Wanderrouten: Stadt will sich von einigen Wegen trennen

Die Wegewarte berichten von einer Vielzahl an Problemen auf den Routen rund um Mittweida. Um ihnen Herr zu werden, soll der Wanderwege-Bestand kleiner werden.

Mittweida.

Vandalismus, Naturgewalten, Verschleiß und Streitereien - die Wanderwege rund um Mittweida bereiten der Stadt diverse Probleme. Nun plant Oberbürgermeister Ralf Schreiber (CDU) eine Überarbeitung des Wegenetzes, wie er jüngst im Kultur-, Sport- und Sozialausschuss erklärte. Demnach solle in den kommenden Monaten entschieden werden, welche Wanderwege von der Stadt künftig nicht mehr als solche ausgewiesen, somit entwidmet werden.

Wichtig sei der Erhalt der Hauptwanderwege. "Aber alles andere müssen wir diskutieren - was wollen wir behalten, was nicht?", sagte Schreiber. Während auf einigen Strecken die Sicherheit nicht zu gewährleisten sei, seien anderswo die Kosten für den Erhalt zu hoch. Auch Streitereien mit Eigentümern, über deren Grundstücke Wege verlaufen, könnten ein Grund sein, diese zu entwidmen. "Sie werden von uns dann nicht mehr instand gesetzt", erläuterte der OB. Denn nur für gewidmete Wege übernehme die Stadt die Verantwortung und Haftung.

Zu der Ausschusssitzung erschienen die ehrenamtlichen Mittweidaer Wegewarte sowie der Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre, Thomas Caro. "Landschaftlich können wir uns ohne weiteres mit einigen Regionen der Sächsischen Schweiz messen", befand Caro. Doch es gebe auch Defizite, besonders was die Besucherinformation betrifft. "Von der Jugendherberge in Falkenhain kann man mit Rollator oder Kinderwagen bequem bis zum Pfaffenstein laufen", so der Talsperrenchef. "Aber dann steht man vor einer Steilwand, die so nicht mehr zu bewältigen ist." Über solche Hindernisse im Streckenverlauf müssten Besucher informiert werden, noch bevor sie loslaufen.

Den Wegewarten mache rund um die Talsperre vor allem Vandalismus zu schaffen: Schilder würden gestohlen, ab- und verkehrt herum wieder angeschraubt, Holzpfähle mutwillig zerstört. Auch habe ein Grundstücksbesitzer in Ehrenberg einen Wanderweg mit schweren Maschinen zerstört. Caro forderte daher, Eigentümer frühzeitig in die Planung des Wegenetzes einzubeziehen. Denn die Rechtslage sei eindeutig: Waldeigentümer hätten grundsätzlich nur das Betreten des Waldes zu akzeptieren, nicht etwa Wegebau oder Beschilderung. "Wenn ein Baum auf die Strecke fällt und der Eigentümer uns untersagt, ihn zu räumen, hat er das Recht auf seiner Seite", stellte Caro klar.

Über Vandalismus klagte auch der ehrenamtliche Wanderwegewart Manfred Dombrowe. Unbekannte hätten beispielsweise auf dem Naturlehrpfad im Schweizerwald "alles zur Sau gemacht". In der Nähe des Wasserkraftwerks gebe es ebenfalls Probleme mit einem Grundstücksbesitzer. Für Schäden in seinem Gebiet seien zudem oft Mountainbiker verantwortlich: "Die nutzen alles Mögliche zum Abstützen." Positiv ausgewirkt habe sich ein Edelstahlgeländer, das den Weg zum Raubschloss Ringethal säumt. "Daran haben sich die Vandalen die Zähne ausgebissen", so Dombrowe.

Uwe Fritzsching, ebenfalls ehrenamtlicher Wegewart, begrüßte die Pläne der Stadt, einige Nebenwege aufzugeben: "Unser Schwerpunkt sollten die Hauptwege sein." Sorgen bereiten ihm unter anderem die Geländer auf der Route zwischen dem Waldhaus Lauenhain und der Mittweidaer Aue. "Die sind so verfault, dass man sich nicht mehr daran festhalten kann." Ein noch größeres Problem sei der Wappenfelsen. Dort müssten alle Treppen in Ordnung gebracht werden. Dafür habe die Bundeswehr bereits ihre Unterstützung zugesagt, berichtete OB Ralf Schreiber.

Stadtrat Lothar Otto (CDU) monierte, die Stadt setze vieles nur provisorisch instand. Statt Flickschusterei zu betreiben, sollten eine klare Zielstellung formuliert und die Wege abschnittsweise auf Vordermann gebracht werden. "Wir müssen bereit sein, dafür auch Geld in die Hand zu nehmen." Schließlich seien die Wanderwege ein touristisches Highlight, das - auch mit Blick auf die Beteiligung an der Chemnitzer Kulturhauptstadt-Bewerbung - entsprechend gepflegt werden müsse.

Ihre Meinung ist gefragt: Welche Wege sollte die Stadt erhalten, welche besser aufgeben? Schreiben Sie uns an: Lokalredaktion "Freie Presse", Rochlitzer Straße 64, 09648 Mittweida oder via E-Mail:

red.mittweida@freiepresse.de

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