Wachwechsel in der Wettiner-Kaserne

Nach acht Jahren in Sachsen übergibt Hauptmann Sebastian Grünberg heute seine Amtsgeschäfte in Frankenberg an seinen Nachfolger Renzo Di Leo. Eine Geheimwaffe spielt eine besondere Rolle bei den Presseoffizieren.

Frankenberg.

Der heutige Donnerstag ist kein Tag wie jeder andere für Sebastian Grünberg. Der langjährige Presseoffizier bei der Bundeswehr in Marienberg und zuletzt der in Frankenberg stationierten Panzergrenadierbrigade 37 verlässt die Stadt und zieht nach Berlin. "Nach 13 Jahren geht es wieder in die Heimat", freut sich der 32-Jährige mit neuem Wohnsitz in Eberswalde. "Es ist sehr schön, dass ich so die Chance bekomme, mich wieder in mein angestammtes Umfeld einzubinden."

Auch in der Bundeshauptstadt wird Grünberg als Pressesprecher tätig sein. Das Kommando Territoriale Aufgaben, für das er künftig die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, koordiniert bei Notlagen wie etwa Hochwasser die Zusammenarbeit aller Rettungskräfte. Zudem gestaltet sein Team die zentralen Veranstaltungen der Bundeswehr, darunter auch die Empfänge des Bundeskanzleramtes mit Beteiligung der Truppe. Könnte sein, dass Berlin Grünbergs letzte Station seiner militärischen Laufbahn sein wird: "Es ist geplant, dass meine Dienstzeit 2021 endet. Aber die Arbeit macht Spaß. Vielleicht lege ich noch mal nach", sagt der Hauptmann.

Seinen Platz in der Wettiner-Kaserne nimmt ab heute Oberleutnant Renzo Di Leo ein. Das Chemnitzer Stadtratsmitglied ist schon seit September in Frankenberg, blieb aber nicht während der ganzen Einarbeitungszeit getarnt. Als sein Vorgänger als Presseoffizier im afrikanischen Mali im Einsatz war, vertrat ihn Di Leo bereits. "Ich habe an der Bundeswehruniversität in München Staatswissenschaften mit Schwerpunkt auf internationales Recht und Politik studiert", erzählt der 27-Jährige. Schon immer habe er eine Affinität zu politischer Information und Öffentlichkeitsarbeit verspürt. Zunächst war Di Leo in der operativen Kommunikation der Bundeswehr im Einsatz. In Krisengebieten wie zum Beispiel in Afghanistan versucht diese Einheit, die Zivilbevölkerung oder auch Aufständische mit Mitteln der Informationsarbeit aufzuklären. "Wir geben Einheimischen im Einsatzgebiet zuverlässige Informationen über unseren Einsatz", schildert der Oberleutnant. Das reiche bis hin zum Abwurf von Flugblättern aus Ballons.

Als Glücksumstand bezeichnet Grünberg, Di Leo zufällig bei einer Mitfahrgelegenheit kennengelernt und anschließend für gut geeignet befunden zu haben. "Ich suchte einen Nachfolger", sagt der Hauptmann. "Schön, wenn jemand Interesse an dieser Arbeit hat." Im Grunde arbeite die operative Kommunikation mit denselben Mitteln wie ein Pressesprecher. "Das ist ein und dasselbe Handwerk", meint Di Leo. "Er wird da rein- und mit seinen Aufgaben wachsen", ist Grünberg sicher.

Muss er auch, denn 2020 stehen wichtige Termine im Kalender der Panzergrenadierbrigade. Die wollen so medial begleitet werden, dass Journalisten die für ihre Arbeit nötigen Einblicke und Zitate erhalten. Das betrifft in diesem Jahr zum Beispiel den deutschlandweiten Tag der Bundeswehr. In Frankenberg findet dieser mit dem 13. und dem 14. Juni sogar an zwei Tagen statt. "2016 konnten wir aus diesem Anlass 15.000 Besucher begrüßen", erinnert sich Grünberg. Die Bevölkerung kann dann die ganze Brigade kennenlernen, sieht Panzer, kann aber auch mit Offizieren von Marine und Luftwaffe auf Tuchfühlung gehen. Ebenfalls ein Medien-Schwerpunkt: Die Neuaufstellung einer Panzereinheit in Hardheim bei Würzburg. Auch diese gehört zur Brigade 37.

Was Grünberg Di Leo mitgibt, außer seinem gepflegten Presseverteiler, Kamerasätzen und Projektmappen für alle Fälle? "Aufgaben immer sofort und strukturiert angehen", so sein Rat. "Immer vor der Welle bleiben. Nur dann behält man das Ruder in der Hand." Und stets auf die Erfahrung der Geheimwaffe hören: Hauptfeldwebel Andre Klimke. Denn der gehörte und gehört auch weiterhin zur Presseabteilung.


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