Wenn der Computer den Melker ersetzt

Die digitale Welt ist in den Agrargenossenschaften im Kreis Mittelsachsen längst Alltag. Und das nicht nur in den Büros, sondern auch in den Ställen.

Hainichen.

"Digitalisierung und Automatisierung sind, schon länger als in der Bevölkerung geglaubt, in der Landwirtschaft angekommen", sagen Udo Böhme und Daniel Näther vom Vorstand der Methauer Agro AG. Gründe der Umstellung seien besseres Tierwohl, geringere Umweltauswirkungen und Arbeitserleichterungen.

So sei beispielsweise die komplette Verwaltung aller Daten zu Abstammung, Tiergesundheit und Milchleistung digitalisiert. Spezielle Programme erlaubten eine detaillierte Analyse der Milch und des Futters, unter anderem Aussagen über dessen Energie- und Mineralstoffgehalt. Sensorgesteuerte Überwachung der Tiergesundheit sorge für weniger Antibiotika und mehr Tierwohl, Wiegeeinrichtungen am Futtermittelwagen zudem für die exakte Einhaltung der von den Rindern benötigten Rationen.


Ebenfalls in Methau eingesetzt werde eine satellitengestützte Gerätesteuerung."Im Vordergrund dieser Anwendungen steht die Einsparung von Betriebsmitteln wie Dünger und Pflanzenschutz sowie Kraftstoff", erklärt Böhme. Für die exakte Durchführung dieser Maßnahmen seien im vergangenen Jahr rund 70.000 Euro investiert worden. Um all das richtig anwenden zu können, müsse das Personal intensiv eingewiesen beziehungsweise auch speziell geschult werden.

In der Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf erfolgte der Einstieg in die Digitalisierung 2002, mit dem ersten Parallelfahrsystem in der Pflanzenproduktion. "Der Traktor war mit einem GPS-Empfänger ausgerüstet und konnte so durch ein Korrektursignal über Satellit und eine Lenkhilfe gesteuert werden", erklärt Vorstandsvorsitzender Silvio Hainich. Heute sei ein Großteil der Traktoren mit GPS-Empfängern ausgestattet. 2011 erfolgte die Anschaffung eines Stickstoffsensors für die Düngemittelausbringung. Die jüngste und auch größte Investition war laut Hainich mit Kosten von circa 3 Millionen Euro 2015 ein vollautomatisches Melkkarussell.

In der Agrargenossenschaft "Bobritzschtal" in Bobritzsch-Hilbersdorf bei Freiberg werden gerade Melkroboter installiert - 13 Stück für die 850 Milchkühe. "Das Melken läuft dann vollautomatisch. Die Kühe gehen selbst zum Stand, werden durch einen Transponder erfasst und so erkannt. Entsprechend ihrer Leistungen bekommen sie die notwendige Menge Kraftfutter zugeteilt und werden zugleich gemolken", erklärt Vorstandsvorsitzender Lars Furkert. Mitte des Jahres sollen die neuen Melkroboter fertiggestellt sein. Mit Kosten im siebenstelligen Euro-Bereich seien sie die größte Investition in den vergangenen Jahren, so Furkert.

Der Betrieb verspricht sich davon unter anderem Einsparungen bei Energie und Desinfektionsmitteln. Zudem entfalle so eine körperlich schwere und zugleich eintönige Arbeit. "Der Prozess der Digitalisierung ist längst nicht abgeschlossen. Mit den neuen Melkrobotern erreichen wir aber ein sehr hohes Level. Ich bin überzeugt, dass wir den Standort Oberbobritzsch so die nächsten zehn bis 15 Jahre sichern können", sagt Furkert.

Bereits im Sommer 2017 ist ein hochmoderner großer, neuer Stall der Agrargenossenschaft Agraset Naundorf in Erlau in Betrieb gegangen. Dort finden in einem Melkkarussell 36 Kühe gleichzeitig Platz. Alle acht Stunden - auch nachts - gehen sie zum Melken, geben laut dem Vorstandsvorsitzenden Jan Gumpert täglich im Schnitt 34 Liter Milch. Nur wo sich die Melkbecher nicht automatisch an die vier Zitzen einer jeden Kuh ansaugen, helfen Mitarbeiter nach.

Agraset verspricht sich von dem Neubau unter anderem, die Produktionskosten senken zu können. Wie sich die Anlage rentiert, werde die Entwicklung der nächsten Jahre zeigen, so Gumpert. Schon heute sagt er: "Die Bedingungen für das Tierwohl und die Mitarbeiter, die ökologischen und ökonomischen Belange entsprechen jetzt dem Stand der Zeit."

Damit erfüllen die Betriebe das, was Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) als Schlüsselwörter bezeichnet: Digitalisierung und Innovation. "Wir müssen die neuen Herausforderungen der sächsischen Landwirtschaft lösen können", so Schmidt. Dabei sei der Einklang von Ökonomie und Ökologie entscheidend. Die Erkenntnisse aus Boden-, Pflanzen- und Umweltforschung müssten mit technologischer Innovation und Naturschutzkonzepten kombiniert werden, um die Landwirtschaft in Sachsen noch nachhaltiger zu gestalten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...