarbeitern von seinem Sohn geführt wird. Mit der Firma hat der Gründer auch viel erlebt, was heute nicht mehr machbar wäre: "Den Kindergarten in Seifersbach haben wir über eine Initiative des Arbeitsamtes mit 21 ABM-Kräften gebaut. Das war vor knapp 20 Jahren sicher die größte Herausforderung. Aber das haben wir geschafft, waren sogar gut einen Monat früher als geplant fertig und sind dabei auch im Kostenrahmen geblieben."

Als Firmeninhaber zeigt sich Braune oft spendabel. Er ist Pokalstifter für ganz besondere Wettbewerbe, die es in Hermsdorf und Kockisch gibt. Dort wird um den Rudolf-Braune-Pokal um die Wette genagelt. Das Prinzip ist einfach: Wer in einer Gruppe den Nagel als erster bündig in den Hackstock schlägt, der gewinnt. Als sein Lebenswerk bezeichnet Braune zudem die von ihm gestifteten Fahnen für den Heimatverein Weinsdorf und für die Feuerwehr in Kockisch.

Irgendwann wird das sicher auch in der Familienchronik stehen, an der Rudolf Braune derzeit schreibt. Fünf Kinder und sieben Enkel hat er. Seine Kinder hat er alle wortwörtlich mit ins Boot geholt - gemeint ist damit der SKSV Mittweida mit dem Kanurennsport, der den jungen Rudolf auch für zwei Jahre zur Kaderschmiede Dynamo Berlin führte. Sein Bruder Erwin leitete lange Jahre den Rossauer Karnevalsclub und war ebenfalls im Gemeinderat.

Bei so vielen Braunes, die heute auch im Gemeinderat Kriebstein vertreten sind, hat sich ein Braune-Treffen schon vor vielen Jahren angeboten. Am 6. September kommt die große Familie erneut zusammen, dieses Mal mit etwa 40 Leuten in Schönerstadt. Einen Großcousin hat Rudolf Braune mit seiner Frau sogar schon in den USA besucht. Was er heute vermisst, sei mehr produzierendes Gewerbe in Rossau. Da gebe es leider eine Stagnation in der wirtschaftlichen Entwicklung.

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