Warum im Klinik-Vorgarten Kunst aus Zement steht

Mit Zement überzogene Alltagsgegenstände ziehen in der Grünanlage des Krankenhauses Mittweida die Blicke auf sich. Sie sind Teil eines neuen Projektes, das jungen Patienten mit psychischen Problemen helfen soll.

Mittweida.

Upcycling heißt das, womit Angela Pollähne ihre Patienten trainiert. Von Upcycling spricht man, wenn Abfallprodukte in neuwertige Gegenstände umgewandelt werden. Weil natürliche Ressourcen knapp werden, wird dieser Prozess immer wichtiger. Mit ihren Kollegen und fünf jugendlichen Patienten überzieht Pollähne, Mitarbeiterin der Krisenstation im Krankenhaus Mittweida (LMK), gebrauchte Alltagsgegenstände wie einen Hut, einen Stuhl oder ein Fahrrad mit Zement und verwandelt sie so in künstlerische Unikate. Zu sehen sind diese im Vorgarten der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kinder- und Jugendalters in Mittweida. "Es ist gut, kreativ zu sein", sagt Pollähne. "Die Erschaffung von etwas Neuem, das Finden einer neuen Lösung, das Gefühl des Gelingens - all das konnten unsere Patienten trainieren." Durch das Erleben bauen sie Selbstbewusstsein auf. Dies gebe den Jugendlichen jene Motivation, um sich auch in anderen Lebensbereichen aktiv einzubringen, Krisen zu bewältigen und Lösungen für konkrete Alltagsprobleme zu finden.

Pollähne ist gelernte Krankenschwester, arbeitet seit 2001 im Unternehmen, seit 2004 in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, 13 Jahre lang am Standort Chemnitz der Kinder- und Jugendpsychiatrie und seit über zwei Jahren in Mittweida auf der Krisenstation.


Ihre Patienten zeigen ganz unterschiedliche Krankheitsbilder. Sie reichen von Depressionen über Drogenabhängigkeit bis zu Störungen des Sozialverhaltens. Auf die Krisenstation der Klinik werden junge Menschen zwischen 11 und 18 Jahren zur akuten Behandlung aufgenommen. Aber auch geplante, längerfristige Therapien fänden dort statt, so Ines Schreiber, bei der LMK zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Zum Schutz der Jugendlichen sind nur ihre Kunstwerke öffentlich - sie selbst sollen sich in der Zeitung nicht äußern.

Das Upcycling-Projekt ist eine Premiere für die LMK. Die meist komplex und oft chronisch gestörten Jugendlichen benötigten ein intensives, mehrschichtiges Therapieangebot. Es enthalte nicht nur medizinische, sondern auch psychotherapeutische und pädagogische Elemente. Unterschiedliche Therapieformen werden mit Angeboten der Berufsvorbereitung kombiniert, begleitet durch die Klinikschule. Ziele sind unter anderem die Deeskalation angespannter Beziehungen und die psychische Stabilisierung.

Der Anblick ist nicht das, was man vom Vorgarten einer Klinik erwartet. Doch die Objekte sorgten für eine positive Resonanz, sagt Ines Schreiber. Passanten in der Gabelsbergerstraße blieben stehen. Manche machten sogar Handyfotos der ungewöhnlichen Freiluftschau.

Ihre Ideen für das Upcycling seien mit der Sommeroffensive keineswegs erschöpft, versichert Angela Pollähne. Ihre Kollegen und sie planen demnach bereits eine weihnachtliche Neuauflage mit festlichen Kunstobjekten.

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