Was IBM und Volksbank mit der Blockchain verbindet

Der IT-Konzern kooperiert jetzt mit dem Mittweidaer Kreditinstitut. Beide wollen für die Anwendungen der Technologie eine Art Schaufenster in der Hochschulstadt gestalten.

Lichtenwalde/Mittweida.

Auf den ersten Blick würde man kaum Gemeinsamkeiten zwischen dem weltweit agierenden IT-Konzern IBM und der regional verwurzelten Genossenschaftsbank vermuten. Und doch haben Vertreter der Volksbank Mittweida und von IBM Deutschland am Mittwoch in Lichtenwalde eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Was sie verbindet, ist das Interesse an der Entwicklung der Technologie Blockchain.

Viele verbinden mit dem Begriff vor allem eine Anwendung: Kryptowährungen wie Bitcoin. Doch die über viele verschiedene Computern vernetzten Datenbanken können die Basis für deutlich mehr Anwendungen in der digitalen Welt bieten. So können mit Hilfe der Blockchain digitale Transaktionen sicher erfolgen, was zum Beispiel für die Übermittlung und Verifizierung von Verträgen oder Unterschriften relevant wäre.

IBM zählt nach eigenen Angaben weltweit zu den führenden Anbietern von Blockchain-Lösungen für Unternehmen. Die Volksbank Mittweida wiederum verfolgt zusammen mit der Stadt Mittweida und der Hochschule im Rahmen des "WIR! Programms" des Bundesforschungsministeriums das Ziel, die Region Mittweida zu einem Schaufenster für die Blockchain-Technologie zu entwickeln.

Durch die Kooperation mit IBM soll nun in Mittweida ein sogenannter Blockchain Innovation Hub entstehen. Er soll dazu beitragen, die Einsatzmöglichkeiten von Blockchain für Unternehmen, Verwaltungen, Schüler und Studenten sowie interessierte Bürger greifbar und verständlich zu machen. Vom Kooperationspartner IBM wird dabei vor allem eine Fachexpertise erwartet, beispielsweise im Rahmen von Workshops.

"Unser Ziel ist es, mit Partnern ein virtuelles Schaufenster namens Werkbank 32 von internationalem Format zu entwickeln, welches die Blockchain-Technologie für Akteure vor Ort, besonders dem Mittelstand aber auch für Politik und Wissenschaft praktikabel macht", erklärte Leonhard Zintl, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Mittweida. Er sieht die Chance, mit ersten Referenzprojekten erfolgreiche Geschäftsmodelle zu initiieren. Dabei gehe es beispielsweise um das Transferieren von Daten in Echtzeit an unterschiedlichste an einem Projekt beteiligte Partner und den Erhalt der Originaldokumente im weltumspannenden Netzwerk. Die tragen einen digitalen Stempel und bescheinigen deren Echtheit in allen Verarbeitungsschritten. Dafür bedürfe es der Fachleute in Sachen Technik und Software, eben jener Partner von IBM.

Christian Schultze-Wolters, Geschäftsbereichsleiter Blockchain Solutions bei IBM Deutschland, erklärte bereits vor Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung, dass "in der modernen Welt Kooperationen zwischen unterschiedlichsten Partnern wichtiger denn je sind". Alexander Werkmann, Director of ESU Banking & Finance der IBM Deutschland GmbH, prognostizierte, dass Mittweida mit dem Blockchain-Vorhaben schon bald für Aufmerksamkeit sorgen werde. "Das Vorhaben macht Sinn, daher werden wir uns hier engagieren", so Werkmann. Das Internet bringe verschiedenste Kulturen, Werte und Wirtschaftsräume im Netz zusammen. Dies bedürfe eines sichereren, nachvollziehbaren Datenaustauschs unter den Akteuren auch in Finanz- und Buchungsgeschäften. Ein gutes Beispiel zur Anwendung der Blockchain sei die Logistikbranche, die ungezählte Stücke Seefracht über alle Kontinente bewegt und zwischen Schiffen, Häfen und Ländern vernetzt ist. Oder die Lebensmittelbranche. "Da ist es wichtig, bei Problemen mit der Qualität eine Rückrufaktion schnellstmöglich an die Konsumenten zu bringen, die die Informationen in unterschiedlichster Weise abrufen können", so der IBM-Director. Blockchain mache das möglich. Er benannte auch eine mögliche Anwendung, die von einem IT-Start-up-Unternehmen in Chemnitz entwickelt werde. Dabei gehe es um einen QR-Code, der geeignet sei, etwa als digitales Gütesiegel für Medikamente zu dienen. Mit dem nicht manipulierbaren Siegel werde gesichert, welche Wirkstoffe zu verarbeiten sind. Und auch dabei diene die Blockchain-Technologie dazu, solche Transaktionen vor Manipulationen zu schützen.

Derlei Anwendungsmöglichkeiten für die Blockchain-Technologie sollen künftig in dem als Werkbank 32 bezeichneten Innovationszentrum in Mittweida präsentiert werden. Am kommenden Montag soll ein dafür von der Volksbank saniertes früheres Fabrikgebäude an der Bahnhofstraße offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. (mit jl)

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