Warum Online-Spiele zum Studium gehören

Hochschule Mittweida stellt Team für Wettbewerbe am Computer auf

Mittweida.

Wie Hochleistungssportler sollen die zehn Studenten des neuen E-Sport-Teams behandelt werden, obwohl sie nicht wie Kugelstoßerin und Studentin Christina Schwanitz im Stadion, sondern am Computer trainieren. "Freie Presse" fasst zusammen, was es mit der Mannschaft, dem digitalen Sport und dem neuen Studiengang auf sich hat.

Mit welchem Spiel befasst sich das Team der Hochschule?

Das neue E-Sport-Team der Hochschule Mittweida trainiert künftig für Wettbewerbe im Strategiespiel "League of Legends", welches weltweit zu den erfolgreichsten E-Sport-Titeln gezählt wird. In einer Fantasiewelt stehen sich dabei in der klassischen Variante zwei Mannschaften mit je fünf Mitspielern gegenüber, die virtuelle Charaktere steuern. Hauptziel ist es, eine Zentrale des Gegners zu zerstören. Es werden auch Weltmeisterschaften des Online-Computerspiels ausgetragen. Profi-Turniere füllen riesige Hallen, Millionen Zuschauer verfolgen die per Live-Stream. Die zehn Mittweidaer Studenten sollen, begleiten von einem Trainer und einem Analysten, im März 2020 in der Uniliga antreten, in der studentische Gruppen deutscher Hochschulen mitspielen. Die Teammitglieder erhalten einen separaten Studien- und Trainingsplan und werden so wie andere Hochleistungssportler, die in Mittweida studieren, unterstützt.

Was ist eigentlich E-Sport?

E-Sport definiert der E-Sport-Bund Deutschland als "unmittelbaren Wettkampf zwischen menschlichen Spielerinnen unter Nutzung von Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln". Bei der digitalen Variante des sportlichen Wettkampfs gibt es eine große Bandbreite an Spielen, wie Rennsimulationen, Strategiespiele oder Fußballspiele. Die körperliche Leistung der Spieler beschränkt sich dabei im Wesentlichen auf die Eingabe von Befehlen an der Tastatur und der Bedienung der Computermaus. Entscheidend ist die gedankliche Beherrschung des Spielablaufs, das taktische Denken und schnelle Entscheidungen.

Warum ist der Spiele-Wettbewerb Teil des Studiums?

Die Beschäftigung mit dem Thema E-Sport ist begründet mit einer in diesem Jahr neu aufgelegten Vertiefungsrichtung des Bachelor-Studiengangs Medienmanagement. Studenten sollen die Geschäftsmodelle der E-Sport- und Computerspielbranche sowie die Vermarktung von Spielen lernen. Eine praktische Anwendung ist das Spieltraining mit "League of Legends", welches die Hochschule als Leistungssport betrachtet, erklärt Alexander Marbach, Professor der Fachgruppe Online und interaktives Entertainment an der Fakultät Medien. Als erste staatliche Hochschule in Deutschland hat die Hochschule Mittweida im Wintersemester 2019 die Vertiefungsrichtung "eSports and Games Marketing" eingeführt, mit der jetzt etwa 20 Studenten begonnen haben. In der Richtung gibt es in Mittweida maximal 80 Plätze. Nach dem Studium könnten die Absolventen dieser speziellen Fachrichtung im Marketing für Spiele-Entwickler oder Agenturen arbeiten. "Sie werden also nicht das Zocken studieren, sondern das Vermarkten", so Marbach.

Wird auch am Thema E-Sport in Mittweida geforscht?

Ja, dazu dient unter anderem das im Jahr 2018 gegründete Forschungslabor "eSports Science Lab" der Hochschule. Computerspiele würden in Gesellschaft und Politik nicht durchweg positiv beurteilt, erklärt Marbach. Deshalb beschäftigten sich Studenten auch mit ethischen Fragen des E-Sports. In einer Fachkonferenz am Dienstag widmeten sich Wissenschaftler in Mittweida der Frage, was E-Sport zur Profession macht und welche Kompetenzen für Berufsbilder der Branche nötig sind.

Welche Partner hat die Hochschule für E-Sport gewonnen?

Ein Kooperationspartner ist eines der bekanntesten deutschen "League of Legends"-Spielerteams "ad hoc gaming" aus Gera. Zudem stehen laut Marbach mehrere Technikdienstleister der Hochschule zur Seite, wie auch wissenschaftliche Partner. Der Sächsische Fußball-Verband hatte eine Kooperation mit der Hochschule zu E-Sport vereinbart.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...