Wechsel an der Vereinsspitze

Marion Göhzold übergibt die Geschäfte an ihre Nachfolgerin Anna Thum. Doch dem Frankenberger Gemeinschaftswerk bleibt die langjährige Geschäftsstellenleiterin erhalten.

Frankenberg.

Führungswechsel können kompliziert sein. Entweder, weil der scheidende Chef nicht loslässt, oder weil dem Nachfolger die Schuhe des Vorgängers zu groß sind. Nicht so im Gemeinschaftswerk Frankenberg. Hier sind die bisherige und die neue Geschäftsstellenleiterin überzeugt davon, die Ideallösung gefunden zu haben.

"Das war bisher mein Büro", sagt Marion Göhzold und zeigt in die aufgeräumte Runde. Das Gemeinschaftswerk hat seine Zelte im Frankenberger Bahnhof aufgeschlagen. Von hier organisiert und realisiert der gemeinnützige Verein seine Kinder- und Jugendarbeit. Dazu gehören neben der offenen Jugendarbeit auch der Schulclub in der Erich-Vieweg-Oberschule, der für alle Frankenberger Heranwachsenden offene Kinder- und Jugendclub im Bahnhof sowie Streetwork und die Sozialarbeiter für die Kindertagesstätten und Grundschulen der Stadt. "Ich bin froh, dass wir heute diesen inhaltlichen Schwerpunkt mit Leben erfüllen", sagt Marion Göhzold, die nun in ihrem 13. Jahr die Geschäfte an ihre Nachfolgerin übergeben hat. "Dass es uns weiterhin gibt, betrachte ich als meine größte Leistung", sagt die 65-Jährige.

Und das ist nicht selbstverständlich. Als eine Art Auffanggesellschaft für die vielen Arbeitslosen nach 1989 habe sich der Verein zunächst formiert. "Damals wurde alles daran gesetzt, Leute weiter zu beschäftigen", sagt Göhzold. Doch mit dem Entstehen der Jobcenter hatte sich der Verein nach der Jahrtausendwende überlebt. "Bürgermeister Thomas Firmenich hatte dann die Idee, den Verein nicht sterben zu lassen", erinnert sich Marion Göhzold. Wer soziale Probleme welcher Art auch immer hat, der benötigt Hilfe. "Mit diesem Anspruch haben wir dann das neue Gemeinschaftswerk entwickelt."

Routine stellte sich nie ein, die Fördermöglichkeiten änderten sich immer wieder. Arbeitsgelegenheiten auch für die Schwachen der Gesellschaft zu schaffen, gehört daher bis heute zum Alltag des Vereins. "Es geht letztlich immer um die Bewahrung des sozialen Friedens", weiß die Diplomsozialpädagogin.

Vor diesem Hintergrund ist Anna Thum sehr froh, nicht ins kalte Wasser springen zu müssen. "Ich bin hier schon seit 2015 Mitarbeiterin im pädagogischen Bereich", sagt die neue Hausherrin. Von Hause aus Heilpädagogin hat die 30-Jährige inzwischen auch einen Masterabschluss in Management des sozialen Wandels in der Tasche. "Zum Glück konnte ich hier alle Abläufe ausführlich kennenlernen. Ich übernehme einen sehr guten Stand", sagt Thum. Von Grund auf verändern wolle sie daher auch erst mal nichts. "Wir haben viele Abläufe gemeinsam überdacht", sagt Marion Göhzold. "Natürlich bringt Anna mehr Know-how mit. Ich habe sehr darauf hingearbeitet, sie in alle Prozesse einzubeziehen." Als Idealfall bezeichnen daher beide Frauen den Wachwechsel. Die Tätigkeit sei anspruchsvoll, weil es viele verschiedene Fördermöglichkeiten gebe.

Der Begriff Ruhestand trifft im Falle von Marion Göhzold nicht ganz: Die Diplomsozialpädagogin ist zwar aus dem Berufsleben ausgeschieden, aber nicht so ganz. Als Verwaltungsgehilfin steht sie dem Verein auch weiter stundenweise mit ihrer ganzen Erfahrung zur Verfügung. Zudem engagiert sie sich ehrenamtlich beim Weißen Ring. Einen lang gehegten privaten Traum kann sich Marion Göhzold aber nun auch erfüllen: Mit ihren Wurzeln im Zeitzer Ortsteil Kayna liebt die Sachsen-Anhalterin bis heute die Saale. Daher will sie schon in diesem Jahr aufbrechen, um den Fluss von seiner Quelle im Fichtelgebirge bis zur Mündung in die Elbe zu erkunden. Hat sie keine Angst, dabei verloren zu gehen? "Kein Stück, ich habe doch ein Handy." Sagt's und überlässt ihr Büro ihrer Nachfolgerin.


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