Vom Himmel hoch, da kommen sie her

Alle Jahre wieder erklingen zur Weihnachtszeit in Frankenberg Lieder aus schier himmlischer Höhe. Der Kirchturm ist dann das Konzertpodium der Musikanten.

Frankenberg.

In 33 Metern luftiger Höhe gestalten die Turmbläser auch diesmal ihre neuerliche Musiksaison. "Jeweils von Montag bis Sonnabend, nach dem obligatorischen 18-Uhr-Abendläuten und sonntags erklingen bekannte Advents- und Weihnachtslieder", erklärt Sylvia Werner, die Leiterin des Posaunenchores der Frankenberger Kirche, der dieses Programmangebot bestreitet.

Immerhin seit fast 100 Jahren wird in Frankenberg diese beliebte Tradition des Turmblasens gepflegt. "Es ist nicht termingenau überliefert, seit welchem Tag diese Zeremonie vollzogen wird. Aber sie dürfte damit zusammenhängen, dass 1923 die Stelle des Türmers eingestellt wurde, zu dessen Obliegenheiten ja die Signalgebung gehörte", kennt auch Thomas Kattermann die Stadtchronik. "Und so übernahmen die ehrenamtlichen Musiker in ihrem Hobby diese Aufgabe, in der Vorweihnachtszeit bekannte, und manchmal auch weniger bekannte Lieder vom Rundgang unseres Kirchturmes vorzutragen." Der Musiker verweist mit Stolz darauf, dass bis auf wenige Unterbrechungen nach dem 2. Weltkrieg in allen Jahrzehnten die jeweiligen Posaunenchöre diese Tradition pflegen.

"Der Job ist eine schweißtreibende, allemal wetterlaunige Sache", stellt Sylvia Werner fest. "Immerhin sind 156 Stufen zu erklimmen, dazu fünf weitere vor dem Turmeingangsbereich." Es bedürfe Erfahrung und Stehvermögen, bei nicht einfachen Rahmenbedingungen für den sauberen Ton zu sorgen. "Nicht jeder Musikant ist höhentauglich." Rund 20 Minuten würde die Vorbereitung mit Erklimmen der Spielstätte hoch oben und einem kurzen Warmspielen samt Eintrag in das Turmbuch in Anspruch nehmen. "Der Brauch ist es, den abendlichen Soundgruß in alle vier Himmelsrichtungen zu gestalten. Aus dem Turmaufgang kommend, beginnt das Musizieren zur Ostseite hin. Hier liegt einem die Stadt quasi zu Füßen. Wir pflegen den Brauch, jeweils wenigstens zwei Stücke an jeder Position zu intonieren", so die Chorleiterin. Dabei entscheide jeder Musikant selbst, welches Lied er aus dem Repertoire zu Gehör bringt. "Wir streben an, dass wenigstens ein Bläser immer in Aktion ist, an Wochenende sind auch mehr Stimmen zu vernehmen." Dass dies bei einer Ensemblestärke von 15 Mitstreitern immer gut gelungen ist, sei auch der Mitarbeit befreundeter benachbarter Posaunenchöre zu verdanken. So erklimmen ebenso Sachsenburger und Frankensteiner Trompeter, Hornisten und Posaunisten bei Bedarf das Bauwerk. Neuzugänge sind erwünscht.

"Nicht nur durch berufliche oder familiäre Gegebenheiten kann es schon einmal vorkommen, dass das Turmblasen ausfallen muss. Das kann auch bei schlechtem Wetter insbesondere bei Sturm und Regen oder starkem Frost passieren", kennt Thomas Kattermann diese Szenerie. "Temperaturen von Minus 10 Grad gehören dazu, wie Plusgrade. Wobei Frost die Instrumente durch einfrierende Ventile verstummen lässt."

Schmunzelnd weiß Sylvia Werner von einem Ereignis zu berichten, als eine Windböe einst das Notenbüchlein vom Turm wehte. "Alles Absuchen um den Turm brachte nichts. Umso erstaunter war ich, als das Liederheft eines Tages in meinem Briefkasten steckte. Der Finder wusste damit etwas anzufangen, da darauf Posaunenchor stand." Auch in der Höhe sei der Beifall des Publikums zu vernehmen. "Wir testen dabei unsere Zuhörer auch ein bisschen: Geht der Musikant zum nächsten Turmstandpunkt, folgt ihm die Gästeschar, die sich im Verlaufe des abendlichen Ständchens immer wieder vergrößert." Freude bei den Posaunenchormitgliedern, dass einige Einheimische das Ehrenamt zu würdigen verstehen. "So schenkte uns ein benachbarter Geschäftsinhaber dafür schon mal eine kleine Aufmerksamkeit als Dankeschön", so Sylvia Werner.

Am 4. Advent wird zur 56. Auflage des Weihnachtsliederblasens eingeladen. Ab 14.30 Uhr erklingen auf dem Kirchplatz Melodien von Bläserensembles der Region.

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